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Kultur Junges Schauspiel Hannover zeigt deutsche Erstaufführung von „Fatima“
Nachrichten Kultur Junges Schauspiel Hannover zeigt deutsche Erstaufführung von „Fatima“
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13:08 08.11.2011
Von Stefanie Nickel
Fassungslos: Fatimas Freunde verstehen nicht, warum sie ein Kopftuch trägt.
Hannover

Ausgerechnet die Titelfigur fehlt. Dabei ist Fatima doch der Auslöser für die Querelen im Freundeskreis, für den Beinahe-Nervenzusammenbruch der Mutter, für die Eifersucht des Freundes. Denn Fatima hat sich verändert und ihr ganzes Umfeld gleich mit. Sie ist nicht länger die flirtende Partykönigin, sondern „Fräulein Kopftuch“, wie ihre Mutter sie spöttisch nennt. Fatima hat sich entschieden, den Hijab, die traditionelle islamische Kopfbedeckung, zu tragen. Und damit im Freundeskreis hitzige Debatten angestoßen über Rassismus und ihre möglichen Motive. Fatima selbst äußert sich dazu nie direkt. Wie auch? Sie tritt gar nicht auf.

Die junge Londoner Autorin Atiha Sen Gupta schrieb das Jugendstück „What Fatima did“ vor sechs Jahren, da war sie gerade 17 Jahre alt. Mit dem Stück wollte sie Bezug nehmen auf den 11. September. Es war eine Reaktion auf eine gefühlte zunehmende Ausgrenzung des „anderen“. Gupta selbst wurde in ihrer Heimatstadt London oft als Muslima beschimpft, obwohl sie indische Wurzeln hat und dem hinduistischen Glauben angehört. Auf der anderen Seite erlebte sie auch, dass viele Muslime ihren Glauben als Reaktion auf diese fremdenfeindlichen Übergriffe plötzlich stärker betonten als zuvor. „Viele meiner Freunde und Bekannten legten ihren Glauben auf einmal strikter aus“, erinnert sich Gupta.

Auch Fatima scheint auf den ersten Blick gar keinen Grund zu haben, sich zu verschleiern. Sie und ihre Freunde stehen kurz vor dem Abitur. Sie feiern, trinken, flirten. Die Frage, ob Smirnoff oder Eierlikör das bessere Partygetränk ist, erscheint ihnen wichtiger als Integrationsdebatten. Integration ist für sie ohnehin kein Problem, sondern eine Selbstverständlichkeit. Weder ihre Freunde noch ihre Familie üben Druck auf Fatima aus. Im Gegenteil: Fatima und ihr Bruder Mohammed (Ali Berber) wurden von ihrer Mutter Rukshana (Susana Fernandes Genebra) liberal erzogen.

Sie selbst hat früher gegen das Kopftuch gekämpft. Dementsprechend fassungslos reagiert sie auf die verschleierte Tochter: „Sie sieht aus wie ein scheiß fundamentalistischer Briefkasten. Wenn sie das Ding nicht in einer Woche abnimmt, schmeiß ich sie raus.“ Auf ihre Frage, warum sie sich das antue, antwortet Fatima nur: „Darum.“

Die iranischstämmige Regisseurin Mina Salehpour hat kein politisch korrektes Stück inszeniert. Die deutsche Erstaufführung des Stücks „What Fatima did“ der Londoner Autorin Atiha Sen Gupta, das auch mit Studenten der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover besetzt wurde, strotzt nur so vor bitterbösem schwarzem Humor. Die 26-jährige Salehpour legt die Inszenierung als amerikanische Sitcom an. Das Bühnenbild erinnert an das Set einer Vorabendserie. Eine Terrasse, ein Wohnzimmer, ein Klassenraum.

Stylisten, Aufnahmeleiter und Requisiteure durchqueren für Umbauarbeiten immer wieder die Kulisse, geben der Technik Handzeichen oder beschmieren die Darsteller mit Kunstblut. Auf einer Leuchttafel werden dem Publikum Anweisungen gegeben. „Applaus“ ist dort beispielsweise zu lesen. Auf Tonband aufgenommenes Lachen wird im Anschluss an eine Pointe eingespielt. Der Sitcom-Stil suggeriert: Es darf wieder gelacht werden – auch wenn es um Kopftücher geht. Aber auch: Vieles ist in den Integrationsdebatten vorhersehbar und unterliegt stereotypen Wiederholungen.

Aber spätestens als Fatimas ehemaliger Freund Georg (Daniel Nerlich) ihr aus Verzweiflung das Kopftuch herunterreißt und sie daraufhin eine Beschwerde wegen rassistischer Belästigung einreicht, wird der Rahmen der Vorabendserie gesprengt. Plötzlich bekommt dieses Stückchen Stoff eine Bedeutung, die den Freundeskreis nachhaltig zu erschüttern droht.

Doch für Gupta ist das Kopftuch keine Lösung. „Es ist immer die falsche Entscheidung“, sagt sie. Die Abwesenheit der Titelfigur ist insofern auch mehr als ein stilistisches Mittel, um Spannung aufzubauen. Für die Autorin hat sie symbolischen Wert. „Frauen tragen Kopftücher, um sich für Männer unsichtbar zu machen“, meint die 23-Jährige. Da ist es nur konsequent, dass auch Fatima unsichtbar bleibt.

Nächste Vorstellung am 11. November.

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