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Julianne Moore: "Eine dritte feministische Welle”

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13:44 18.08.2019
Oscar-Preisträgerin Julianne Moore.
London

Wer Amerikaner ins Kino locken will, muss einen amerikanischen Film drehen. Anders ist es kaum zu erklären, dass der Chilene Sebastián Lelio (Oscargewinner mit „Eine fantastische Frau“, 2017) – nun ein eng am Original orientiertes US-Remake seines eigenen, viel gerühmten Films „Gloria“ inszeniert hat: Eine Mittfünfzigerin geht lieber unbemannt ihres Weges, als sich an die gefühlt letzte große Liebeshoffnung zu klammern. Regisseur Sebastián Lelio hat die Geschichte nach Los Angeles verlegt und verfügt nach Pauline García wieder über eine grandiose Darstellerin: Julianne Moore - endlich mal ein Remake, das sich wirklich lohnt (Kinostart: 22. August).

Frau Moore, „Gloria“ ist ein Remake, noch einmal gedreht vom selben Regisseur: Was hat Sie an einem Film interessiert, den es in vielen Szenen genau so schon einmal vor sechs Jahren gegeben hat?

Ich war so beeindruckt von dem chilenischen Film „Gloria“ – vor allem von der Menschlichkeit, die in der Geschichte von Regisseur und Drehbuchautor Sebastián Lelio steckt. Ich wollte unbedingt mit ihm arbeiten. Wir haben nicht darüber nachgedacht, dass dies ein Remake ist. So vieles ist ja auch ganz anders hier: Andere Schauspieler sind am Werk, eine andere Crew, ein anderer Kameramann. Und die Handlung spielt in einer anderen Kultur, nicht mehr in Chile, sondern in Los Angeles. Das war eine ganz neue Erfahrung für alle Beteiligten.

Ist es eine gute Idee, wenn eine Frau den ersten Kontakt zu einem Mann mit einer Bemerkung einleitet, wie es Ihre Gloria tut: „Ich bin geschieden“?

Ich fand das wirklich witzig. So definiert sich Gloria eben in der Situation. Ich glaube, sie will an diesem Abend am Rand der Tanzfläche ganz klarmachen, wo sie im Leben steht: Sie war schon mal verheiratet, und jetzt ist sie allein. Sie ist bereits ein ordentliches Stück ihres Lebensweges gegangen – und einen Teil davon ohne Partner. Dieser Satz an Arnold lässt sich so verstehen: „Take it or leave it.“

Noch läuft es gut zwischen den beiden: Gloria (Julianne Moore) und Arnold (John Turturro). Quelle: -/SquareOne Entertainment/dpa

Ihre Kollegin Paulina García hat 2013 den Silbernen Berlinale-Bären als Gloria gewonnen, nun schlüpfen Sie in die Rolle: Was macht diese Gloria so faszinierend für eine Schauspielerin?

Gloria ist so lebendig, so engagiert bei allem dabei und voller Liebe für die Menschen um sie herum. Sie zuckt vor nichts zurück, ist aber gleichzeitig verwundbar. Toughe Figuren sieht man im Kino immer wieder, die irgendetwas erobern wollen. Aber nur selten sieht man Figuren, die so offen sind für neue Erfahrungen.

Aber taugt Gloria deshalb zur Kinoheldin?

Regisseur Sebastián Lelio hat sie so beschrieben: Gloria ist eine Frau, die nicht immer im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Aber was wichtiger ist: Wir als Individuen stehen natürlich immer im Zentrum unserer eigenen Geschichten.

Was wäre an dieser Geschichte anders, wenn die Protagonisten 30 Jahre jünger wären?

Vielleicht gar nicht so viel. Na ja, Glorias Erwartungen an eine Beziehung wären womöglich andere, sie würde der Angelegenheit weniger Bedeutung beimessen. Und natürlich schleppen jüngere Menschen nicht so viel Vergangenheit mit sich herum wie sie.

Ist „Gloria“ ein Film, der sich an Erwachsene richtet?

Kann sein. Dabei käme es aber darauf an, wie Sie erwachsen definieren. Da wäre ich mal neugierig. Der Film kann genauso interessant für jemanden sein, der 21 Jahre jung ist. Wer weiß? Als ich jung war, war ich im Kino gerade an Menschen interessiert, die anders waren als ich. Solche Filme haben mich ein klein wenig besser verstehen lassen, wer ich bin. Ich erinnere mich noch, wie es war, als ich auf die Uni kam: Das war ein echter Wow-Effekt, wie sich an einem anderen Ort plötzlich Sprache und Kultur um mich herum wandelten.

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Das Problem in Glorias Liebesleben ist nicht sie selbst, sondern Arnold, gespielt von John Turturro: Ist seine Zögerlichkeit womöglich typisch für Männer seines Alters?

Na, das hoffe ich doch nicht. Das Problem ist, dass er vorgibt, dass er zu haben ist. Tatsächlich ist er es nicht, weil er nicht von seiner alten Familie loskommt. Ich kenne in meinem Bekanntenkreis genau so einen umgekehrten Fall, also einen Mann, der wie Gloria ist. Er fühlt sich seinerseits stets von Frauen angezogen, die gar nicht auf dem Markt sind. Die Schwierigkeiten entstehen immer dann, wenn sich in einer Beziehung einer der beiden Partner stärker engagiert als der andere.

Gloria ist tougher als Arnold Ist das auch Ihre Erfahrung, wenn es um die Beziehung zwischen Frauen und Männer geht?

Ich glaube an die Gleichheit der Geschlechter. Für keine Beziehung ist es gut, wenn der Mann oder die Frau dominiert.

Wie sehr hat die #TimeIsUp-Bewegung die Welt im Allgemeinen und Ihren Arbeitsplatz Hollywood im Besonderen verändert?

Ich glaube nicht, dass die Dinge schon signifikant vorangekommen sind. Für mich handelt es sich bei #TimeIsUp um so etwas wie eine dritte feministische Welle. Zunächst mal geht es um Sicherheit und Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. Frauen sollen sich sicher fühlen und genauso viel Geld bekommen. Noch immer können wir uns auf solche grundlegenden Dinge nicht verlassen. Und doch sind die Leute ein bisschen aufgewacht und achten mehr darauf, wie sie einander behandeln. Ich fühle mich zumindest ermutigt.

Bedeutet ein Präsident wie Donald Trump einen Rückschritt im Kampf um Gleichberechtigung?

Wir sind alle sehr enttäuscht von unserem Präsidenten. Das ist nicht der Anführer, der am besten repräsentiert, wer und wie wir sind in den Vereinigten Staaten.

Die Filmfigur Gloria attackiert ihren Arnold in einem furiosen Angriff mit einem Paintballgewehr: Würden Sie so einen Akt weiblicher Rache empfehlen?

Oh, ich glaube, diese Frage will ich nicht beantworten.

Von Stefan Stosch/RND

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