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Kultur Jahrestagung ist voller Erfolg
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00:19 06.11.2015
Von Stefan Arndt
„Konzerte müssen lebendig bleiben“: Musikland-Chef Markus Lüdke im Pavillon. Quelle: Hagemann
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Hannover

Was soll das Ganze? Das ist die Frage, die sich oft stellt, wenn kulturelle Netzwerke ihre Arbeit vorstellen. Bei der Jahreskonferenz vom Musikland Niedersachsen im hannoverschen Pavillon war es ein Gast aus dem Schwäbischen, der um klare Antworten nicht verlegen war. Rainer Kern, verantwortlich für den Titel der Unesco City of Music in Mannheim, erklärte einmal ungewohnt deutlich, was die Auszeichnung, die seine Stadt vor einem Jahr gleichzeitig mit Hannover erhalten hatte, eigentlich bringen soll: Arbeitsplätze.

Kern setzt nicht nur sehr konkrete Hoffnung auf die prosperierende Kulturwirtschaft in seiner Region, er macht sich auch keine Illusionen über die eigene Bedeutung. Der wichtigste Grund, warum Mannheim und Hannover im vergangenen Jahr in das Netzwerk der internationalen Musikstädte aufgenommen wurden, sei dessen Schwäche. „Die Idee der Unesco Cities of Music hatte dringend Belebung nötig“, sagte er. „Sie war praktisch tot.“ Heilmittel sollen nun das Mannheimer Wirtschaftsmodell sein und eine Internetplattform, die in Hannover entwickelt wird und die unterschiedlichen Aktivitäten der Musikstädte nachvollziehbar machen soll.

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Wie Netzwerke aussehen, die nicht um das Überleben kämpfen, konnte man am Dienstag und Montag im Pavillon erfahren. Auf Einladung vom Musikland Niedersachsen waren so viele Musiker, Veranstalter, Festivalmacher und Musikvermittler nach Hannover gekommen wie kaum je zuvor. Musikland Niedersachsen beschreibt dabei nicht den Zustand des Landes, sondern ist der Name einer Institution, die seit 2008 die Musikmacher in Niedersachsen in unterschiedlichen Fragestellungen berät.

Ursprünglich gegründet, um die Vielfalt des niedersächsischen Musiklebens überregional sichtbar zu machen, hat sich das Team von Geschäftsführer Markus Lüdke inzwischen dem Vernetzen der Akteure untereinander verschrieben. Die große Idee vom strahlenden Musikland, das Besucher aus aller Welt anzieht, mag den Hoffnungen gleichen, die mancher vom Unesco-Titel für Hannover hat. Bewahrheitet haben sie sich bisher nicht. Auch sieben Jahre nach der Gründung muss man nicht nur Außenstehenden erklären, was das Musikland ist. Stattdessen ist jedoch etwas anderes entstanden - etwas Nützliches, das statt Glanz Gebrauchswert hat.

Die Musiker des Landes sind sichtbar an den Fragen interessiert, die das Musikland umtreibt. Wie kann man Konzerte lebendiger gestalten? Wie regelt man den Kartenverkauf? Oft sind es kleine Fragen, die den nicht selten ehrenamtlichen Festivalmachern und anderen Akteuren große Probleme bereiten. Doch sie wissen inzwischen, dass das Musikland Antworten parat hat. Oder zumindest gute Beispiele und die richtigen Telefonnummern.

Auch Harald Härke, Hannovers neuer Kulturdezernent, hat es sich nicht nehmen lassen, als eine seiner ersten Amtshandlungen beim Musikland aufzutreten. Im Gespräch mit Moderator Jan Hendrik Becker erwies sich Härke als rustikaler Rockfan, der die Scorpions jederzeit der anderen hannoverschen Musik-Ikone Georg Friedrich Händel vorziehen würde. Doch der neue Dezernent, der gern seine Erfahrung in der Verwaltung in die Waagschale wirft, ließ auch erste Akzente erkennen, die seine Amtszeit prägen könnten. Zum einen möchte er die Internationalität des hannoverschen Musik- und Kulturlebens künftig noch stärker sichtbar machen. Ein Projekt, das ihm gefällt, sind die Deutsch-Türkischen-Kulturtage, die inzwischen allerdings eingestellt wurden. „Warum das geschehen ist“, so Härke, „kann mir keiner in der Verwaltung sagen.“

Eine „Herzensangelegenheit“ ist ihm außerdem die Förderung junger Künstler. Dabei gehe es nicht unbedingt darum, ihnen mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Härke schwebt vielmehr vor, temporäre Auftritts- und Probenorte zu schaffen, indem man Baurecht, Brand- oder Lärmschutz nicht zu streng auslegt.

Die Gesellschafter des Musiklandes selbst - Kulturministerium, Sparkassenstiftung und Stiftung Niedersachsen teilen sich die Kosten - nahmen sich schließlich der Frage an, wie Flüchtlinge und Musik zusammenfinden könnten. Eine hochkarätige Diskussionsrunde um Lavinia Francke, der neuen Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen, war sich dabei einig, dass spontane Aktionen nicht dauerhaft greifen können. Man müsse vielmehr die kulturellen Angebote einer sich gerade stark verändernden Gesellschaft anpassen.

Am Ende kam aber auch die Runde zu praktischen Fragen: Wie kommt man in Kontakt mit Flüchtlingen, was sind die richtigen Angebote für sie, wie sind die rechtlichen Rahmenbedingungen? Fragen, die wie gemacht sind für das Musikland Niedersachsen: Es wird die Antworten sammeln und weitersagen.

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