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Kultur „Ich hatte immer zu viel Energie“
Nachrichten Kultur „Ich hatte immer zu viel Energie“
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12:09 06.07.2013
Tonne in der Nacht: Sarah Lasaki und ihre Mitstreiter bei ihrer schweißtreibenden Arbeit. Quelle: McNicholas
Hannover

Frau Lasaki, Stomp ist lautes, aber zugleich sprachloses Theater. Kommt es deshalb immer und überall an?

Es ist nicht nur sprachlos, sondern auch zeitlos. Und es spricht alle Schichten und Altersgruppen an. Ich sage immer: Stomp ist wie eine Lieblingsband, die immer wiederkommt.

Verändert sich die Show?

Der Rahmen, das Konstrukt der Show, bleibt. Aber sie verändert sich allein schon durch die Besetzung. Die Bosse in England versuchen, die Charaktere immer wieder neu zu mischen. Jeder Stomper interpretiert Musik anders. Es gibt einige, die schneller sind, es gibt einige, die eher etwas zurückliegen mit dem Beat, das hat mit den unterschiedlichen Kulturen zu tun, die da zusammenkommen. Und die Bosse versuchen auch, immer wieder neue Instrumente oder Gegenstände dazuzunehmen. Durch diese kleinen Änderungen entsteht oft der Eindruck, es sei eine komplett neue Show.

Sie machen Musik mit Ölfässern und Streichholzschachteln. Alles noch da? 

Ja, auch die Streichholzschachteln sind noch dabei.

Vielleicht wissen die jungen Leute in zehn Jahren gar nicht mehr, was Streichholzschachteln sind …

Kann sein. Vielleicht spielen wir dann mit iPhones. Mal sehen.

Und das rhythmische Fegen?

Das ist unsere klassische Anfangsnummer.

Sie selbst haben angefangen mit klassischem Ballett, haben bei John Neumeier in Ihrer Heimatstadt Hamburg getanzt. Dann haben Sie Musical getanzt und sogar Eiskunstlauf probiert. Wie kommt man von diesen doch eher grazilen Disziplinen zu so einer lauten, kraftstrotzenden Sache wie Stomp?

Ich wollte immer Schlagzeug spielen. Ich habe Lautes geliebt, und ich habe es geliebt, selber laut zu sein. Ein Jahr vor Stomp habe ich begonnen, Schlagzeugunterricht zu nehmen. Bei den Auditions dachte ich dann: Oh, das ist wohl doch eine Drummershow! Aber dann war es genau das Richtige für mich.

Haben Sie etwas mitgenommen von damals?

Ja, klar. Ich habe wirklich viel von John Neumeier gelernt. Vor allem, auf meinen Körper zu achten und auf ihn zu hören. Aber dieses Kontrollierte des Balletts, das bin ich nicht mehr. Ich hatte immer zu viel Energie. Ich musste mich immer zügeln, auch später im Musical. Als mir der Boss dann bei Stomp sagte: „I will never tell you to stop!“, da dachte ich: Hier bist du richtig! Was die Energie betrifft, bin ich bei Stomp sozusagen angekommen.

Sarah Lasaki

Sarah Lasaki ist derzeit die einzige deutsche Akteurin bei Stomp. Die Tochter einer französischen Flamencotänzerin und eines nigerianischen Trommlers ist in Hamburg aufgewachsen. Nach der Ballettausbildung bei John Neumeier tanzte sie unter anderem im Musical „Aida“ und „Dirty Dancing“ und in Musikvideos, unter anderem von Seeed und Nena. Seit fünf Jahren ist die jetzt 30-Jährige bei Stomp, das 1991 im englischen Brighton erfunden wurde und mittlerweile mit zwei Tour- und zwei festen Produktionen die ganze Welt betrommelt. In der hannoverschen Oper gastiert Stomp von 9. bis
 14. Juli. Infos und Tickets unter Telefon (0511) 99991111 oder www.oper-hannover.de.

Haben Sie die Stomp-Techniken schnell gelernt?

Ich habe acht Wochen geübt, um den Stil zu lernen, und wäre dabei fast verzweifelt. Aber irgendwann hatte ich es plötzlich. Als ob ein Schalter umgelegt wird. Es ist wie eine Sprache, die man lernen muss. Man überträgt das Schlagzeug auf den eigenen Körper.

Fällt das gelernten Tänzern leichter oder gelernten Schlagzeugern?

Wir helfen uns gegenseitig. Tänzer gucken sich bei Drummern die Techniken ab und zeigen ihnen dafür, wie man sich bewegt. Manche Schlagzeuger sind eher körperlich steif, da sie viel sitzen.

Wo bekommt man die meisten Muskeln als Stomper?

In den Armen und Oberschenkeln. Und man kriegt ziemlich kräftige Hände. Aber das ersetzt keinen Sport.

Sie touren zwischen 30 und 45 Wochen pro Jahr. Trainieren Sie auf Tournee noch?

Wir treffen uns jeden Tag und üben eine Stunde vor der Show. Es sind ja doch einige gefährliche Nummern dabei.

Was sind die häufigsten Verletzungen?

Der sogenannte Tennisarm kommt recht oft vor. Und wer als Frau noch vorhat, Kinder zu bekommen, sollte nicht unbedingt die schweren Ölfässer tragen, das geht doch ziemlich auf die Hüfte.

Wie lange kann man das machen?

Wir hatten mal einen Amerikaner, der hat mit 52 Jahren die Show noch gespielt. Als der mehr Energie zeigte als der 19-Jährige neben ihm – das war toll. Aber nicht so gut für den 19-Jährigen.

Sie sind seit fünf Jahren Stomperin und seitdem eigentlich pausenlos unterwegs. Stress oder Privileg?

Totales Privileg! Ich hab mit Stomp fast die ganze Welt gesehen, und ich hab meistens sogar Zeit, mir die Städte anzugucken.

Mit Stomp auf alle Kontinente?

Fast alle, außer Amerika. Das macht die amerikanische Stomp-Tour. Und Afrika. Ach, Moment – stimmt gar nicht! In Südafrika war ich ja auch (lacht).

Führen Sie ein Reisetagebuch?

Ich mache Fotos. Wenn es öffentliche Verkehrsmittel gibt, nehme ich gerne einen Fahrplan mit. Oder so einen kleinen Magneten mit einem Motiv. Und vieles speichere ich einfach in meinem Kopf. Besondere Eindrücke bleiben einfach.

Und was machen Sie hinterher, wenn Sie mal keine Stomperin mehr sind?

Ich will mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und auch denen, die sich nicht leisten können, ein Instrument zu spielen, weitergeben, was ich hier gelernt habe; zum Beispiel in Workshops, aber ich kann mir auch vorstellen, mal Schulen zu eröffnen.

Sie waren gerade in Abu Dhabi. Jetzt Hannover. Freuen Sie sich?

Klar! Ist für mich als Hamburgerin ja fast ein Heimspiel.

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