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Kultur Jugendchor Quilisma spielt „Dido und Aeneas“
Nachrichten Kultur Jugendchor Quilisma spielt „Dido und Aeneas“
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15:38 13.11.2015
Der Springer Jugendhchor Quilisma. Quelle: Archiv
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Hannover.

Die Präsentation in Hannovers Christuskirche schlug einen Bogen von der von Vergil überlieferten Handlung aus vorchristlicher Zeit zum 21. Jahrhundert. Purcells 1688 gewählter Spielort Karthago wurde in den Kopf der Protagonistin verlegt, also lehnt Dido deshalb zu Beginn der Handlung träumend an der aus Matratzen gestapelten hinteren Bühnenwand.

Sie lehnt dort wieder, als die Wirren in ihrem Kopf verklungen sind. Doch sie könnten – das ist die Lehre des von Martin G. Berger und Kersten Barthold geformten Regiekonzepts – jederzeit wieder beginnen. Didos Liebe zu Aeneas löst zerstörerische Kräfte bei Intriganten, aber auch im Innern der Liebenden aus. Vor ihrem berühmt gewordenen Lamento hat Dido den zwischen Pflicht und Neigung pendelnden Geliebten vehement von sich gestoßen und sogar geohrfeigt. Der neu geformte Prolog bereitet das Publikum auf den emotionalen Abgrund vor.

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Atemberaubend wurde „Dido und Aeneas“ in der Christuskirche gespielt und musiziert. Miguel-Angel Zermeño choreografierte quirlige Gruppenszenen. Der Auftritt der bösen Geister wurde von den Quilisma-Choristen wie eine ausufernde Halloween-Party veranschaulicht. Dieser Trubel kontrastierte zu den visualisierten Gedankenspielen aller Solisten. Die präsentierten sich wie der Chor musikalisch ansprechend und stilsicher; Tahnee Niboro gab die schwankende Dido, Roman Tsotala den Helden Aeneas, Theresa Romes die Freundin Belinda und Clarissa Reif die Zauberin. Ein weiterer Trumpf der bejubelten Aufführung war das kleine Ensemble „la festa musicale“. Es musizierte hinreißend, bot fetzige Rhythmen und zeichnete sanft die empfindsamen Passagen.

Von Ludolf Baucke

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