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Kultur Jodi-Bieber-Ausstellung in Ulm
Nachrichten Kultur Jodi-Bieber-Ausstellung in Ulm
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09:06 19.08.2012
In Ulm werden Bilder der Dokumentarfotografin Jodi Bieber ausgestellt. Quelle: dpa
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Ulm

Wann empfindet sich eine Frau als schön? Diese Frage stellte die südafrikanische Dokumentarfotografin Jodi Bieber verschiedenen Frauen aus ihrem Heimatland. Die Antworten sind derzeit in Ulm zu sehen. Sie hängen an den hohen weißen Wänden des Stadthauses und geben Einblick in das Selbstverständnis der Protagonistinnen. Bieber gewann ihr Vertrauen, die Frauen antworteten sehr intim: kaum bekleidet und vor der Fotokamera.

„Mich hat ihre Arbeit sehr ergriffen“, sagt Kuratorin Wiebke Ratzeburg, die auch das Tübinger Stadtmuseum leitet. Noch bis zum 2. September zeigt das Stadthaus die Schau „Between Darkness and Light“ mit gut 100 Bildern in Farbe und Schwarz-Weiß - nach Angaben des Stadthauses Biebers erste große Einzelausstellung. Ihre Fotografien sind meist dokumentarisch. Sie schafft es dennoch, ihnen einen künstlerisch-atmosphärischen Schleier umzulegen. Bieber wurde mit dem „World Press Photo Award 2010“ ausgezeichnet. Die Pressefotografie ging um die Welt: Sie zeigt Bibi Aisha, eine junge Afghanin, deren Ehemann ihre Nase brutal verstümmelte.

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Die Südafrikanerin hat weitere Frauen abgelichtet und interviewt, die von ihren Partnern schwer misshandelt wurden, den Absprung aber schafften. In der Ausstellung sind ihre Stimmen zu hören. Fotos zeigen Momente ihrer Vergangenheit und Gegenwart sowie Symbole einer ersehnten Zukunft. „Survivors“, die Überlebenden, heißt die Bilderserie von 2005. Der Organisation Terre des Femmes zufolge ist jede zweite Frau in Südafrika in ihrem Leben vergewaltigt worden.

In Einzelaufnahmen und Reportagen spiegeln sich Geschichte und Gegenwart Südafrikas wieder - ein Wechsel zwischen Gewalt, Drogen, Überlebenskampf, Veränderung und Alltag. Das Erbe der Vergangenheit und die Armut hätten zu einer Anomalie in der Gesellschaft geführt und daran würden ihre Bilder nichts ändern, kommentiert Bieber ihre Arbeit. „Aber es hat mir gezeigt, dass der menschliche Geist auch unter den härtesten Lebensumständen großen Mut und Kraft besitzt und dass der Wille, es weiter zu versuchen, vorwärtszukommen für ein besseres Leben, bei vielen sehr stark ist.“

„Die Ausstellung erzählt von den Umwälzungen in Südafrika“, sagt Stadthaus-Sprecherin Sabine Presuhn. „Es ist keine Rückschau, man wird im Hier und Heute abgeholt.“ Die Schau präsentiert eine facettenreiche Auswahl der Bilder von Bieber aus den vergangenen 15 Jahren. „Meine fotografische Arbeit mag nicht die ganze Wahrheit zeigen, aber sie ist Teil der Wahrheit“, kommentiert Bieber ihr bisheriges Schaffen. Im Gästebuch der Ausstellung finden sich unzählige Kommentare von Besuchern, die begeistert sind. Aber auch kritische Stimmen sind darunter. Ein Besucher aus Südafrika notiert: „So sieht mein Land NICHT aus.“

„Real Beauty“ - Wirkliche Schönheit, heißt die Serie mit Fotografien von Frauen wie Brenda, die sich 2008 von Bieber in privaten Räumen fotografieren ließ. Brenda entspricht äußerlich nicht dem gängigen Schönheitsideal, sie ist füllig. Genau das will Bieber zeigen. „Sie will den Frauen ihre Würde und den Stolz auf ihren Körper wiedergeben“, schreibt das Stadthaus dazu. Selbstbewusst zeigt sie Brenda vor der Linse bekleidet mit schwarzer Reizwäsche und auffälligem Schmuck. Starke Bilder. 

dpa

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