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Kultur Dieter Hildebrandt ist tot
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13:06 20.11.2013
Dieter Hildebrandt starb im Alter von 86 Jahren.
Dieter Hildebrandt starb im Alter von 86 Jahren. Quelle: dpa
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München

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt ist tot. Das teilte seine Frau Renate der Nachrichtenagentur dpa mit. Er starb in der Nacht zu Mittwoch in einem Münchner Krankenhaus im Alter von 86 Jahren. Erst am Dienstag war bekanntgeworden, dass Hildebrandt schwer an Krebs erkrankt war. Er lag nach Angaben seines engen Freundes Dieter Hanitzsch auf der Palliativstation. Hildebrandt prägte das politische Kabarett in Deutschland über Jahrzehnte.

„Dieter Hildebrandt ist heute Nacht im Kreis seiner Familie gestorben“, teilte auch die Münchner Lach- und Schießgesellschaft mit, deren Mitbegründer Hildebrandt war. „Bis zum Schluss hatte er Pläne, hatte gekämpft und wollte sich im Dezember auf der Bühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft von seinem Publikum verabschieden. Er hätte uns noch so viel zu sagen gehabt. Wir trauern mit seiner Familie um einen wunderbaren Menschen, lieben Freund, Förderer und eine moralische Instanz.“

Er war über Jahrzehnte der wichtigste Kabarettist Deutschlands – nun ist Dieter Hildebrandt im Alter von 86 Jahren gestorben.

Hildebrandt wurde im schlesischen Bunzlau geboren und begann nach dem Zweiten Weltkrieg ein Studium in München, wo er seither lebte. Er entdeckte zunächst die Liebe zur Schauspielerei, doch bei der sogenannten Schauspielergenossenschaftsprüfung fiel er durch. Zusammen mit Sammy Drechsel gründete er nach seinen Intermezzi als Platzanweiser und als Mitglied in einem Studentenkabarett 1956 die Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Er galt als einer der bekanntesten Kabarettisten der Bundesrepublik.

Die Diagnose Prostatakrebs hatte er nach Informationen der Münchner Zeitung „tz“ erst im Sommer bekommen. Er sagte daraufhin alle Auftritte ab. Nachdem sich sein Zustand vor wenigen Wochen gebessert hatte, durfte er zunächst nach Hause gehen. Dann habe es aber einen schweren Rückschlag gegeben und er sei erneut in die Klinik gekommen, schrieb die Zeitung.

„Es ist ein großer Verlust“, sagte sein Freund Hanitzsch, mit dem Hildebrandt das Online-Kabarett-Projekt „Störsender.tv“ auf die Beine gestellt hat. „Für uns alle.“ Am Mittwoch stand auf der Startseite des Projekts: „Danke, lieber Dieter, für alles.“ Der Liedermacher und Texter der aufgelösten Band "Biermösl Blosn", Hans Well, würdigte Hildebrandt als moralische Instanz. "Mit ihm verlieren wir alle nicht nur einen auch im hohen Alter noch geradezu jugendlich frischen Ausnahmekabarettisten und klugen Kommentatoren unserer politischen und gesellschaftlichen Zustände, sondern auch eine echte moralische Instanz, bei der Anspruch und Wirklichkeit nicht auseinandergingen", sagte Well der Nachrichtenagentur dpa. "Mir persönlich fehlt in Zukunft ein wunderbarer Mensch, der mir auch in schlechteren Zeiten immer als Freund zur Seite stand."

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt

Dieter Hildebrandt hat auf der Bühne und im Fernsehen jahrzehntelang die deutsche Kabarett-Landschaft geprägt.

1927: Am 23. Mai geboren in Bunzlau/Schlesien.

1950: Studium der Theaterwissenschaften und Literatur in München (bis 1955).

1955: Gründung des Studentenkabaretts „Die Namenlosen“ in München.

1956: Mitbegründer der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“. Heirat mit Irene Mendler (gestorben 1985 an Krebs), zwei Töchter.

1972: Moderator und Mitautor der politischen ZDF-Satirereihe „Notizen  aus der Provinz“ (bis 1979).

1974: „Autorenkabarett“ mit Werner Schneyder (bis 1982).

1980: ARD-Reihe „Scheibenwischer“, (mit Hildebrandt bis 2003, danach  noch einzelne Gastauftritte).

1985: Gefeiertes Gastspiel mit Werner Schneyder in der DDR auf  Einladung der „Leipziger Pfeffermühle“.

1986: Autobiografie „Was bleibt mir übrig - Anmerkungen zu (meinen)  30 Jahren Kabarett“ erscheint. Als Fotograf „Herbie Fried“ neben Klatschreporter „Baby  Schimmerlos“ (Franz Xaver Kroetz) in der TV-Serie „Kir Royal“.

1992: Zweite Heirat mit der Kabarettistin Renate Küster.

2000: Theaterstück „Sonnyboys“ mit Werner Schneyder.

2010: Solo-Bühnenprogramm „Ich kann doch auch nichts dafür“.

2012: Internet-TV-Magazin auf „stoersender.tv“.

dpa/frs

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