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Kultur „King Arthur“ feiert am Sonnabend Premiere
Nachrichten Kultur „King Arthur“ feiert am Sonnabend Premiere
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07:18 25.10.2011
Foto: Junge Laiendarstellerinnen proben das Stück „King Arthur“ für die Premiere am 29. Oktober.
Junge Laiendarstellerinnen proben das Stück „King Arthur“ für die Premiere am 29. Oktober. Quelle: dpa
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Hannover

Sie tragen weiße Augenbinden, tanzen, schlagen Rad, lachen. Dann wird die Szene surreal, die Bewegungen der Mädchen verlangsamen sich, werden mechanisch: Die Junge Oper der Staatsoper Hannover probt im Ballhof eine Traumszene aus „King Arthur“, das an diesem Samstag (19.30 Uhr) Premiere feiert.

Mit Regisseurin, Dramaturgin und Musiktheaterpädagogin haben die 23 Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren die Oper von Henry Purcell weiter entwickelt. „Wie entstehen Gewalt und Krieg?“, „Warum ist Frieden so schwierig zu leben?“, „Wie viel Vertrauen braucht die Liebe?“ sind die zeitlosen Themen des Stücks.

Ursprünglich wurde das Heldenepos 1684 zum 25ýjährigen Thron-Jubiläum von Charles II. verfasst. „King Arthur“ („König Arthur“) wurde dann aber erst 1691 in London uraufgeführt.

Nach Erfolgen mit der Rap-Oper „Culture Clash“ und der „Beggar’s Opera“ hat sich Dramaturgin Sylvia Roth an eine große Oper gewagt. Und sie weiß: „Die Jugendlichen haben viel Spaß bei den Proben.“

Schüler agieren als Bühnenmusiker und Chor, Studenten der Musikhochschule Hannover besetzen die Hauptrollen. Da wird schon mal in der Probe gekichert, wenn eine Textstelle etwas anzüglich ist. Und manchmal muss eindringlich an die Konzentration appelliert werden. Doch dann zeigen die jungen Darsteller, dass sie ihr Projekt professionell umsetzen wollen und arbeiten engagiert am letzten Schliff der Szene mit.

Eine eigene Abteilung für Theaterpädagogik haben inzwischen alle größeren Theater in Niedersachsen. Die Aufgabe der Pädagogen ist es, Jugendlichen den Zugang zu (Musik-)Theater zu ermöglichen. Das beginnt bei Unterrichtsmaterialien zu Produktionen, geht über Schülervorstellungen, die mit den Klassen vor- und nachbereitet werden, bis zu eigenen Spielclubs für Kinder und Jugendliche.

Im Theater Lüneburg heißt eine Veranstaltungsreihe „Reaching Out“, Göttingen wird im Mai das Kinder- und Jugendtheaterfestival „Hart am Wind“ ausrichten, in Braunschweig gibt es den „Klub der jungen Pioniere“. Theater versuchen so, sich ein Stammpublikum aufzubauen, aber auch die Entwicklung der Jugendlichen zu fördern.

Beim Landesverband Theaterpädagogik Niedersachsen heißt es dazu: „Es geht um soziale Kompetenz, Selbstbewusstsein und Kommunikationsstärke. Kinder und Jugendliche erhalten durch eigenes Theater-Spielen diese notwendigen Kompetenzen für ihre individuelle Entwicklung.“

Das Spiel unter professioneller Anleitung soll den Jugendlichen ermöglichen, ihre Kreativität zu entwickeln, Talente zu entdecken und Berührungsängste abzubauen. Dieser Ansatz wird auch im Bereich der Integration genutzt, um Kinder mit Migrationshintergrund oder Behinderungen eine Ausdrucksmöglichkeit zu geben.

Die Darsteller von „King Arthur“ interessiert das allerdings nicht vordergründig. Sie haben einfach Spaß an ihrer eigenen Produktion und fiebern der Premiere entgegen.

dpa