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Kultur "Wichtig ist, in die Extreme zu gehen"
Nachrichten Kultur "Wichtig ist, in die Extreme zu gehen"
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21:59 21.08.2017
Von Ronald Meyer-Arlt
Hannover, 17.08.2017: Interview mit Katja Gaudard Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Medea, das ist die klassische Rolle der rasenden Frau. Wie geht man das als Schauspielerin an? Eher kaltherzig oder eher heißblütig?

Beides.

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Wie soll das zusammen funktionieren? Dann wird’s doch lauwarm.

Das wäre ja schade. Wichtig ist, in die Extreme zu gehen. Noch bin ich dabei, da für mich einiges zu entdecken: Wo reagiert man aus einer Leere heraus? Wo aus einer Überraschung oder aus einem Schock heraus? Und wo reagiert man aus einem Getriebensein und aus reiner Wut heraus?

Macht es eigentlich Spaß, die Medea zu spielen?

Ja, sehr. Das ist sehr interessant und voller Entdeckungen. Wir setzten uns ja auch mit verschiedenen Fassungen des Stoffes und der Geschichte des Mythos auseinander.

Wird es denn eher eine Inszenierung für Dramaturgen?

Ich hoffe doch nicht! Ich hoffe, dass es ein Stück für die Zuschauer wird und dass es sie anregt, nicht nur die rasende Megäre zu sehen, sondern auch das Drama der Denksysteme, die hier aufeinandertreffen.

Auf der einen Seite die magische, archaische Welt von Kolchis, die Medea verlassen hat, auf der anderen Seite die fortschrittliche Welt von Korinth.

Ja. Aber das Stück lässt sich nicht auf ein simples Spiel der Gegensätze reduzieren. Grillparzer beschreibt auch schon die Brüche in der alten Welt von Kolchis. Und Medea sucht oft einen anderen Weg als den des Entweder-Oder.

Ist die Medea eine besondere Rolle?

Oh, ja. Aber natürlich hat man immer den Wunsch, die jeweilige Rolle zu etwas Besonderem zu machen. Man sucht nach dem besonderen Leuchten, dem besonderen Riss oder dem besonderen Abgrund. „Medea“ bietet da unfassbar viel.

Wie ist das mit Grillparzers Sprache? Ist die für Schauspieler heute ein Problem oder eher eine angenehme Herausforderung?

Bei den Proben fühlte sich das für mich wie ein Wechselbad an. Wenn man das Stück genau liest, erkennt man, dass die Sätze oft vielschichtiger sind, als man beim ersten Lesen denkt. Man findet große Sätze, und es macht Spaß mit ihnen umzugehen.

Muss man dem Drama etwas hinzufügen, um es zeitgenössisch zu machen?

Das ist immer so eine Geschmacksfrage. In unserer Inszenierung werden die ersten Teile von Grillparzers Trilogie „Das goldene Vlies“ aus einer Art rituellen Ordnung entwickelt. Das finde ich sehr schön.

Warum soll man sich das Stück anschauen?

Weil es die großen Themen Liebe, Lust, Leidenschaft, Abgrund und Verrat verhandelt - das ist sinnlich und es macht großen Spaß!

Interview: Ronald Meyer-Arlt

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