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Kultur Jamie Foxx und Robert Downey Jr. glänzen in „Der Solist“
Nachrichten Kultur Jamie Foxx und Robert Downey Jr. glänzen in „Der Solist“
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14:58 05.12.2009
Jamie Foxx als Nathaniel Anthony Ayers (links) und Robert Downey Jr. als Steve Lopez in dem Drama „Der Solist“ von Joe Wright.
Jamie Foxx als Nathaniel Anthony Ayers (links) und Robert Downey Jr. als Steve Lopez in dem Drama „Der Solist“ von Joe Wright. Quelle: ddp
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Der sehr emotionale Stoff liefert den Hollywoodstars Robert Downey Jr. und Jamie Foxx eine Steilvorlage: Die beiden Hauptdarsteller können als zwei Männer, die gegensätzlicher kaum sein könnten und dennoch Freundschaft schließen, ihr darstellerisches Potenzial eindrucksvoll ausspielen.

Der Zeitungsjournalist Steve Lopez (Downey Jr.) steckt in einer kreativen Sackgasse und hadert obendrein mit seiner Frau Mary (Catherine Keener) herum. Er lebt von ihr getrennt, trifft sie aber jeden Tag im Büro, weil sie sein Chef ist. Eines Tages begegnet Steve in Los Angeles dem geheimnisvollen Obdachlosen Nathaniel Anthony Ayers (Foxx), der inbrünstig auf einer Violine mit nur zwei Saiten spielt. Nathaniel, der oft endlose Wortkaskaden von sich gibt, liefert Steve den Stoff für eine neue Kolumne, die ihm endlich wieder viel Leserzuspruch einbringt.

Denn der verstörte Einzelgänger war vor gut 30 Jahren ein musikalisches Wunderkind und besuchte ein Elite-Konservatorium, bis er an Schizophrenie erkrankte. Steve hilft seinem neuen Freund, indem er ihm einen Probenraum und ein Appartment verschafft. Doch der Versuch, Nathaniel zurück in die Welt der professionellen Musik zu leiten, scheitert an Nathaniels Freiheitsliebe und Eigensinn.

Das Drehbuch der erfahrenen Autorin Susannah Grant, die das Skript zu Steven Soderberghs Kinohit „Erin Brockovich“ mit Julia Roberts geschrieben hat, beruht auf dem Buch „The Soloist“ des Journalisten Steve Lopez. Es lieferte den Filmstoff über ein musikalisches Genie und die wundersame Kraft der Musik.

Regisseur Joe Wright, der zuletzt für das schicksalsschwere Melodram „Abbitte“ den Golden Globe gewonnen hat, bettet den kuriosen Aussteigerfall in eine ausgiebige Schilderung der Obdachlosenszene in der Glamour-Metropole Los Angeles ein, wo rund 90.000 Menschen auf den Straßen leben, wie der Abspann berichtet.

Am Beispiel des Journalisten problematisiert der Film zudem die Verantwortung von Reportern, wie sie in einem nach Skandalen gierenden Mediensystem über Schicksalsschläge berichten. Wright macht die tröstende Kraft von Musik bei psychischen Erkrankungen anschaulich und nachvollziehbar, zeigt aber auch eindrucksvoll die Grenzen auf, an die Laien bei gut gemeinten Therapieversuchen stoßen.

Der Versuch der Regie, die zu Tränen rührende Geschichte angemessen gefühlvoll und ohne billiges Happy Ending auf die Leinwand zu hieven, geht nicht immer gut. So platzen die illustrierenden Rückblenden in Nathaniels Jugendzeit meist unvermittelt in den Erzählfluss. Dass die Inszenierung nicht zu sehr ins Sentimentale abdriftet, verdankt Wright vor allem seinen versierten Hauptdarstellern Robert Downey Jr. („Iron Man“) und Jamie Foxx („Gesetz der Rache“). Trotz knapper Leinwandzeit muss auch Catherine Keener lobend erwähnt werden, die sich als Mary nach dem Muster alter Screwball-Komödien pointierte Dialogduelle mit Steve liefert.

„Der Solist“, Drama, USA 2008, 117 Minuten, FSK: ab zwölf Jahre, Regie: Joe Wright, Darsteller: Jamie Foxx, Robert Downey Jr., Catherine Keener, Tom Hollander, u. a.

Kinostart: 10. Dezember 2009

ddp