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Kultur Rebell am Klavier
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00:49 08.10.2014
Von Jutta Rinas
Er polarisiert seit Jahrzehnten: Pianist Ivo Pogorelich, hier noch bei den Proben für seinen Auftritt im Kuppelsaal. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Er polarisiert seit Jahrzehnten. Genau genommen schon seit seinem ersten Auftritt im Jahr 1980 auf einer international bedeutenden Bühne. Da überzeugte der kroatische Pianist Ivo Pogorelich beim Warschauer Chopin-Wettbewerb weite Teile der Jury nicht. Eine aber, die legendäre Martha Argerich, sah ein Genie in ihm – und verließ aus Zorn über die Fehlentscheidung erbost und pressewirksam die Jury.

Auch jetzt – zum Saisonauftakt bei Pro Musica – teilte der mittlerweile 55-Jährige sein Publikum in ein begeistertes und ein empörtes Lager. Mehr als 20 Jahre ist es her, dass der kroatische Exzentriker in Hannover zu hören war – und nicht immer konnte er mit seinem radikalen Klavierspiel überzeugen. Diesmal jedoch gelang es ihm: mit einer faszinierenden Interpretation des Klavierkonzertes in a-Moll op. 54 von Robert Schumann, der alles Träumerische, Liebliche, Lyrische fremd geworden war.

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Eine Phantasmagorie aus lauter Tönen erklang da stattdessen, eine grell dämonische Traumwelt. Sie fiel stellenweise so wild, so unberechenbar, aus, dass das Orchester des Abends, die Brussels Philharmonic unter Dirigent Michel Tabachnik (die später mit Brahms Dritter Überzeugten), nur unter Schwierigkeiten folgen konnte. Dennoch: Aufregend war das, aufrüttelnd, modern – und ein gelungener Auftakt der Jubiläumssaison von Pro Musica (man feiert 50-Jähriges), in der noch viele weitere prominente Musiker, darunter Lang Lang, Martin Grubinger und Jonas Kaufmann, zu hören sein werden.

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