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Kultur Janne Teller: „Nichts. Was im Leben wichtig ist"
Nachrichten Kultur Janne Teller: „Nichts. Was im Leben wichtig ist"
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10:29 01.09.2010
Von Martina Sulner
Janne Teller
Janne Teller Quelle: Handout
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Selbst im Verlag hatten einige Mitarbeiter Bedenken, ob dieses Buch jungen Lesern zuzumuten sei. „Wir haben lange diskutiert“, sagt Julia Gronhoff vom Münchener Hanser Verlag. Den Ausschlag hätten jugendliche „Testleser“ gegeben: Die waren so begeistert von Janne Tellers Jugendroman „Nichts. Was im Leben wichtig ist“, dass Hanser sich dennoch entschloss, das Buch jetzt in Deutschland zu veröffentlichen.

Die dänische Autorin erzählt von dem Siebtklässler Pierre Anthon, der die Schule verlässt. Tag für Tag sitzt er nun unter einem Pflaumenbaum, philosophiert über den Sinn des Lebens und darüber, ob es sich überhaupt lohnt, etwas zu tun – in die Schule zu gehen zum Beispiel. Einige Mitschüler beschließen, Dinge zu sammeln, die ihnen wichtig sind, um Pierre Anthon zu beweisen, dass es im Leben doch Bedeutung gibt. Wer opfert, fordert vom Nächsten etwas für den „Berg der Bedeutung“, auf dem alles gesammelt wird. Erst liegen dort Boxhandschuhe und ein Teleskop, doch die Sammelaktion eskaliert, als Gerda ihren Hamster abgeben soll. Die Forderungen der Teenager werden immer perfider: ­Sophie soll ihre Unschuld verlieren, und einem Gitarrenspieler wird ein Finger abgeschnitten. Keiner wagt es, sich dem Projekt zu verweigern.

Im Jahr 2001, kurz nach Erscheinen, erhielt „Nichts“ den Kinderbuchpreis des dänischen Kulturministeriums. Doch das Buch stieß auch auf heftigen Widerstand: Das Schulamt im dänischen ­Viborg verbot es anfangs, in vielen Schulen in Norwegen ist es bis heute nicht erlaubt. Mittlerweile wird es an zahlreichen dänischen Schulen gelesen. Dass die Kluft zwischen Ablehnung und Zustimmung groß ist, verwundert nicht: Die Skrupellosigkeit der Figuren schockiert. Und man weiß bei „Nichts“ nicht, ob man wegen der Brutalität am liebsten sofort aufhören will zu lesen, oder ob man noch eine Seite umblättern soll, weil das Buch so spannend ist.

Janne Teller erzählt aus Sicht der Kinder. Ihr Buch zeigt, wie schnell sich durch Naivität und Gruppenzwang eine Eigendynamik entwickeln kann, die nicht mehr aufzuhalten ist. Das kennt man aus Morton Rhues „Die Welle“. Aber anders als in Rhues Erfolgsbuch ist der Ausgangspunkt hier kein Projekt, das ein Lehrer initiiert hat. Vielmehr ist es eine Art Mutprobe, bei der sich die Schüler gegenseitig kontrollieren.

Auch in Deutschland trifft „Nichts“ den Nerv der Leser. Der Roman (Erstauflage: 5000 Exemplare) hat sich in kurzer Zeit mehr als 40.000-mal verkauft und klettert die Bestsellerlisten hoch. Weitere 20.000 Exemplare sind im Druck. Die Buchhändler warten auf die Auslieferung: Die hannoverschen Buchhandlungen Lehmanns und Decius hätten weit mehr Exemplare verkaufen können, als der Verlag bisher geliefert hat.

Auch in Hannover, so berichten Buchhändler, verläuft die Diskussion ähnlich, wie sie sich in Internetforen und in Briefen und Mails an den Verlag zeigt: Eltern sind besorgt wegen der Rigorosität, mit der die Autorin erzählt; Jugendliche sind begeistert, dass das Buch die existenzielle Frage stellt: Was ist wichtig?

Autor

Janne Teller

Titel

„Nichts. Was im Leben wichtig ist"

Verlag

Hanser

Seitenzahl

140 Seiten

Preis

12,90 Euro

Stefan Stosch 01.09.2010
Johanna Di Blasi 31.08.2010