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Kultur Jazz mit Lego
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22:39 01.06.2014
Von Uwe Janssen
Konzentriert: Diana Krall.
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Eigentlich ist die Bühne viel zu groß. Als ob die vier Musiker das betonen wollten, sind sie ganz nah zusammengerückt im Kraftwerk Wolfsburg. Und säße die Hauptperson des Abends nicht an einem raumgreifenden Flügel, wäre das Grüppchen noch verlorener. Ist es aber nicht. Denn die Größe dieser Darbietung entfaltet sich hier, wo Optisches sonst im Vordergrund steht, nicht vor den Augen, sondern vor allem in den Ohren. Zum Abschluss der Movimentos-Festwochen, die bei 65 Veranstaltungen rund 30.000 Menschen anlockten, machen die Jazzpianistin Diana Krall und ihre drei männlichen Begleiter Musik. Nicht mehr und nicht weniger. Das Konzert ist ausverkauft, innerhalb weniger Stunden waren die Tickets weg. 1000 Besucher, das ist viel für ein Jazzkonzert. Die blonde Kanadierin zieht ein Massenpublikum an. Mit Musik. Und mit sich.

Es gibt kein Bühnenbild, nur schwarze Vorhänge. Es gibt unaufdringliches, aber geschmackvolles Licht, es gibt einen atemberaubend guten, klaren, transparenten Sound, der keine der vielen filigranen Nuancen verschluckt. Es gibt viele Kompositionen ihres persönlichen Helden Nat King Cole, viel Swingjazz, Sieben- bis Zehnminüter mit Soli reihum und freundlichem Zwischenapplaus im Saal. „Simple Twist of Fate“ von Bob Dylan spielt und singt sie als zerbrechliche Klavierballade mit angerauter Dreiuhrnachtspianobarstimme.

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Die 49-Jährige, die auf Plattencovern auch schon mal in Strapsen posiert, ist hochseriös gekleidet, singt Schweres wunderbar leicht, aber eigentlich singt sie zu wenig. Dafür erzählt sie mehr. Manchmal ganz krudes Zeug. Von ihren Zwillingen, die sie mit ihrem Ehemann Elvis Costello hat, und die ihr Lego-Figuren mitgegeben haben. Oder sie erzählt, dass sie überall, wo sie gastiert, im örtlichen Telefonbuch nachschaut, ob es Menschen gibt, die Gershwin oder Berlin heißen. Das alles murmelt sie mehr oder weniger vor sich hin, bricht zwischendurch ab, fängt an zu spielen, hört wieder auf, murmelt weiter. Irgendwann sagt sie: „Nein, nein, ich habe nichts getrunken“, und dann taucht sie wieder hoch konzentriert in ihr Spiel ab und reiht sich mannschaftsdienlich ein zwischen Gitarrist Anthony Wilson, Robert Hurst am Kontrabass und Schlagzeuger Karriem Riggins. Drei unaufgeregte Könner sind das. Aus dem Schlagzeugspiel würden viele andere eine Riesenshow machen, Riggins sitzt da, als ob er Abendbrot macht.

Als die Band zur Zugabe Tom Waits’ „Temptation“ spielt, lässt Krall erahnen, wie groß ihr musikalischer Kosmos ist. „Ich komme gern wieder, wenn ihr wollt“, sagt sie am Ende des knapp zweistündigen Abends. Am Publikum soll es nicht liegen.

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