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Nachrichten Kultur Kate Nash macht jetzt Rotzpunk
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00:15 06.03.2013
Von Hannah Suppa
Kate Nash ist auf ihrem dritten Album „Girl Talk“ zur Punkerin geworden. Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Die ersten Töne der neuen Kate-Nash-Platte muss man erst mal sacken lassen: Drei Akkorde, ein präsenter Bass, einen Blues-Farbklang in der Stimme. Statt niedlichem Mädchen-Zuckerwattenpop, wird einem hier die E-Gitarre um die Ohren gehauen. Okay. Dann eben nicht mehr nett. Botschaft angekommen.

Die 25-jährige Kate Nash hatte es einst als kokette Rotzgöre mit „Foundations“ in die Charts geschafft. Ihre Markenzeichen: Männerhass, Schnoddrigkeit und ein ausgeprägter Cockney-Akzent, dessen Imitation einer der Gründe ist, warum es Lena Meyer-Landrut damals bis zum Eurovision Song Contest schaffte. Nashs Album war im Jahr 2007 für die After-Grunge-Lena-Generation das, was Alanis Morissettes „Jagged Little Pill“ in den Neunzigern für die Mädchen mit Lavalampe war. Immer schön böse sein auf die Männer - aber jetzt mit mehr Witz als Wut.

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Von der Rotzgöre ist Kate Nash auf ihrem dritten Album zur Rotzpunkerin erwachsen: Jetzt wird sie grundsätzlich. Hängt sich den Bass um und färbt sich, wie es sich für einen Mädchen-Neuanfang gehört, die Haare. Von Rot auf Schwarz mit hellen Strähnchen. Punk lässt grüßen. Sie schreit, schrammelt, rappt für den Geschlechterkampf. Da kommen dann so Zeilen heraus wie in „All Talk“: „I’m a feminist / and if that offends you / then fuck you.“ Der musikalische Mittelfinger. Rausgeschrien und untermalt mit einer anstrengend schrammelnder Gitarre. Hallo, Courtney Love!

„Rap for Rejection“ ist dann Nashs Beitrag zur „Aufschrei“-Debatte: „You’re tryna tell me sexism doesn’t exist? If it doesn’t exist, then what the fuck is this?“, singt, pardon, kreischt sie. Unter #aufschrei twittert die Britin nicht, dafür hat sie beim Nachrichtendienst Twitter eine „Girl Gang“ gegründet, der sich junge Mädchen nach und nach begeistert anschließen.

Doch so laut sie auch röhren mag: Der Zuckerwattenpop ist nicht ganz aus Kate Nash rauszukriegen. Und das will sie auch gar nicht. Sie nennt ihr Album „Girl Talk“, und sie sagt Sätze wie: „Ich kann nett und süß aussehen, über Mode und Make-up reden. Aber ich bin dennoch verdammt clever - also leg dich nicht mit mir an.“ Sie ist das bitterböse Girlie, pachtet die Begriffe „Bitch“ und „Babe“ gleichermaßen für sich. „Ich glaube wirklich daran, dass Frauen sein können, was immer sie wollen. Wir müssen nicht eindimensional sein“, sagt Nash.

Das klingt dann auf dem Album so, als würde man mit den Ramones ein Spaghetti-Eis essen gehen. Am besten ist sie, wenn sie das Getöse etwas runterfährt: Der Song „You’re so cool, I’m so freaky“ kommt nur mit Akustikgitarre aus - und geht tiefer als jeder laute Aufschrei. Auch die Single „3AM“ bleibt ganz beim Pop und spendiert endlich mal wieder eine Melodie - und ein bisschen von dem charmanten Cockney-Akzent, der vor lauter Schreierei auf dem Rest der Platte verloren gegangen ist.

So ganz überraschend kommt die Wendung zum Rotzpunk nicht: Schon auf dem zweiten Album „My Best Friend is You“ hatte Nash etwas mehr gerockt, gerappt und auf der dazugehörigen Tour dann die Punklady auf der Bühne raushängen lassen. Die Lena-Mädchen im Publikum hatte das damals beim Konzert in Hannover leicht verschreckt. Aber auch die sind ja erwachsener geworden.