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Kultur Joss Stone kehrt mit „Colour me free!“ zum Soul zurück
Nachrichten Kultur Joss Stone kehrt mit „Colour me free!“ zum Soul zurück
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19:55 30.10.2009
Von Uwe Janssen
Joss Stone Quelle: ddp

Allerdings ist sie gerade mal 22 Jahre alt, und im Gegensatz zu anderen Chartsfrolleins hat sie nicht nur Talent, Glück und Brüste, sondern auch Durchhaltevermögen. Joss Stone ist Berufsmusikerin, kein Partygirl. Wer’s noch nicht wusste, höre ihr neues Album „Colour me free!“.

Es ist ein fortschrittlicher Rückschritt in einer Karriere, die mit 16 Jahren wie eine Rakete startete. Ein Teenager mit der umwerfenden Stimme einer reifen Lady sang Retrosoul, die Musikwelt hielt endlich mal wieder den Atem an und zog anschließend nicht zu Unrecht die ganz großen Vergleiche: Aretha Franklin, ­Janis Joplin. Diese Joss Stone war ein Ereignis und bekam natürlich das karriere- und vor allem verkaufsfördernde Wunder­kind­etikett. Dass die Geschicke des Ausnahmetalents in den Händen geschäftstüchtiger Branchenprofis lagen, war eine Selbstverständlichkeit, verstellte aber gemeinsam mit dem kommerziellen Erfolg ein wenig den Blick auf die Befindlichkeit der Hauptperson. In dieser Win-win-Situation mussten doch einfach alle glücklich sein! Waren sie aber nicht.

Joss Stone gab irgendwann später zu Protokoll, das zweite Album gehasst zu haben. So war das dritte eine Flucht, und der Titel „Introducing  ...“ deutete schon an, dass es auch ein Neubeginn war: Joss Stone färbte sich die Haare grell, zog quietschbunte Klamotten an, holte sich Hitproduzenten ins Studio und nahm ein Allerweltsalbum auf, R ’n’ B von der Stange, so auf Charts gebügelt, dass selbst ihre Stimme nicht mehr herausstach. Flunder statt Wunder. Aber: Sie hatte endlich selbst bestimmt, ihr Ding gemacht. Im Nachhinein wirkt es wie eine Therapie.

Denn „Colour me free!“ führt zu dem zurück, was fast zwangsläufig im Mittelpunkt stehen muss: diese grandiose Stimme, die die Songs führt, nicht umgekehrt. Aufgenommen hat sie die Lieder im Musikklub ihrer Mutter, was technisch sicher nicht die optimale Voraussetzung ist, sondern geradezu das Gegenteil der plastikartigen, keimfreien Produktion beim Album zuvor. Die Aufnahmen rauschen auf dem Tonträger gar ein wenig, natürlich nicht zufällig, man glaubt immer auch den Raum mitzuhören, genau so sollte es sein. Dieser Hauch von Authentizität passt ausgezeichnet zu den meisten Songs, die wie ein Streifzug durch die Soulgeschichte (mit Schwerpunkt in den Sechzigern) sind und hier und da wie spontan festgehaltene Sessionergebnisse wirken. Schellenkranz, Wahwah-Pedal, Rhodes-Piano und viel Hall an allen Ecken sorgen für wohlige Retrowärme, unter anderem lud Joss Stone auch die ehemalige Prince-Muse Sheila E. zum Singen und Altmeister Jeff Beck für ein paar funkig-bluesige Gitarrentupfer in Mamas Lokal ein. ­Saxofonist David Sanborn ist auch dabei, aber sein nervöses Angebersolo wirkt im Ray-Charles-Cover „I believe it to my Soul“ völlig deplatziert.

Dass sich dagegen auf Soul alter Schule auch wunderbar sprechsingen lässt, beweist Gaststar Nas in der augenzwinkernden Ballade „Governmentalist“. Da reiht sich Stone dann auch mal mannschaftsdienlich in den Reigen der Backgroundsängerinnen ein – um sich dann anschließend in dem wunderbaren „Incredible“ wieder die Seele aus dem Leib zu singen. Wer hat gesagt, dass Weiße keine schwarzen Stimmen haben? Und wann war das? Bis auf wenige Ausnahmen – neben Sanborns Getute die schmalzig-verklebte Streicherballade „Girlfriend on Demand“ – wirkt das Album in seiner robusten, manchmal ungehobelt-rauen Art wie aus einem Guss, dabei aber nie gleichförmig, sondern frisch und spannend. Am besten wirkten die Songs nach Drogenkonsum oder einem heißen Bad, hat Joss Stone gesagt. Mag sein. Aber es geht definitiv auch ohne.

Ganz nebenbei ist „Colour me free!“ auch eine Standortbestimmung für die junge Frau aus Devon. Schienen ihr noch vor Jahren eine ganze Riege von aufkommenden Neo-Soul-Ladys den Rang streitig machen zu können, hat sie jetzt wieder die Nase vorn. Amy Winehouse hat neuerdings immerhin die neu modellierten Brüste vorn, ist jedoch künstlerisch schon vor Jahren in Frührente gegangen und ins Boulevardmeldungsfach gewechselt. Und Duffy, ebenfalls Britin, ebenfalls auf dem Retrotrip, muss den nächsten Schritt erst noch tun. Stone hat schon den vierten Schritt gemacht, vielleicht den wichtigsten, denn nach dem Pop-Ausreißer scheint sie zu wissen, wo sie hin will. Und je länger dieser Weg – umso besser. Da können die Memoiren noch warten. Joss Stone: „Colour me free!“, Virgin.

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