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Kultur „Die Leiden einer jungen Muslima“
Nachrichten Kultur „Die Leiden einer jungen Muslima“
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21:26 11.04.2015
Von Martina Sulner
Auch Comics, die sich mit dem Verhältnis zwischen der islamischen und der westlichen Welt auseinandersetzen, werden zu sehen sein. Quelle: dpa
Hamburg

Krüge, Vasen und Schalen, immer wieder Krüge, Vasen und Schalen: Ein ganzer Raum ist damit gefüllt; man sieht graue, türkise, vergoldete Krüge in verschiedenen Formen und Größen und mit Figuren, Blumen oder blau-weißen Ornamenten bemalte Schalen. Entstanden ist diese Gefäßkeramik zwischen dem 8. und 18. Jahrhundert, irgendwo zwischen Spanien und Indien. Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe sollen diese Krüge, Vasen und Schalen einen Zweck erfüllen: Sie sollen deutlich machen, wie vielfältig die islamische Kunst war und ist.

Von diesem Sonntag an ist in dem Haus die neu eingerichtete Sammlung Islamische Kunst zu sehen. Gemeint ist damit Kunst aus islamisch geprägten Ländern. Die Neugestaltung, sagt Direktorin Sabine Schulze, sei ein programmatischer Schritt - auch räumlich wolle man dieser vielfältigen Kultur das Gewicht geben, das sie verdiene.

Auf knapp 400 Quadratmeter wurde die Sammlungsfläche verdoppelt. 400 Quadratmeter, um Kunst aus einem riesengroßen Gebiet aus weit über 1000 Jahren zu präsentieren? Und das in einer Zeit und bei einer gesellschaftlichen Stimmung, wo schon das Wort Islam Ressentiments, wenn nicht gar offene Ablehnung hervorruft? Islam, Islamismus, „Islamischer Staat“ - so funktioniert Menschen bei vielen die Assoziationskette.

In Museum für Kunst und Gewerbe will man dezidiert, „dem verbreiteten Vorurteil entgegenwirken, der Islam sei eine in sich geschlossene Welt, die durch ein einheitliches Erscheinungsbild gekennzeichnet ist“. Vielmehr möchte man laut Direktorin Schulze zeigen, „welche Innovationen, welche Leistungen diese Kultur geschaffen hat“. Große Worte angesichts von fünf recht überschaubaren Ausstellungsräumen plus einem Flur, in dem Videos und Comics zu sehen sind.

Doch hilft der neugestaltete Trakt tatsächlich, jenen „differenzierten Blick auf den Islam zu werfen“, den sich Nora von Achenbach, die die Sammlung Ostasien und Islam leitet, wünscht. Die Präsentation ist zeitgemäß und überzeugend: Jeder Raum steht unter einer Überschrift - etwa „Poesie und Figuration“ oder „Glaube und Spiritualität“.

Im „Poesie“-Raum kann der Besucher zum Beispiel ein persisches Gedicht bewundern, das Künstler im 18. Jahrhundert mit irisierender Tusche auf vergoldetes Papier geschrieben haben. Und im „Glaube“-Raum wird prägnant die hohe Bedeutung der Schrift im Islam erklärt und anschaulich gemacht: Weil in islamischer Vorstellung Gott in seiner Allmacht nicht darstellbar ist, die Schrift aber als göttliche Erfindung gilt, hat sie solch einen hohen Stellenwert in der Kunst. „Schrift und Ornament sind das Dominante - nicht das Bild“, sagt Nora von Achenbach.

Erst zum Abschluss des Rundgangs durch die Sammlung sind reichlich Bilder zu sehen: aktuelle Graphic Novels und Animationsfilme. Darin nehmen junge muslimische Künstler „Stellung zu den Vorgängen in ihren Ländern“, sagt Museumschefin Sabine Schulze. Die ausgestellten Graphic Novels könne man schnell austauschen, wenn Zeichner auf Veränderungen innerhalb der islamischen Welt reagierten.

Fast schon historisch wirkt da der Comic von Zeina Abirached, die - autobiografisch fundiert - in „Das Spiel der Schwalben“ vom Alltag ihrer Familie während des Bürgerkriegs im Beirut der Achtzigerjahre erzählt. Die Berliner Zeichnerin Tuffix schildert in ihren Comics ironisch „Die Leiden einer jungen Muslima“.

Die Sammlung mit ihren 270 unterschiedlichen Exponaten - darunter sind auch Teppiche, Stoffe und Fliesen - ermöglicht einen kurzen Einblick in die islamische Kunst. Beim Rundgang fragt man sich, wie wohl auf 400 Quadratmetern eine Schau über christliche Kunst aussehen könnte - von frühmittelalterlichen Tonscherben aus Italien bis zu moderner Videokunst aus Skandinavien vielleicht?

Weder „die“ christliche noch „die“ islamische Kunst lässt sich in solch einem Rahmen darstellen, geschweige denn erklären. Und doch bekommt der Besucher im Museum für Kunst und Gewerbe eine leise Ahnung davon, wie vielfältig und schön vieles aus der islamischen Kunst ist. Die unschönen Dinge aus dem Alltag islamischer Länder entnimmt man weiterhin den Medien.

Die Sammlung wird am Sonntag eröffnet. Informationen unter www.mkg-hamburg.de.

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