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Kultur Vorwärts in die Vergangenheit
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00:22 05.11.2015
John Scofield mit Gitarre. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Mit Halbglatze, mildem Lächeln und ergrautem Vollbart vermittelt John Scofield die Aura des netten, zurückhaltenden Großvaters. Versunken und hoch konzentriert spielt er seine Gitarrensoli. Aber es gibt Momente, da scheint Scofield selbst erstaunt zu sein, was ihm gerade wieder eingefallen ist. Der zu den besten Jazz-Gitarristen der Welt zählende Scofield lächelt, wenn sich aus einer simplen Blues-Linie ein abstraktes Motiv herausschält, von ihm weiterentwickelt wird und sich in dichter Interaktion mit seinen Mitmusikern zum kleinen Orkan steigert. Es ist diese Mischung aus geschliffener Musikalität, rasanten Akkordwechseln und kindlichem Entdeckergeist, die das Konzert des John Scofield Quartetts im ausverkauften Jazz-Club zu einem Hochgenuss macht.

Dabei besinnt sich Scofield nach über 20 Jahren wieder auf seine Partnerschaft mit dem Saxofonisten Joe Lovano, einem Bruder im Geiste. In den frühen Neunzigern schufen beide im Quartett drei Alben mit nachhaltiger Wirkung. Diese Zusammenarbeit führen sie mit dem neuen Album „Past Present“ fort.

Bereits mit dem ersten Thema wird klar: Hier spielen zwei sich blind verstehende Musikern miteinander, die im Austausch mit Ben Street (Bass) und Bill Stewart (Schlagzeug) einen natürlichen, vollen und ausgereiften Gruppensound prägen. Es ist moderner, in der Tradition des Bebop und Blues verhafteter Jazz ohne Geschmacksverstärker. Pur und rein, aber dennoch komplex und kontrastreich. Raum zur Entfaltung bekommen alle vier Musiker, der Löwenanteil aber entfällt auf Lovano und Scofield. Sie spielen lange Soli, die aber an keiner Stelle in Beliebigkeit umkippen. Wohl auch weil einer wie Scofield den erdigen Charakter des Blues mit den Mitteln der chromatischen Tonsetzung geschickt aufbricht. Und dabei das Credo seines Ziehvaters Miles Davis beherzigt: Pausen setzen, eine Phrase andeuten, aber nie beenden, Spannung schaffen.

So entsteht Musik, die ebenso entspannt wie energisch ausfallen kann - und den Konzertgast zu genauem Hören anregt.

Von Bernd Schwope

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