Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Benno Fürmann als einsamer Profikiller
Nachrichten Kultur Benno Fürmann als einsamer Profikiller
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:48 06.11.2014
Foto: Benno Fürmann als Profikiller Koralnik in einer Szene des Films "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss".
Benno Fürmann als Profikiller Koralnik in einer Szene des Films "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss". Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Sein Name ist nicht „Bond, James Bond“. Er ist auch nicht Jason Bourne. Dieser Geheimagent heißt Koralnik, schlicht Koralnik. Und er sieht aus wie ein überambitionierter Versicherungsvertreter. Damit kann man keinen Staat machen, und schon gar keinen ernsthaften Actionthriller. Auch wenn unter der Fassade eine Killermaschine steckt, die nur darauf wartet, im Auftrag der EU die Demokratie gegen Terroristen zu verteidigen. Doch dieser Auftrag kommt einfach nicht. Und so entwickelt sich die Komödie „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“ zu einer amüsanten Agentenfarce mit tragikomischen Momenten.

„Konzentration, Kontrolle und Präzision. Jedes kleinste Detail ist wichtig“, räsoniert Koralnik zu Beginn des Films. Und „Tarnung“, die sei auch lebensnotwendig in seinem Job. Benno Fürmann porträtiert diese Killermaschine im Wartestand sehr schön als verzweifelten, überehrgeizigen und in seiner Weltsicht beschränkten Einzelgänger. Seine Tage fristet er in seiner schwarzen Dienstlimousine Fast Food mampfend auf einem trostlosen Parkplatz. Der Frust über acht Jahre ohne Auftrag, acht Jahre voller Entbehrungen, ohne soziale Kontakte, geht so weit, dass er sogar seinen nervigen Nachbarn liquidieren will, nur um einmal einen Job zu erledigen.

Doch dann passiert etwas - und wie so häufig im Leben, passiert alles auf einmal: Ein nicht so disziplinierter Kollege deponiert Drogen bei Koralnik, die undurchschaubare Rosa (Mavie Hörbiger) platzt per Autounfall in sein geordnetes Dasein und - endlich - der ersehnte Auftrag ist da! Das muss natürlich schief gehen...

Dieses Tohuwabohu wird teils in absurden Szenen, teils in traurig-witzigen Dialogen erzählt; immer schnell, nie langweilig, meist überzeichnet, aber nie peinlich. Die oberen Geheimdienstler erscheinen als lächerliche Wichtigtuer, die beschworene Terrorgefahr als reichlich konstruiert. Man darf Regisseur Florian Mischa Böder hier satirische Kritik an herrschenden Verhältnissen unterstellen - durchaus ein Qualitätsmerkmal für eine 80-minütige Offbeat-Komödie.

dpa

Kultur Ungewöhnliche Selbstporträts - Goethe als Selfie im Online-Museum
06.11.2014
06.11.2014
Kultur Theater am Ballhof - „Faust“, das ist es!
Ronald Meyer-Arlt 06.11.2014