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Kultur Konzert im Funkhaus geht in die Verlängerung
Nachrichten Kultur Konzert im Funkhaus geht in die Verlängerung
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16:53 24.01.2017
Von Stefan Arndt
Gern gesehen: Hélène Grimaud (links) und Sol Gabetta im Funkhaus.
Gern gesehen: Hélène Grimaud (links) und Sol Gabetta im Funkhaus. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Kammermusik hat kein Publikum? Nicht, wenn diese beiden Frauen spielen: Das Pro-Musica-Konzert der Cellistin Sol Gabatta und der Pianistin Hélène Grimaud am kommenden Sonnabend war schnell ausverkauft und auch beim daraufhin angesetzten vorgezogenen Zusatzkonzert waren jetzt alle Plätze im hannoverschen Funkhaus besetzt. Dabei was das Gipfeltreffen der beiden Klassikstars alles andere als vordergründig spektakulär. Auf seiner aktuelle Tournee hat das argentinisch-französisch Duo im Gegenteil ein besonders unaufgeregtes Programm im Gepäck.

Sol Gabetta und Hélène Grimaud spielen Duos im ausverkauften Pro-Musica-Konzert.

Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ ist dabei eine Art meditatives Vorspiel aus langen, kaum je mit Vibrato belebten Tönen, die die Bühne bereiten für Robert Schumanns „Stücke im Volkston“. Deren kunstvolle Schlichtheit offenbart reizvolle Unterschiede zwischen den beiden Musikerinnen: Grimaud legt es eher darauf an, Klangflächen zu gestalten, während Gabetta mit sportiver Bogenführung und entschiedener Phrasierung plastische Melodielinien formt. Allerdings hatte das Cello im Funkhaus trotz Gabettas unübersehbaren Einsatzes keinen leichten Stand - vor allem in der unteren und mittleren Lage konnte es sich kaum gegen den Klang des Flügels behaupten.

Das nächste Konzert

Das nächste Konzert von Gabetta und Grimaud am Sonnabend, 28. Januar, ist ausverkauft. Karten für Christian Thielemann und die Dresdener Staatskapelle am Sonnabend, 4. Februar, gibt es unter Telefon: (05 11) 12 12 33 33.

Ein möglicher Grund dafür: Die Argentinierin spielte nicht auf ihrem gewohnten Guadagnini-Cello, sondern auf einem anderen, mit (leiseren) Darmsaiten bespannten Instrument. Durchweg misslungen ist dieses Experiment allerdings nicht: Was dem Instrument an Durchsetzungsstärke fehlt, macht es an Klangfarben wieder wett. Allein der Schluss der Bearbeitung von Brahms’ D-Dur-Violinsonate lieferte die besten Argumente dafür: Im Original leuchtet die Geige in hohen Tönen noch einmal wie im Sonnenuntergang auf; bei Gabetta fängt sich all die Wärme der Musik stattdessen in weichen, wunderbar harzig duftenden Akkorden: Schöner kann man das kaum zum Klingen bringen. So war die Begeisterung auch bei diesen leisen Schlusstönen groß und animierte das Duo zu gleich drei Zugaben von Chopin und Manuel da Falla.

Daniel Alexander Schacht 26.01.2017