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06:15 13.07.2012
Geld fehlt, Spaß ist da: Junge Komponisten aus Winsen. Quelle: Achim DuwentŠster
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Winsen

Können Kinder komponieren? Sicher, wenn’s ein Mozart ist, ein Mendelssohn, so geht der gängige Reflex. Wunderkinder müssen es schon sein. Dass es auch anders geht, zeigt seit zwölf Jahren eine Kinderkompositionsklasse im beschaulichen Winsen an der Luhe. Da erarbeiten ziemlich normale 9- bis 14-Jährige, die nicht mal Noten lesen können müssen, Jahr für Jahr ganz wunderbare Stücke. Nah am Leben, so eigenwillig und spannend, dass ihre erste CD „Haltbar gemacht“, zuvor schon mit Preisen und begeisterten Rezensionen bedacht, gestern als Sieger beim Deutschen Musikpreis „Echo Classic“ bekannt gegeben wurde, in der Rubrik „Klassik für Kinder“.

Was in diesem Fall allerdings nicht heißt, dass hier Serenaden und Fugen geliefert werden. „Wir würden eher mit der Fuge in der Mauer anfangen“, sagt der Schlagzeuger und Komponist Matthias Kaul, der mit der Flötistin Astrid Schmeling den Kindern und Jugendlichen beim Finden und Erfinden tönender Gebilde hilft, jedes Jahr von Januar bis Juli.Am Ende steht immer ein Abschlusskonzert, realisiert von den Profis des Ensembles l’Art pour l’Art. Vorgegeben ist nichts, zur Anregung dient jeweils ein Motto. In diesem Jahr heißt es „Schüsseln, eiern, flutschen – alles eine Frage des Rhythmus“.

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Das Schlusskonzert am nächsten Sonntag droht allerdings das letzte zu werden. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da nach beharrlicher Arbeit der Musiker und deren kontinuierlicher Förderung durch öffentliche Mittel das kleine, feine, Projekt bundesweit Aufsehen erregt, ist unklar, wie die Kurse weiter finanziert werden sollen. 12 Euro zahlen Eltern für eine Einzelstunde im Forsthaus, das mit Hunderten von Klangerzeugern gefüllt ist. Man lernt das Hören, Probieren, Phantasieren, aber eben auch, wie aus der eigenen Phantasie ein Stück zu bauen ist. Notenmaterial wird erstellt, die Proben mit Profis sind nicht weniger gründlich als in Donaueschingen, die Resultate oft erfrischender. Selbst die Berliner Philharmoniker haben schon ein Stück aus Winsen prämiert.

Dass 220 Unterrichtsstunden und Proben von elf Profimusikern für ebenso viele Stücke nicht mit 2700 Euro realisiert werden können, ist klar. Doch aus dem Kulturministerium nahm Matthias Kaul jüngst nur die Botschaft mit, zu herkömmlicher Musikschularbeit lasse sich „kein Unterschied“ erkennen.

Das sei, sagt dessen Pressesprecher Rüdiger Fischer, „verkürzt wiedergegeben“. Immerhin erhalte L’Art pour l’art jährlich 25.000 Euro, „eine Luxusvariante“. Davon, so sieht man es im MWK, könne auch den Kinderkursen des Ensembles etwas zufließen. Doch die, rechnen wiederum die Musiker vor, brauchen allein schon 25.000 Euro – zeitweilig kamen die auch durch Bundesmittel zusammen. Es gibt offenbar Kommunikationsbedarf.

Indessen sagt Astrid Schmeling, sie habe schon so viel mit Fördergremien gesprochen, „dass ich vor lauter Politik kaum noch zur Kunst komme. Dabei würden wir uns einfach gern mal über den Erfolg freuen.“

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