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Kultur Jon Gomm spielt in Hannover
Nachrichten Kultur Jon Gomm spielt in Hannover
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00:16 10.02.2018
Jon Gomm im Pavillon Quelle: Katrin Kutter
Hannover

 Zum ersten Mal auf der Bühne stand Jon Gomm in Pubs. Im Publikum saßen viele Schotten. „Spiel mal was, was wir kennen. Oder wenigstens etwas, das du kennst“, sollen sie geschrien haben. „Wütend und betrunken waren die – aber das gilt ja meist für Schotten“, erzählt Gomm. Auch wenn das ein abgedroschenes Stereotyp ist, das Publikum im Pavillon lacht. Denn der Künstler aus der britischen Küstenstadt Blackpool ist nicht nur ein virtuoser Gitarrenspieler, sondern auch ein nonchalanter Geschichtenerzähler. 

 Gomm ist ein Alleinunterhalter. Auf der Bühne steht nur er, barfuß und schwarz gekleidet, mit seiner Akustikgitarre in der Hand. Deren hölzerne Oberfläche zieren tiefe Furchen. Das liegt daran, wie der Gitarrenkünstler sie benutzt. Gomm schlägt nicht einfach nur die Gitarrensaiten an. Für seine Songs verwendet er das gesamte Instrument. Er schlägt, hämmert und klopft auf den Korpus. Er kratzt über das Holz. Er schlägt die Saiten an und zupft sie. Und zwar gleichzeitig, oft mit Gesang. 

 Heraus kommen mal melodische Songs und mal Stücke mit einer chaotischen Melodie. Die meisten klingen so, als spiele nicht nur ein Mann, sondern eine ganze Band. Die Gitarre kann bei ihm auch klingen wie ein Bass, ein Schlagzeug oder  ein Keyboard. Wie er die verschiedenen Geräusche entstehen lässt, erklärt er dem Publikum im Pavillon in einer nicht ganz ernst gemeinten, kurzen Gitarrenstunde. 

 Gomms Spielweise ist beeindruckend – und verdammt schwierig zu erlernen, wie der Brite sagt. Nach jedem Stück stimmt Gomm seine Gitarre neu. „Wenn ihr auch vorhabt, so zu spielen wie ich und euer Instrument nach jedem Song neu zu stimmen: Macht das nicht, es ist verdammt idiotisch“, meint Gomm einmal selbstironisch. 

 Die Zeit beim Stimmen nutzt er, um zu erzählen: davon, dass er Castingshows verabscheut, über Arbeiteraufstände in China oder dass er an einer bipolaren Störung erkrankt ist. Die Themen und damit verknüpften Emotionen verarbeitet der Brite in seinen Songs. Solche Geschichten, egal ob mit Tönen oder Worten erzählt, machen Gomms Show intim. Seine hohe, säuselnde und nur selten raue Stimme kommt gegen sein großartiges Gitarrenspiel nicht an. Schlimm ist das nicht – hier stehen eben der Gitarrist und sein Instrument und nicht der Sänger im Mittelpunkt.

Von Sarah Franke

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