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Kultur Klang- und Musikinstallationen in Herrenhausen
Nachrichten Kultur Klang- und Musikinstallationen in Herrenhausen
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02:16 30.05.2018
Szene aus „Kabinett Ferrari“ von Klaus Grünberg und Anne Kuhn.
Szene aus „Kabinett Ferrari“ von Klaus Grünberg und Anne Kuhn. Quelle: Helge Krückeberg
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Hannover

Rechts führt der Weg ins Dunkle, links sieht man zum Schluss zumindest Licht am Ende des Tunnels. Und draußen ein Frühsommerabend aus dem Bilderbuch. Aber manchmal muss man Opfer bringen. Also raus aus den Sonnenstühlen vor dem Spiegelzelt in den Herrenhäuser Gärten und hinein in das Galeriegebäude, wo der Musikelektroniker Kasper T. Toeplitz und die Choreografin Myriam Gourfink zur „Ascension in Noise“ einladen. Vier Stunden soll dieser geräuschvolle Aufstieg dauern, aber das Ein- und Aussteigen ist ausdrücklich erlaubt. Schließlich werden Kombitickets verkauft, die zeitgleich die Tür zum „Kabinett Ferrari“ öffnen. Allerdings werden pro Stunde nur jeweils 20 Neugierige gegenüber ins Orangeriegebäude gelassen.

Also erst einmal ins fast abgedunkelte Galeriegebäude. An den Wänden sind Lautsprecherboxen aufgebaut, vor denen kunstvoll asymmetrisch Neonröhren liege. Am Gartenausgang sitzt der Komponist an einem langen Tisch und befingert zwei Laptops, links und rechts zeigen zwei Bildschirme rastlos ratternde Zahlenkombinationen und sanft zuckende Diagramme. Es gibt ein paar Sitzgelegenheiten, aber eigentlich soll sich der Zuhörer wandernd ein Klangbild machen. Aber aufgepasst: Da ist noch noch etwas. Dunkel gekleidet liegen Myriam Gourfink und ihre Mittänzerin Deborah Lary am Boden und demonstrieren Körperbeherrschung. Unendlich langsam bewegen sie sich. Man muss schon ganz genau hinsehen. Und sehr lange. Die Musik brummt und wummert tieffrequent wie ein sehr fernes Gewittergrollen. Es heißt ja auch nicht „Ascension in Music“, sondern „in Noise“.

Zur nächsten vollen Stunde dann also differenziertere Klänge. Da steht man dann wieder im Halbdunkel. Lichtkegel beleuchten kleine Lautsprecher, aus denen die Alltagsklänge dringen, die der französische Geräuschmonteur Luc Ferrari zu einem Puzzle zusammengefügt hat. „Musique anecdotique“ nannte er sein Konzept, das ein bisschen verspielter war als die „Musique concrète“, die er zunächst mit den Mitstreitern der „Groupe de recherche musicales“ rund um Pierre Schaeffer produziert hatte.

Anekdotisch geht es dann auch weiter, wenn die Zuschauer ins „Kabinett Ferrari“ eingetreten sind, einem kleinen Kino, in dem wir zu Ferraris Klangcollage sehen, dass wir nichts sehen. Der Vorhang bleibt zu. Und öffnet sich dann doch und wir erblicken eine Kopie unseres Treiben. Acht Menschen sehen auf einen Gazevorhang und aus den Lautsprechern verspricht eine Frauenstimme, das alles sei oder werde „unheimlich schön“. Danach zeigen die Bühnenbildner und Lichtdesigner Klaus Grünberg und Anne Kuhn ein Puppe-in-der-Puppe-Spiel. Acht Zuschauerdarsteller bauen um, noch ein Vorhang, noch ein Umbau. Bis am Ende nur noch ein unscharfes Licht das Ende des Zeittunnels markiert. Das legendäre Zwiebelgleichnis, erzählt von rauschenden und raunenden Klängen. Das ist versponnen, amüsant - und angemessen kurz.

Danach wieder zurück. Es ist noch immer dunkel, die brummenden Klänge sind lauter und höher, die beiden tanzenden Bodendecker haben sich den großen Raum etwas weiter erobert.

Der Aufstieg ist noch lange nicht beendet. Was tun? Rat suchen in der Klanginstallation „What can“ im Arne Jacobsen Foyer der Galerie. Dort bietet Tim Etchells per Ansage die Alternative: Ja oder Nein. Eines hat er vergessen: den Sommer. Und der gewinnt. Wie heißt seine dazugehörige Lichtinstallation: „Best of All“.

Von Rainer Wagner

30.05.2018
30.05.2018