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Kultur Visionen des Zerfließens
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19:31 22.01.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Ganz schön flüssig: „Highly Liquid“ von Magali Reus, einer der Londoner Künstlerinnen, die die Kestnergesellschaft in „Pool“ zeigt. Quelle: Kestnergesellschaft
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In der Kestnergesellschaft geht es in diesem Jahr ein wenig wie bei den Matrjoschkas zu – jenen russischen Puppen, in denen immer noch kleinere stecken: Die erste neue Ausstellung im einstigen Goseriedebad heißt nicht nur „Pool“ und ist eine Gruppenschau. Die vielleicht spannendsten künstlerischen Positionen darin werden in einem handelsüblichen Aquarium stattfinden und auch eine Gruppenausstellung sein. Spannend schon allein deshalb, weil noch offen ist, welche Künstlerkollegen der Brite Aaron Angell einladen wird, ihre Werke mit seinen in dem Wasserbecken zu platzieren. „Sicher ist nur“, sagt Kurator Heinrich Dietz, „dass die drei jetzt schon in dem Aquarium lebenden Axolotls darin bleiben sollen.“

Kunst und Lurch – diese Kombination ist Frucht einer London-Expedition, die die Ausstellungsmacher der Kestnergesellschaft aus Anlass des 300. Jubiläums der Personalunion zwischen den Königshäusern Großbritannien und Hannover unternommen haben. „Andere Häuser bieten dazu historische Reminiszenzen“, sagt Charlotte Schüling, die Sprecherin der Kestnergesellschaft, „wir wollen ein Schlaglicht auf junge Kunst aus London werfen.“

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Aaron Angell ist dabei der jüngste der zwischen 26 und 36 Jahre alten Künstler, die – außerhalb des Aquariums – zu sehen sein werden: Alice Channer lässt fließende Bewegungen zu Skulpturen erstarren. Cally Spooner spielt in ihren Performances mit Grenzüberschreitungen zwischen Theater, Musical, Live-Events und Bild- und Tonkonserven. Nicolas Deshayes lässt weiße Kunststoffwellen über große Aluminiumflächen schwappen. Und Magali Reus filmt rinnendes Wasser auf menschlicher Haut. Ist das „very british“? Reus ist Niederländerin, Deshayes Franzose – „Pool“ präsentiert zwar Londoner Kunsttrends, aber nicht unbedingt britische. „Alle sind im Digitalzeitalter aufgewachsen“, konstatiert Kuratorin Antonia Lotz. „Alle sind international orientiert und experimentieren mit Fließendem, mit Entgrenzung und Beschleunigung, die für diese ,Digital Natives‘ prägend sind.“

Einen festen Kontrapunkt gegen solche Visionen des Zerfließens von Zeit und Raum bildet im November die Ausstellung von Werken des Design-Künstlers Heimo Zobernig. Der hat zwar schon so handfeste Alltagsobjekte wie Eisenbahnwaggons oder Ausstellungshallen entworfen. Er nutzt aber auch Materialien wie Styropor oder Spanplatten, um der kecken Behauptung der Minimal Art („You get what you see“) zu widersprechen – und schafft Skulpturen, die damit spielen, dass nicht alles das sein muss, wonach es aussieht. Eine Sitzbank, zum Beispiel, kann auch ein reines Schaustück sein.

Im Sommer ist noch eine Ausstellung der prominenten Fotokünstler Jeff Wall und Andreas Gurski geplant. Beide sind zwar nicht zum ersten Mal in Hannover zu sehen, aber dies ist ihre erste Doppelausstellung, für die sie die Fotos auch gemeinsam aussuchen werden. Auf das kanadisch-deutsche Duo folgt im Herbst eine Ausstellung der New Yorkerin Dana Schutz. Die spielt auf ihren Gemälden auf den ersten Blick mit neusachlicher Strenge, die bei genauerem Hinsehen von surrealen Abgründen durchsetzt ist. Auch da zerfließen also vermeintlich festgefügte Gewissheiten.

„Pool. Kunst aus London“, 4. April bis 6. Juli. „Andreas Gursky. Jeff Wall“, 25. Juli bis 26. Oktober. „Dana Schutz“, 29. August bis 26. Oktober. „Heimo Zobernig“, 21. November bis 1. März 2015. Bis zum 2. März 2014 läuft noch die Doppelausstellung „Karla Black. Kitty Kraus“ in der Kestnergesellschaft, Goseriede 11.

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