Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Gute Fee, böser Wolf
Nachrichten Kultur Gute Fee, böser Wolf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 19.10.2013
Von Stefan Stosch
Foto: Die beiden Hauptdarsteller Laura (Agathe Bonitzer) und Sandro (Arthur Dupont) der Kino-Komödie „Unter dem Regenbogen“ Quelle: dpa
Hannover

Aschenputtel ist jetzt männlich, aber das ändert nichts an den bekannten Fakten. Aschenputtel verliert auch in diesem Film bei einer Party den Schuh. Überstürzt musste der junge Mann auf seinem Motorroller davondüsen, und nun steht die Prinzessin ratlos da mit dem Schuh in der Hand. Wird sie den Mann ihrer Märchenträume wiedersehen – vorausgesetzt, es handelt sich überhaupt um ebenjenen?

Das Leben ein Märchen - der französische Film „Unter dem Regenbogen - Ein Frühjahr in Paris“ entführt seine Zuschauer in eine zauberhafte, romantische Welt. Im Mittelpunkt steht die verwöhnte Laura, die sich in den Komponisten Sandro verliebt.

Okay, Aschenputtel heißt eigentlich Sandro (Arthur Dupont) und ist Komponist, gehört also keinesfalls zum Dienstpersonal. Und Laura (Agathe Bonitzer) ist keine Prinzessin, sondern eine ziemlich verwöhnte junge Frau und im heutigen Paris zu Hause, aber der Rückgriff aufs Märchen ist das Leitmotiv in dem munteren Beziehungsreigen „Unter dem Regenbogen“. Die mit viel Ironie – und nie aufdringlich – eingestreuten Märchenverweise machen den Reiz aus in dem Werk des eingespielten Kinoteams Agnès Jaoui und Jean Pierre Bacri („Lust auf anderes“), das hier vor und auch hinter der Kamera agiert.

In ihrer Komödie findet sich auch ein böser Wolf, der zudem noch so heißt und strippenziehender Musikkritiker ist, zuständig für die Zerstörung von Liebesglück. Ebenso dabei: eine alternde Stiefmutter-Königin, besessen von ihrer marmornen Schönheit, die schon Risse zeigt. Im Mittelpunkt steht Marianne (Jaoui), die gute Fee. Bei ihr laufen die verschiedenen Beziehungsstränge dieses Films zusammen. Es treten verschiedene Paare im Zustand des Ver- und Entliebens auf – nicht immer ganz leicht, den Überblick zu behalten.
Bacri etwa spielt Pierre, den missmutigen Vater von Sandro. Er ist geschieden, hat eine jüngere Freundin mit Kindern, die nur momentan bei ihm wohnen und ihm auf den Wecker fallen, arbeitet als Fahrlehrer und plaudert mit seiner Fahrschülerin Marianne auf Landstraßen über Gott und die Welt. Zumeist ist er jedoch in Schockstarre gefangen, weil ihm eine Wahrsagerin vor vielen Jahren auf den Tag genau seinen Tod vorausgesagt hat. Der Termin ist greifbar nah.

So verfolgt man interessiert das Schicksal dieser gutbürgerlichen Zeitgenossen – und wünscht sich irgendwann doch, dass sie aus ihrer abgeschotteten Märchenwelt herauskatapultiert werden und in der Realität landen mögen. Die soziale Wirklichkeit bleibt bei diesen Beziehungswirren weitgehend ausgeblendet. Aktuelle Nachrichten tröpfeln zwar kurz aus dem Fernsehlautsprecher ins Geschehen, dienen jedoch nur als Geräuschkulisse. So fragt man sich: Was ist mit Abstiegsängsten, Krisengefühlen, sozialen Verwerfungen? Kurz: Wo spiegelt sich das 21. Jahrhundert in diesen Figuren, die mit sich selbst beschäftigt sind?

Französische Kinomacher verstehen sich immer noch mehr als ihre Kollegen anderswo in Europa darauf, Filme zu inszenieren, in denen das – zugegeben: sympathische – Personal um sich selbst kreist. Das ist amüsant, aber für wirklich magische Kinostunden braucht es ein bisschen mehr, zum Beispiel eine genauere Verortung im Hier und Jetzt.

Unter dem Regenbogen

  • Munterer Beziehungsreigen
  • nach französischer Art:
  • bisschen zu märchenhaft.
  • Kino am Raschplatz
Kultur Symposium zum Gewaltpotenzial der Religionen - „Allen geht es um Gerechtigkeit“

Ein Internationales Symposium widmet sich in der kommenden Woche
 den Themen Gewalt und Religion: Organisatorin Ina Wunn 
über Transzendenz, Toleranz und Rote Karten

19.10.2013
Kultur Mehrkosten für Museumsbau - Wieder alles teurer in Berlin

 Flughafen, Staatsoper, Hauptbahnhof - Berlin hat mit seinen Bauprojekten kein Glück. Jetzt ist klar, dass das Empfangsgebäude für die Museumsinsel um fast ein Drittel teurer wird als geplant.

16.10.2013
Kultur Berliner Philharmonie - Der Gemeinschaftsraum

Ein Hoch auf die Schallsegel: Vor 50 Jahren schuf Hans Scharoun mit der Berliner Philharmonie den Prototyp des modernen Konzertsaals

Stefan Arndt 16.10.2013