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Kultur Jubiläumskonzert in der Basilika St. Clemens
Nachrichten Kultur Jubiläumskonzert in der Basilika St. Clemens
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18:59 20.04.2015
Scharfer Sound: Sägeeinsatz bei der Komposition „Zwischen den Gebürgen“. Quelle: Foto: Marta Krajinovic
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Ein heiliges Experiment - diesen Titel hat das Bistum Hildesheim dem Jahr zur Feier seines 1200. Geburtstages gegeben. Er passte auch zu dem ambitionierten Konzert, das in der Basilika St. Clemens im Rahmen des Jubiläumsprogramms in Kooperation mit Musik 21 Niedersachsen stattfand. Klänge des 20. und 21. Jahrhunderts, alle mit mehr oder weniger unmittelbarem Bibelbezug, sind ein starker Kontrast zu einem aus vergangenen Jahrhunderten stammenden Kirchenraum. Experimentell ist das durchaus, und es funktionierte bestens.

Im Rahmen des Jubiläumsprogramms zum 1200 Geburtstag des Bistums Hildesheim hat es ein experimentelles Konzert in der Basilika St. Clemens gegeben. Unter anderem wurde von Gunter Lege "Zwischen den Gebürgen" gespielt.

Wenn es um spirituelle Musik des 20. Jahrhunderts geht, darf Olivier Messiaen nicht fehlen. Er schrieb „L’Ascension“ in der ursprünglichen Orchesterfassung 1933/34, transkribierte das vierteilige Stück später für Orgel. Einerseits ist unüberhörbar, dass es sich um eine seiner frühen Kompositionen handelt, später traute er sich viel Radikaleres; dennoch ist das Stück in seiner großen Plastizität und Klarheit ein unverkennbarer Messiaen. Die Eckteile, die sich auf Bibeltexte über Gebete beziehen, sind breit und kontemplativ; dagegen trumpft der Komponist im dritten Teil massiv und machtvoll auf.

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So unterschiedlich die Affekte sind, so eint sie Messiaens dramatischer Instinkt. Hausorganist Nico Miller gab dem Stück angemessenen Raum.

Der Hannoveraner Gunter Lege, Jahrgang 1935, ist ein Komponist von nicht minder dramatischer Ader. „Weiß und Rot“ ist ein mehrstündiges Musiktheater auf Texte von Kurt Schwitters und aus der Bibel. Ein Auszug daraus ist „Zwischen den Gebürgen“, der Titel bezieht sich auf die Übersetzung des Hoheliedes durch Johann Wolfgang Goethe. Lege hat große Freude am Instrumentieren, geht dabei gern unkonventionell vor, indem er das Piano überwiegend als Percussion-Instrument verwendet und ein Alphorn zum Einsatz bringt.

Das liegt nicht fern von der gebirgigen Atmosphäre, die der Text vorgibt; dass der Komponist zwischendrin aber einen Holzarbeiter mit Axt und Motorsäge einen Baumstamm zerlegen lässt, ist nicht nur höchst ungewöhnlich, es gibt seiner Musiksprache auch eine ausgesprochen naturalistische Vielfalt miteinander korrespondierender Atmosphären. Den Instrumentalisten des Ensembles Schwerpunkt und dem Vokalquartett forderte das höchste Konzentration ab, die ihr Leiter Stephan Meier aber sicher im Griff behielt.

Karlheinz Stockhausens Oper „Licht“ umfasst je einen Teil zu den sieben Tagen der Woche. Dem Donnerstag entstammt „Michaels Gruß“, bezogen auf den Heiligen Michael. An acht Blechbläsern, drei Schlagzeugern und Klavier zeigt Stockhausen, wie viel Freude ihm das Spiel mit instrumentalen Farben macht. „Pietà“ ist aus dem Dienstag aus „Licht“, für Viertelton-Flügelhorn, Sopran und elektronische Musik - eine expressive wie hochkonzentrierte Szene über das Thema Mitleid, ein Duett zwischen Sopran und dem Blasinstrument, deren Klänge sich symbiotisch verbinden.

Im abgedunkelten Raum entstand zuerst geheimnisvolle Stimmung, bis Truike van der Poel und Paul Hübner die Szene, effektvoll angeleuchtet, mit starker Stimmung erfüllten. Spannendes Musiktheater, das eindrucksvoll mit wenigen Mitteln auch in einer Kirche funktionierte. Die Bravo-Rufe am Ende waren mehr als angebracht.

Von Christian Schütte

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