Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Joe Sample spielt mit Al Jarreau in Hannover
Nachrichten Kultur Joe Sample spielt mit Al Jarreau in Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:07 13.11.2012
Von Volker Wiedersheim
Foto: Hand drauf: Joe Sample ist ein Magier aller Klaviaturen.
Hand drauf: Joe Sample ist ein Magier aller Klaviaturen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

1961 hat Joe Sample die Band The Jazz Crusaders gegründet, und heute haut er immer noch in die Tasten. So einer muss sich die Frage gefallen lassen: Ist er nach 50 Jahren immer noch auf der Suche nach dem Jerusalem des Jazz? Sample gniggelt belustigt. Seine Antwort beginnt mit einem sehr texanischen „Well …“ und entspinnt sich zu einem Knäuel aus Biografie und Anekdoten. Hohe Töne, tiefe Töne, Zwischentöne, irgendwie groovy. Sample hat schon beim Erzählen mehr Jazz und Soul in der Stimme, als heute prominente Kollegen beim Singen vermutlich je zustande bringen werden. Das Zuhören ist purer Genuss - auch wenn das Gesagte keine Antwort auf die Frage ist.

Wie war das damals doch gleich? Sample, geboren am 1. Februar 1939 in Houston, Texas, stürzt sich mit kindlichem Eifer auf Kirche, Chor, Klavier und schließlich auf einen Laden mit Jazzplatten - damals ein kleines Utopia ohne Rassentrennung. „Weiße, Schwarze, ganz egal, ich hatte dort zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, unabhängig von der Hautfarbe willkommen zu sein“, erinnert sich Sample.

„Idiot“, schimpften die Eltern

Alles schön? Nein. „Idiot“, schimpften die Eltern, als der heranwachsende Leslie Joseph, kurz Joe, entschied, Jazzmusik zu seinem Beruf zu machen. Und noch einmal, als Sample das Studium ohne Abschluss aufgab, um sich als Barmusiker durchzuschlagen. „Sie haben geflucht, aber am Ende des Tages habe ich Geld nach Hause gebracht; andere aus meiner Familie nicht.“ Wie das damals war, steht zwischen den Zeilen von „Streetlife“, der genialen Vermählung von Samples Talent und der Samtstimme Randy Crawfords.

Von verrauchten und verruchten Jazzklubs rund um Houston in die Studios am Hollywood Boulevard von Los Angeles: Tausende träumen davon, die Crusaders Wilton Felder (Saxofon), Wayne Henderson (Posaune), Stix Hooper (Schlagzeug) und Sample schafften das. Wie? „Das hat mit den Klavieren zu tun. Es gab damals in den Klubs keine guten. Ich habe an Pianos gesessen, bei denen nur zwei der 88 Tasten einen ordentlichen Ton erzeugt haben.“ In den Studios von Hollywood war das anders, L. A. verleiht Flügel. „Da standen Flügel, wundervolle Instrumente. Ich habe mir gesagt: ,Tu alles, damit du nie wieder was anderes spielen musst‘.“ Sample hat sich seinen Platz in den Studios erobert. Auf dem Kreuzzug des Jazz entstanden so bis in die Neunziger mehr als 40 Crusaders-Alben.

Seine große Liebe: Fender Rhodes

Der Texaner hat dann doch noch einmal das Instrument gewechselt, was ein Glücksfall sein sollte. 1970 stellten ihm Gitarrenbauer Leo Fender und Harold Rhodes ihr elektrisches Piano vor, das heute legendäre Fender Rhodes. Für Sample war’s eine Liebe auf den ersten Ton und der Beginn einer bemerkenswerten Symbiose. Der besondere Klang und Samples Art, ihn einzusetzen, sorgten für Engagements en masse bei den Stars der Zeit. Marvin Gaye, B. B. King, The Supremes, George Benson, Ella Fitzgerald, Quincy Jones, Joni Mitchell, Albert King, Bill Withers, Joe Cocker und Tina Turner ließen sich von ihm begleiten und gaben ihm die Gelegenheit, quer durch Jazz, Blues und Soul einen Sound zu prägen, der bis heute nachhallt.

Nach zwei Herzinfarkten beschränkt sich Sample aufs Wesentliche und spielt nur noch wenige Konzerte. Doch bleibt er dank neuer Technik präsent: Samples von Sample finden sich auch im New Soul und Rhythm ’n’ Blues dieses Jahrzehnts. Stört ihn das nicht? „Ach, wenn es gute Musik ist, warum nicht? Nur wenn es schlecht ist, dann zur Hölle mit ihnen.“

Am Sonntag, 18. November, tritt Joe Sample zusammen mit Al Jarreau und der NDR Bigband um 20 Uhr im Theater am Aegi auf.