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Kultur Jürgen Flimm inszeniert Mozarts „La clemenza di Tito“ am Staatstheater Braunschweig
Nachrichten Kultur Jürgen Flimm inszeniert Mozarts „La clemenza di Tito“ am Staatstheater Braunschweig
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14:39 25.02.2018
Klare Gesten: Khanyiso Gwenxane (Tito) in Jürgen Flimms Braunschweiger Mozart-Inzenierung. Quelle: Thomas M. Jauk
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Braunschweig

 In Braunschweig geht in dieser Spielzeit die alten Garde des Musiktheaters ein und aus. Im Herbst hatte die legendäre Mezzosopranistin und Theaterleiterin Brigitte Fassbaender dort „Händel und Gretel“ auf die Bühne gebracht, nun war Jürgen Flimm am Staatstheater zu Gast, wo seine langjährige Mitarbeiterin Isabel Ostermann inzwischen Operndirektorin ist. Der 76-jährige Regisseur, der sich sein Amt als Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden seit einigen Wochen schon mit seinem Nachfolger teilt, hat die so gewonnene Freizeit gleich in eine neue Version von Mozarts letzter Opera seria „La clemenza di Tito“ investiert.

Entsprechend gelassen und souverän wirkt die Inszenierung mit einem für Flimms Verhältnisse kleinen Ensemble. Seine Ausstatter, die Schauspieler-Tochter Polina Liefers (Bühne) und Stephan von Wedel (Kostüme), verorten das Geschehen mit Zitaten aus allen möglichen Epochen raffiniert im zeitlichen Nirgendwo. Der Regisseur selbst, dessen Arbeiten oft detailverliebt und voller Nebengeschichten waren, konzentiert sich hier ganz auf die jeweiligen Personen und ihre Verhältnisse. Er interessiert sich mehr für die Gefühle der Figuren als für die Logik der Handlung. Der genretypisch sonderbaren Geschichte von Liebe, Verrat und Vergebung tut das sehr gut.

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Die jungen Stimmen des Sängerensembles um Jelena Kordic (Stesto) und Khanyiso Gwenxane (Tito) können sich in diesem Rahmen vielversprechend entfalten. Schade, dass der neue Braunschweiger Generalmusikdirektor Sraba Dinic dazu unstet zwischen seltsam romantischen Phrasierungen und strafferen Passagen wechselt. Dass er moderne Trompeten neben Pauken in historischer Bauart spielen lässt, erscheint symtomatisch: Vieles passt hier nicht zusammen. Man hat sich am Staatstheater sehr viel Zeit gelassen, um einen neuen Musikchef zu finden. Ein Mozart-Spezialist ist es nicht geworden.

Die nächsten Vorstellungen sind am 2., 11. und 21. März.

Von Stefan Arndt