Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Jan Weiler liest im Pavillon
Nachrichten Kultur Jan Weiler liest im Pavillon
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 28.11.2014
Von Uwe Janssen
Mit Humor und Stil: Jan Weiler begeistert das Publikum im Pavillon.
Mit Humor und Stil: Jan Weiler begeistert das Publikum im Pavillon.
Anzeige
Hannover

Für Jan Weiler steht nach intensiver Recherche fest: Die Weihnachtszeit beginnt am Martinstag und endet am Aschermittwoch. Dazwischen liegt ein wunderbarer „Ereignis-Flow“, auf den wir uns spätestens im September wieder freuen, der aber auch anstrengend sein kann.

Advent, Weihnachten, Silvester, Dreikönigstag, Karneval - so ganz in Weihnachtsstimmung ist man Ende November zwar noch nicht, aber ebendiese könnte im Laufe des Abends erwachen.

Weiler beginnt seine Lesung im hannoverschen Pavillon mit einem Gedicht. Die Familie besucht den Weihnachtsmarkt. Während die Kinder auf Kauf und Konsum aus sind, widmet sich der Vater intensiv, ja, etwas zu intensiv dem Glühwein. Weiler liest Geschichten über einen fast gescheiterten Martinstag, den Nikolaus im Baumarkt, der resigniert versucht, tannenförmige Holzbriketts zu verkaufen. Oder über Antonio, der am Dreikönigstag die Kinder als italienische Hexe Befana überraschen will. („Du, da kommte morgene fruh la Befana und danne gehte die Party ricketig los.“)

Jan Weiler sitzt im großen Pavillonsaal dunkel gekleidet hinter einem schwarzen Tisch auf einer schwarzen Bühne. Weihnachtsdekoklimbim braucht er nicht. Seine Geschichten erwachen beim Lesen von ganz allein zum Leben und lassen sofort Bilder im Kopf entstehen, weil sie aus dem Alltag gegriffen sind. So findet jeder entweder sich selbst in einigen Passagen wieder. Oder wenigstens jemanden, den man kennt.

Weilers entspannte Stimme bildet den perfekten Kontrast zu den grandios komischen Erzählungen. An manchen Stellen gestikuliert er, zum Beispiel wenn er den Unkrautbrenner als Laternenersatz beschreibt, mit dem er seinen Sohn einmal zum Martinssingen begleitete. Auch der stimmliche Rollenwechsel gelingt ihm. Besonders den italienischen Akzent seines Schwiegervaters Antonio scheint er sehr gut studiert zu haben. Das Lachen der rund 500 Menschen im Saal wird mit jeder weiteren Pointe lauter. Weilers Humor ist fein und intelligent. Wer seine Kolumne „Mein Leben als Mensch“ liest, die im Magazin der „Zeit“ erscheint, kennt das.

Seelenruhig erklärt er schon zu Beginn der zweiten Programmhälfte, dass er sich vor der Zugabe nicht erst noch hinter der Bühne verstecken werde, um den Applaus hinauszuzögern. Und wer Fragen habe, möge sie bitte erst während der anschließenden Signierstunde stellen, um eilige Ehemänner nicht unnötig im Saal festzuhalten. Jan Weiler ist jedes halbe Jahr auf Lesereise, er spricht also aus Erfahrung. Auch von diesen Touren hat der 47-Jährige einiges zu berichten. Am schönsten sind aber die Geschichten aus dem täglichen Familien- leben mit seiner Frau Sara und den Kindern Nick (11) und Carla (15, das „Pubertier“). Hier erzählt er gern auch frei, wie über die Schwierigkeiten seiner Facebook-Freundschaft mit Carla.

Nach mehr als zwei Stunden Programm wirkt dieser Autor wie ein guter Freund. Dessen Geschichten einfach nie langweilig werden.

Kultur Ausverkaufte TUI Arena - Eine Insel namens Udo
28.11.2014
25.11.2014
Kultur Verdi-Gala im Kuppelsaal - Die üblichen Verdächtigen
25.11.2014