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Kultur „Kent Nagano“: Dirigent als Weltenbürger
Nachrichten Kultur „Kent Nagano“: Dirigent als Weltenbürger
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19:12 19.01.2011
Von Rainer Wagner
Bei der Arbeit: Kent Nagano.
Bei der Arbeit: Kent Nagano. Quelle: Zorro Film
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Dieser Film will uns auch das Montréal Symphony Orchestra näher bringen, dessen 75. Saison skizziert wird.

Womöglich hat deshalb für das deutsche Kapitel der Nagano-Biografie nicht die Zeit gereicht. Was schade ist, denn natürlich wäre es reizvoll zu fragen, warum Kent Nagano als derzeitiger Musikchef der Bayerischen Staatsoper bei manchen hiesigen Musikfreunden auf Widerstand stößt. Aber auch ohne Nachfrage liefert Bettina Ehrhardts Film Antworten. Dieser polyglotte Amerikaner mit (japanischem) Migrationshintergrund ist kein Kumpel, kein Musikant, kein Saft-und-Kraft-Musiker. Sondern ein Nachdenker. Wir erleben ihn als Musikvermittler, als Grenzgänger. Was sich nicht nur bei der Probenarbeit zeigt, sondern auch, wenn Nagano im frankophonen Montréal zwischen dem Englischen und dem (angelsächsisch eingefärbten) Französisch hin und her springt – manchmal in einem Satz.

Man sollte diesen Film aus manchen Gründen im Kino sehen, selbst wenn man Großbildschirm und guten Sound zu Hause hat: Die englischen Untertitel sind auf der Leinwand einfach besser zu lesen. Und zumindest die Außenaufnahmen wirken auf der Leinwand eindrucksvoller als im Heimkino.

Der Slogan „Eine Stadt. Ein Orchester. Ein Dirigent“ trifft es nicht ganz, denn dieser Film spielt nicht nur in Montréal, auch wenn er klischeegerecht im Montréaler Eishockeystadion beginnt: Kanada on Ice.

Musikfreunde werden sich über die Gastspielerfolge des Orchesters in Europa freuen. Wir hören Kent Nagano und sein Orchester mit Bruckner, Mahler oder Messiaen; immerhin ist Nagano ein Messiaen-Kenner mit zeitweiligem Familienanschluss. Zu den stärksten Momenten aber gehört der Bericht vom Abstecher in den hohen Norden Kanadas. Wie Nagano und ein Kammerensemble die ohren­betäubende Stille dieser Landschaft mit Musik bereichern.

Zwischen dem Kehlkopfgesang der Inuit und der „Kleinen Nachtmusik“ (ein Titel, der die Eskimos erheitert) wird eine Musikbrücke gebaut, über die die Eingeborenen staunend ­gehen. Und wir staunen und freuen uns mit.

Zwischen den Polen: Ein Musikfilm mit Aussage(n). Künstlerhaus.