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Kultur J.J. Abrams zeigt in „Super 8“ menschliche Monster
Nachrichten Kultur J.J. Abrams zeigt in „Super 8“ menschliche Monster
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12:56 16.09.2012
Von Ernst Corinth
Die Angst geht um im Bundesstaat Ohio. Quelle: Paramount
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Hannover

Bisher gibt es Zeitreisen leider nur im Kino. Aktuell kann man sich dort jetzt auf einen Trip in die späten Siebziger begeben. In der fiktiven Stadt Lilian im US-Bundesstaat Ohio möchte 1979 eine Handvoll Teenager (die allesamt toll spielen) einen Film auf dem Material der damaligen Zeit, Super 8, drehen. Ein Zombiestreifen ganz nach dem Vorbild von George A. Romeros „Dawn of the Dead“ (deutscher Titel: „Zombie“) soll es werden. Angeführt wird die Gruppe vom filmverrückten Charles (Riley Griffiths) und vom Make-up-Experten Joe (Joel Courtney), der den kürzlichen Unfalltod seiner Mutter verkraften muss und sich bald in die hübsche Mitschülerin Alice (Elle Fanning) verguckt, die die weibliche Hauptrolle spielen soll.

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Bei ihren nächtlichen Dreharbeiten geschieht ein unglaubliches Unglück. Ein Auto, das, wie sich später herausstellt, dem Biologielehrer der Schüler gehört, rollt auf die Bahngleise und bringt einen vorbeirauschenden Militärzug unter atemberaubendem Getöse zum Entgleisen. Das Filmteam kann sich nur unter großer Gefahr retten, zurück bleibt die Kamera, die das Geschehen unkontrolliert weiter aufnimmt.

Das Unglück hat Regisseur J.J. Abrams spektakulär inszeniert. Die extrem explosive Actionszene steht in starkem Kontrast zu dem ansonsten bewusst ruhigen und eher altmodisch bedächtigen Geschehen.

Nach dem Unfall passieren in Lilian merkwürdige Dinge: Die Hunde der Stadt verschwinden genau wie zahlreiche elektrische Geräte, Menschen werden aus unerklärlichen Gründen getötet, dann marschiert das Militär auf und verbietet dem örtlichen Sheriff weitere Ermittlungen. Was hinter den Vorfällen steckt, erfahren die Jugendlichen erst, als nach drei langen Tagen ihr Filmmaterial entwickelt ist und sie sich den Horror der Unfallnacht anschauen können.

Auch der Zuschauer tappt lange im Dunkeln. Zwar ahnt er schnell, dass mit dem Unglückszug wohl ein außerirdisches Wesen, ja, wohl sogar ein Monster transportiert wurde, aber es dauert, bis dieses zum ersten Mal schemenhaft zu sehen ist. J.J. Abrams präsentiert dabei, ähnlich wie Mitte der siebziger Jahre Steven Spielberg in „Der weiße Hai“, ein Filmungetüm, das auch lange für den Zuschauer im Verborgenen bleibt.

Die Ähnlichkeit ist kein Zufall. Spielberg ist nicht nur Produzent des Films, sondern „Super 8“ ist auch eine Hommage an den Filmemacher, der in den siebziger und achtziger Jahren selber gern in seinen Produktionen mit Kindern arbeitete, dessen Filme trotz aller Schrecken stets familientauglich waren und der sich zudem nicht scheute, auch Kitsch abzuliefern. Ein paar Tränen kann man auch in „Super 8“ verdrücken.

So ist dem 45-jährigen New Yorker Regisseur Abrams, der als Erfinder der TV-Erfolgsserie „Lost“ gilt, den Monsterfilm „Cloverfield“ produzierte und „Mission: Impossible III“ inszenierte, ein doppeltes Kunststück gelungen. Man begibt sich in seinem Film nicht nur von der Story her auf Zeitreise in die siebziger Jahre, sondern fühlt sich beim Zuschauen tatsächlich atmosphärisch in die Zeit zurückversetzt. Damals standen im Kino noch die Geschichten im Vordergrund, und sogar Monster trugen menschliche Züge.

Angenehm altmodisch: Familientauglicher Grusel. Cinemaxx Raschplatz, Cinemaxx Nikolaistraße, CineStar, Utopia.