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Kultur Jakob Augstein in Herrenhausen
Nachrichten Kultur Jakob Augstein in Herrenhausen
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06:15 23.08.2012
Jakob Augstein bei seiner Lesung in Herrenhausen. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Zwölf Uhr mittags. Die Sonne brennt. Nachdem die verführerisch-kühlen Wasserspiele der Fontänen aufgehört haben - man könnte jetzt auch irgendwo an einem See liegen - kann die Lesung mit Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung „der Freitag“, beginnen. Der Journalist sitzt vor rund 50 Zuhörern, die auf Gartenstühlen und Bierbänken im Schatten Platz genommen haben. Hinter ihm ist der Blick frei auf den Großen Garten von Herrenhausen. Wo ließe sich besser als hier aus seinem aktuellen Buch „Tage des Gärtners“ lesen, in dem er von seinem Leben als Besitzer eines kleinen Gartens in Berlin-Zehlendorf berichtet? Der Autor rezitiert heute jedoch nicht einfach aus dem liebevoll von Illustrator Nils Hoff gestalteten Buch. Er hat sein eigenes Lesemanuskript mitgebracht. Es beginnt im Frühling, nicht im Herbst wie das Original. Wohl auch, um den Zuhörern bei 30 Grad im Schatten und in Anbetracht der Entbehrungen dieses Sommers nicht gleich die Laune zu verderben mit dem, was vielleicht schon in einem Monat auf sie warten wird.

Wer Augstein aus den Medien kennt, erwartet mehr als Ratschläge zur Stiefmütterchenbepflanzung - und behält recht. Denn beim Gärtnern, so der Autor, kämen Ideen, mit denen sich auch „draußen, in der Welt, vor dem Gartenzaun“ etwas anfangen lasse. So bleibt das Philosophieren über Gott und die Welt, die Vergänglichkeit des Lebens und die Zähmung der Natur in seiner Sammlung aus Reflexionen und Zitaten, historischen Anekdoten und persönlichen Geschichten erwartungsgemäß nicht aus. Er beschert den Lesern Aha-Erlebnisse und lässt sie oft schmunzeln. So gibt Augstein zum Besten, wie er mit seinen Kindern aus einem Gartencenter Froschlaich stiehlt, er erzählt von einem lächelnden Löwen, den er im Garten aufgestellt hat oder einer selbst zugefügten Verletzung beim Versuch, ein „gebildeter Holzfäller“ zu werden.

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Das Buch entwirft dennoch eher Gartenwelten, als dass es Geschichten erzählt. Vor allem aber drückt es die Sehnsucht aus, die Augstein gleich eingangs entwaffnend bloßlegt: „Die ganze Welt ist im Garten noch in Ordnung. Das ist natürlich Unsinn. Aber ein willkommener.“

Jakob Augstein: „Die Tage des Gärtners. Vom Glück, im Freien zu sein“. Hanser Verlag. 265 Seiten, 17,90 Euro.

Nina Ziesemer

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