Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Jeder Mensch hat seine innere Zeit“
Nachrichten Kultur „Jeder Mensch hat seine innere Zeit“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:42 04.01.2018
Anzeige

Herr Klein, Sie sind ein vielbeschäftigter Wissenschaftsautor. Für welche privaten Dinge nehmen Sie sich denn gerne mal die Zeit?

Wir haben drei kleine Kinder. Sie brauchen eine Menge Zeit. Und die schenke ich ihnen gern.

Anzeige

Zeit ist in unserer Gesellschaft ja ein rares Gut geworden. Dabei waren keiner Generation zuvor so viel Lebenszeit und Freizeit vergönnt. Warum klagt dennoch jeder dritte Deutsche heute über Zeitnot? Selbst Rentnern und Arbeitslosen geht es so.

Wir haben auch mehr Möglichkeiten als Menschen jemals zuvor. Das ist etwas sehr Schönes – zwingt uns aber dazu, uns zu entscheiden. Und weil wir so ungern verzichten, packen wir uns unsere Tage zu voll. Darum leiden Menschen umso mehr unter Zeitdruck, je reicher sie sind – obwohl gerade die Wohlhabenden sich von vielen lästigen Pflichten des Alltags freikaufen können. Hinzu kommt, dass wir Tag für Tag mehr Reize wahrnehmen – auch dank Werbung, Internet, Smartphone und Co. Stress und Ängste sind die Folgen. Wir sind aber nicht deswegen gestresst, weil wir keine Zeit haben. Wir haben keine Zeit, weil wir gestresst sind.

Wie darf man das verstehen?

Stress verändert die Arbeitsweise des Gehirns. Gerade die Funktionen, die wir zur Zeitplanung bräuchten, werden dann abgeschaltet: Wir verlieren buchstäblich den Kopf. Wer etwa seinen Arbeitsplatz in Gefahr sieht, der kann beispielsweise normale Aufgaben plötzlich gar nicht mehr bewältigen, oder er braucht viel mehr Zeit dafür. Auch bei vielen Arbeitslosen ist das so, wie Untersuchungen gezeigt haben. Auch sie können durch ihre Situation unter einem enormen Druck stehen und so Zeitnot empfinden. Dabei steht der Zeitdruck natürlich in keinem Verhältnis zu der objektiven Zahl freier Stunden und Minuten, die ihnen ja eigentlich zweifelsohne am Tag zur Verfügung stehen.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Freitagausgabe der HAZ oder im E-Paper

Stefan Klein hat sich in seinem Buch „Zeit. Der Stoff aus dem das Leben ist.“ (Fischer Verlag, 2006, 285 Seiten) intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, warum die Menschen heutzutage weniger Zeit haben, obwohl sie länger leben. Zum Thema wird der 1965 geborene Wissenschaftsautor („Die Glücksformel“, „Alles Zufall“) zum Abschluss des diesjährigen Literaturfestes Niedersachsens der VGH-Stiftung an einer Gesprächsrunde mit dem Titel „Zeitmessung – literarisch erforscht“ am 25. September in Lüneburg teilnehmen. Auch die Niedersächsischen Musiktage widmen sich dem Thema „Zeit“. Sie eröffnen am Sonnabend mit einer Aufführung von Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“ in Papenburg. Am Sonntag gibt es dann eine Uraufführung im Freien: In der Cuxhavener Grimmershörnbucht erklingt Markus Stockhausens Landschaftsmusik „GeZEITen“ – Ausführende sind 800 Musiker aus der Region. In Hannover ist das Festival zum ersten Mal am 17. September zu Gast: Dann beschäftigt sich Alfred Brendel mit Franz Schubert.

Stephan Fuhrer

01.09.2011
01.09.2011
Anzeige