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Kultur Sex, Superman und Sklaverei
Nachrichten Kultur Sex, Superman und Sklaverei
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19:45 27.12.2013
Von Stefan Stosch
Herr der Plantagen: Edwin Epps (Michael Fassbender, links) schindet seine Sklaven Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor, rechts) und Patsy (Lupita Nyong’o, Mitte). Quelle: dpa
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Und der Oscar geht an ... Bis dieser Satz gesprochen wird, müssen wir uns bis zum 2. März gedulden. Aber einen Favoriten darf man verraten: „12 Years a Slave“ (Kinostart: 16. Januar), ein packender Film über Sklaverei, der auf der wahren Geschichte eines 1841 aus New York in den Süden verschleppten Schwarzen beruht. Fragt man den britischen Regisseur Steve McQueen nach seinen Chancen, dann knurrt er zwar Unverständliches, aber seine Aussichten sind gut: „The Help“, „Django Unchained“ oder „The Butler“ haben das Thema Rassismus, Diskriminierung und Sklaverei ganz nach oben auf Hollywoods Tagesordnung gebracht.

Die Berlinale-Besucher erwartet erst mal ein anderer heiß ersehnter Film: Festivalchef Dieter Kosslick hat für seinen Berliner Kinomarathon (6. bis 
16. Februar) George Clooneys Weltkriegsthriller „The Monuments Men“ (Kinostart: 20. Februar) gebucht, der in Deutschland gedreht wurde. Da lässt sich gewissermaßen die Vorgeschichte zum Münchener Bilderfund begutachten: Hollywoods Darling erzählt von einer US-Spezialtruppe, die in Europa nach verschleppten Kunstschätzen fahndet. Angeführt werden die Kriegskunstsachverständigen von ihm persönlich.
Ebenfalls bei der Berlinale läuft Lars von Triers erste Hälfte von „Nymphomaniac“ (in der Langversion). Kinostart ist der 20. Februar, der zweite Teil folgt am 3. April, womit der Däne dem Trend zum Mehrteiler folgt. Das Erotikdrama mit Charlotte Gainsbourg, Uma Thurman und Shia LaBeouf soll seinen Ruf als Skandalregisseur festigen. Achtung: Pornoverdacht.

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Gut möglich, dass 2014 das Jahr der biografischen Filme wird. Von Lady Di (gespielt von Naomi Watts) und ihrer letzten großen Liebe erzählt der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel in „Diana“ (9. Januar). Das Leben des jüngst verstorbenen südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela lässt sich in „Der lange Weg zur Freiheit“ 
 (16. Januar) bestaunen – der britische Schauspieler Idris Elba übernimmt den Part des Freiheitskämpfers. Tom Hanks schlüpft in „Saving Mr. Banks“ (6. März) in die Rolle von Walt Disney, und Nicole Kidman verwandelt sich in „Grace of Monaco“ (13. März) in Grace Kelly.

Einen ganz besonders aktuellen Zeitgenossen lernt man in Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ (16. Januar) kennen: Der US-Regisseur feiert mit seinem Lieblingsschauspieler Leonardo DiCaprio den Aufstieg und Fall des skrupellosen Aktienhändlers Jordan Belfort. Drei Stunden dauert die fulminante Komödie – und das wiederum entspricht dem aktuellen Hang zur Überlänge. Auch deutsche Regisseure bieten 2014 ein buntes Kinoprogramm. Dominik Graf bringt „Die geliebten Schwestern“ auf die Leinwand (Start: 31. Juli), die sich beide unsterblich in Friedrich Schiller (Florian Stetter) verlieben – der Schriftsteller ist dem Dreiecksverhältnis zugeneigt. Matthias Schweighöfer erlebt komödiantische „Vaterfreuden“ 
(6. Februar). Otto Waalkes zeigt in „Der 7bte Zwerg“ (25. September) wieder seine Vorliebe für schrille Märchen. Sönke Wortmann (18. September) verfilmt Charlotte Roches Bestseller „Schoßgebete“ – „Feuchtgebiete“ war ja bereits auf der Leinwand.

Fatih Akin sitzt am Abschluss seiner „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie, die er am liebsten beim weltweit wichtigsten Festival in Cannes (14. bis 25. Mai) präsentieren würde. Und Hollywood? Das dreht Fortsetzung auf Fortsetzung. Ob die Wiederholungstäter noch wissen, in welcher Produktionsschleife sie sich gerade befinden? „Captain America“ (27. März) kehrt zurück, „Spider-Man“ (17. April) kehrt zurück, dieses Mal mit Andrew Garfield im Superhelden-Kostüm, die „X-Men“ (22. Mai) kehren unter der trefflichen Überschrift „Zukunft ist Vergangenheit“ zurück, dazu die „Muppets“ 
(1. Mai) oder unsere haarigen Verwandten vom „Planet der Affen“ (14. August)   ... Die Liste ließe sich fortsetzen.

Da ist man ja schon froh, dass sich Tom Cruise einen Kampf mit Aliens liefert. Okay, das war gelogen: Die Idee von „Edge of Tomorrow“ (29. Mai) klingt auch alles andere als originell. Vielversprechender ist die Räuberpistole „American Bullshit“ (13. Februar), in der ein Hochstapler (Christian Bale) dem FBI in Gestalt von Bradley Cooper eine Nase und der „Sexiest Man Alive“ sich Lockenwickler ins Haar dreht. Irgendwas vergessen? Ach ja, Peter Jackson bestreitet mit „Der Hobbit: Hin und zurück“ (17. Dezember) das Finale seiner aufgeblähten Mittelerde-Trilogie. Und „Die Tribute von Panem“ gehen mit dem dritten Teil „Flammender Zorn“ noch nicht zu Ende. Regisseur Francis Lawrence hat das letzte Buch von Suzanne Collins in zwei Teile gesplittet.

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