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Kultur John Coetzee: "Sommer des Lebens"
Nachrichten Kultur John Coetzee: "Sommer des Lebens"
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14:41 10.02.2010
Von Martina Sulner
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Das Buch beginnt mit Notizen des Autors aus dem Jahr 1972. Nach mehreren Jahren in Großbritannien und den USA kehrt er in seine Heimat zurück und erlebt das Apartheidssystem, das bei ihm „Anfälle von Wut und Verzweiflung“ auslöst. Die Notizen, eine Mischung aus Tagebucheinträgen und Entwürfen für spätere Texte, bilden aber nur die Einleitung für den Roman, der Coetzees Entwicklung vom Studenten und Lehrer hin zum Autor beschreibt. Das Buch gehört zu den Bänden, in denen er unter dem Titel „Szenen aus einem provinziellen Leben“ über seinen Werdegang schreibt. Den Auftakt dieser Reihe bildete der erfolgreiche Band „Der Junge“ über seine Kindheit.

Für das aktuelle Buch hat Coetzee, wie in fast allen seinen Werken, eine raffinierte Konstruktion gewählt: Ein fiktiver Literaturwissenschaftler namens Mr. Vincent will eine Biografie über den gerade verstorbenen Autor John Coetzee schreiben. Textanalysen interessieren Vincent nicht, deshalb interviewt er vier Frauen und einen Mann, mit denen der Schriftsteller Anfang bis Mitte der siebziger Jahre verbunden war. Die fünf Gespräche mit jeweils langen erzählerischen Passagen bilden den Roman.

Den Auftakt macht Julia. Die verheiratete Frau hatte damals eine Affäre mit Coetzee. Jetzt blickt die schöne und kluge Julia verwundert auf die Liaison zurück, denn ihr Liebhaber wirkte damals „als hätte man ihn von Kopf bis Fuß mit einem neutralisierenden Spray eingesprüht“ – ziemlich asexuell und unglücklich.

Zu der Zeit ihrer Affäre erscheint Coetzees erstes Buch, „Duskland“. In dem Interview schildert die studierte Literaturwissenschaftlerin ihre Diskussionen mit ihrem Liebhaber über Literatur. Sollen Bücher ein „Griff nach der Unsterblichkeit“ sein, wie der junge Autor anmaßend meint? Oder sollte ein Roman „eine Axt sein, die das gefrorene Meer in uns aufbricht“, wie Julia glaubt?

Tatsächlich erschien 1974 Coetzees erstes Buch. Durch Romane wie „Warten auf die Barbaren“, „Schande“ und „Elizabeth Costello“ ist er zu einem der anerkanntesten Gegenwartsautoren geworden. 2003 erhielt der zuvor bereits mehrfach ausgezeichnet Schriftsteller den Literaturnobelpreis.

Autor

John M. Coetzee

Titel

Sommer des Lebens

Untertitel

Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke

Verlag

S. Fischer

Seitenzahl

296 Seiten

Preis

19,95 Euro

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