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08:06 05.06.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Gegen den starren Kunstkanon: Kathleen Rahn, neue Direktorin des Kunstvereins. Quelle: Schledding
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Auf dem Schreibtisch liegen gut zwei Dutzend Golfbälle unter Pfingstrosen. Dahinter steht der leere Koffer, aus dem die ersten Bücher ins Regal geräumt sind. Aus den Wänden ragen Nägel, die einst ein halbes Dutzend Bilderrahmen getragen haben. „Die Kunst“, sagt Kathleen Rahn, „kommt später.“

Der Satz bezieht sich natürlich nur auf die Innenausstattung ihres Büros. Ansonsten muss Kunst ja an erster Stelle stehen – für die Frau, die gestern als neue Direktorin des Kunstvereins angetreten ist. Der erste Arbeitstag? Kathleen Rahn widerspricht. „Ich bin ja seit April jeweils dreimal im Monat hier gewesen“, sagt sie. Vor allem ihr Vorgänger René Zechlin habe ihr in Hannover ein Entrée bereitet, dass sie als „intensiven Übergang“ bezeichnet. Durch den Vorstand des Kunstvereins kennt sie schon ein paar der Kunstförderer, sie ist bereits ihren Kollegen Reinhard Spieler und Veit Görner begegnet, den Direktoren von Sprengel Museum und Kestnergesellschaft, sie hat auch mit der Stadt schon Tuchfühlung aufgenommen.

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„Ich kannte von Hannover vor allem die drei Häuser für zeitgenössische Kunst“, sagt sie. Inzwischen hat sie auch dem Kunstverein Langenhagen einen Besuch abgestattet, und intensivieren will sie auch die Beziehungen zu den Künstlern der Region und den Mitgliedern des Kunstvereins. Dass sie dazu neue Ideen mitbringt, hat sie bereits unter Beweis gestellt: Bei einer Kunstreise hat sie Kunstvereinsmitglieder durch Berlins Künstlerszene geführt, eine ähnliche Tour durch Düsseldorf ist geplant.

Düsseldorf ist eine der beruflichen Stationen der 41-Jährigen. Auch dort hat sie schon beim Kunstverein gearbeitet, wie zuvor in Aachen und zuletzt in Nürnberg. Da hat sie bereits die Kunstführungen ausgebaut, intensive Kunstvermittlung ist für sie wie schon für Zechlin, der im Mai als Nachfolger von Reinhard Spieler ans Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen gewechselt ist, eine Selbstverständlichkeit. „Gleich ob bei Kunstreisen oder -führungen – mir ist es ganz wichtig, Werke zusammen mit dem Publikum genau und sensibel wahrzunehmen.“ Soll das der von Kunsthistorikerin gern beschworenen „Schule des Sehens“ dienen? „Ich spreche lieber von einer Diskussion des Blicks – es geht ja nicht um einen starren Kanon, es geht gerade darum, die Konventionen darüber aufzubrechen, was Kunst ist.“

Welche Kunst im Kunstverein gezeigt wird, steht für 2014 schon fest: Auf die aktuelle Ulla-von-Brandenburg-Ausstellung folgen Installationen von Tilo Schulz und Fotografien von Riccarda Roggan. Ihre Pläne für 2015 enthüllt Rahn noch nicht, wohl aber die grundsätzliche Ausrichtung des künftigen Ausstellungsprogramms. Das soll sich „am wirklichen Leben, an der Gesellschaft“ orientieren – und bisweilen zudem an Ereignissen in Hannover.

 
Auch über den üblichen Reigen aus Stipendienprogrammen, Frühjahrs- und Herbstausstellungen, Gruppen- und Einzelpräsentationen hinaus ist Kathleen Rahn experimentierfreudig. „Ich kann mir vorstellen, mehrere Einzelausstellungen parallel zu zeigen – das können dann auch weniger bekannte Künstler sein, da kann man mehr ausprobieren, etwas wagen.“ Wird es da also zwei, drei oder vier künstlerische Positionen nebeneinander zu sehen geben? „Es geht durchaus mehr – immerhin haben wir sieben Ausstellungsräume.“

Überhaupt, die Räume. Kathleen Rahn genießt es sichtlich, auf den 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche im Künstlerhaus großzügiger als beim Kunstverein Nürnberg mit seinen 150 Quadratmetern planen zu können. „Wir werden Gipswände entfernen, die einige Fenster verdecken, ich will das Haus lüften und Freiraum schaffen, damit wir Kunst pur zeigen können.“ Auch das äußere Erscheinungsbild will sie sich vornehmen. „Warum sollte man nicht schon vor der Fassade des Künstlerhauses sehen können, was darin Spannendes geboten wird?“

Kathleen Rahn hat viel vor. Sie genießt aber offenbar auch den nötigen Rückhalt dafür – jedenfalls bei ihren Mitarbeitern, von denen die Pfingstrosen („Meine Lieblingsblumen“) ebenso stammen wie die Golfbälle. Die sind Überreste einer Kunstinstallation von Brian Jungen, aber auch eine Anspielung auf das wirkliche Leben. „Ich würde tatsächlich gern wieder mit dem Golfspielen anfangen“, sagt Kathleen Rahn. Mal schauen, ob sie genug Zeit dafür findet, Kunst und Leben zu vereinbaren.

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