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Kultur Das sind die vier neuen Ausstellungen
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19:34 09.03.2017
Alles inszeniert: „Helmholtz-Sirene“ von Annette Kelm (links), „Seapool“ von Annika Kahrs, „Paleo Quake“ von Gerrit Frohne-Brinkmann (unten). Quelle: Kestnergesellschaft
Hannover

Es knacken zu lassen, das ist jetzt in der Kestnergesellschaft tausendfach möglich - dank „Lupo“. So heißt ein Kunstwerk, das dort auf möglichst viele Gäste wartet. Denn je reger es besucht wird, desto zahlreicher zerknacken seine Blasen - beim Betreten der Luftpolsterfolie, aus der es hauptsächlich besteht. „Hier geht‘s um die Suche nach dem letzten Knack“, sagt Malte Bartsch, der Schöpfer des Werkes, steigt auf einen kleinen, auch fürs Publikum bereitstehenden Tretroller und zieht damit unter zigfachem Knacken seine Kurven über „Lupo“.

Ist das Kunst? Oder einfach Kunststoff? Sowohl als auch. So einfach lässt sich in diesem Fall die Frage nach der Differenz zwischen echten und inszenierten Lebenswelten beantworten. „Lupo“ ist eine der vielen Einladungen zur Kunst, die die Kestnergesellschaft jetzt zu bieten hat – und darunter eine der sinnlichsten und am leichtesten zugänglichen. Es ist aber nur einer von zahlreichen Beiträgen zum Verhältnis von Kunst und Leben – in vier gleichzeitig startenden Ausstellungen.

Die kleinste davon ist die Präsentation jenes Werkes, für das der italienische Künstler Alberto Garutti zum hundertjährigen Bestehen der Kestnergesellschaft die Hannoversche Allgemeine Zeitung zum Ausstellungsort gemacht hat, im Studio hinter der Claussen-Halle. Die größte ist die Werkschau „Leaves“ der Fotokünstlerin Annette Kelm im Obergeschoss. Die vielfältigste Schau zeigt im Rahmen des sogenannten VG-Stipendiums im Erdgeschoss ein Dutzend norddeutsche Nachwuchskünstler, darunter auch Malte Bartsch. Und weil dieses Stipendium nach Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899-1962) benannt ist, erinnert eine Ausstellung auf der Galerieebene der Kestnergesellschaft noch an den Künstler, der in den Zwanzigerjahren mit seinen Grafikentwürfen Plakate und Kataloge der Kestnergesellschaft und so deren Erscheinungsbild geprägt hat.

Ganz erstaunliche Querbezüge

Ein üppiges Kunstprogramm also – aber auch eine wilde Mischung? Tatsächlich gibt es zwischen Friedrich Vordemberge-Gildewart und Annette Kelm ganz erstaunliche Querbezüge: In der Tradition des Konstruktivismus stellt sich der Grafikkünstler der Zwanzigerjahre gegen die Abbildungskonventionen seiner Zeit. Und die Fotokünstlerin stellt sich gleichfalls gegen den Strom, indem sie sich die fotografischen Konventionen der Gegenwart vornimmt und deren Dekonstruktion betreibt - durch stete Fingerzeige, dass alles Inszenierung ist und nichts nur Abbildung. Dafür baut sie gern Brüche in ihre Bilder ein. Etwa indem sie den sanften Farbverlauf ihres Werks „Helmholtz-Sirene“ (2017) jäh abbrechen lässt und so verdeutlicht, dass der grüne Bildhintergrund einfach nur Fotowand ist. Oder indem sie mit ihren Fotos daran erinnert, dass auch frühere Jahrhunderte schon Zeiten der Inszenierung waren – etwa in einer Aufnahme der im Auftrag von Marie-Antoinette inszenierten Dorfbukolik von Hameau in Versailles.

Neue Impulse durch die Kunst

Nicht immer sind die Verweise auf das Verhältnis von Kunst und Leben so sublim. Im Rahmen des VG-Stipendienprogramms wird Leben teils recht lautstark in den Kunstraum überführt. „Tempos Verbais“ von Lucas Odahara beispielsweise beschallt die Claussen-Halle – außer in einer Mittagspause – mit Protestchören von Demonstranten. Und nebenan hört man das selbsterzeugte Knacken beim Betreten von „Lupo“ nicht, wenn dort gerade im Diorama „Paleo Quake“ des Künstlers Gerrit Frohne-Brinkmann zwei Nackte bei einer Erdbebensimulation in dröhnende Vibrationen versetzt werden.

Feinsinniger geht Annika Kahrs vor, der das mit 60.000 Schweizer Franken dotierte VG-Stipendium zuerkannt wurde – für einen Werkkomplex, der pures Dokument und poetische Verfremdung zugleich ist: „Seapool“ heißt ihr Video, für das sie einen Billardtisch sieben Minuten lang mit einer Standkamera gefilmt hat. Das klingt langweilig, wirkt aber magisch, weil sich die Kugeln auf dem Tisch wie von Geisterhand bewegen.

„Seeleute spielen leidenschaftlich gern Billard“, sagt die 1984 in Achim geborene Künstlerin, die als Stipendiatin ein halbes Jahr in Bremerhaven gelebt hat. „Denn dabei gibt es keine Sprachhürden und das geht nicht auf hoher See.“ In ihrem Video lässt der Seegang die Kugeln rollen, denn sie hat den Tisch auf ein Schiff setzen lassen. Reales Rollen in irrealer Lage - so lassen sich Kunst und Leben durchaus bewegend verschränken.

Wieviel Bewegung Kunst auslösen kann, präsentiert – übrigens ganz ohne irgendein Knacken – Garuttis Werk. Es besteht aus Hunderten von Zeitungsausgaben mit seinem Satz „Dieses Werk ist jedem gewidmet, der jetzt den Blick nach oben richtet und schaut“ in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. „Diese Exemplare haben uns die Leser zukommen lassen“, sagt Christina Végh, die Direktorin der Kestnergesellschaft, „und so wie Garutti es geschafft hat, hoffen auch wir noch viele durch Kunst in Bewegung zu versetzen.“

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