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Kultur Besser als Pellkartoffeln
Nachrichten Kultur Besser als Pellkartoffeln
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22:29 27.01.2015
Zwergenmusik: Martin G. Kunze, Ulrike Dallapozza und Laetitia Mazzotti. Quelle: Joachim Giesel
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Hannover

Beim Regenbogen sind sich fast alle einig. Unübersehbar, zuverlässig, geheimnisvoll und erhaben schön ist er als kraftvolles Symbol quer durch die Kulturen und Religionen zu finden. Er scheint untrennbar verbunden mit Hoffnungen und Sehnsüchten der Menschen. So auch in der irischen Mythologie, in der am Ende des Regenbogens ein Goldschatz vergraben liegt, bewacht von einem Leprechaun, einem zwergenhaften Feenwesen.

Auch wenn der Regenbogen bei der Premiere des Stücks „Zwerge versetzen“ im hannoverschen KinderTheaterHaus nur eine schemenhafte Projektion gewesen sein mag – mehr Illusion war nicht notwendig, um dem Sehnen der Hauptfigur Mimmie (Ulrike Dallapozza) nach einem besseren Leben eine handfeste Richtung zu verleihen. Ihr Großvater (Martin G. Kunze) hatte die Geschichte vom Goldschatz so oft erzählt, und der Drang, aus der Armut auszubrechen, war schließlich viel größer als die Angst vor Wachzwergen.

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Produktion nimmt Kinder ernst

„Denn Besseres als Pellkartoffeln finden wir überall!“ Mit diesem Schlachtruf wirbt das Klecks-Theater für sein neues Kinderstück, inszeniert von Harald Schandry nach einer Vorlage von Hartmut El Kurdi und Wolfram Hänel. Sowohl den kleinen als auch den großen Zuschauern macht es Spaß, mitzuerleben, wie Mimmie den Zwerg zum Vorteil beider überlistet. Der hintergründige Humor, das geschickte Spiel mit Klischees, Identifikationsangeboten und herausfordernden Widersprüchen, das Verschränken von Erzählebenen und -perspektiven: All das traut dem jungen Publikum einiges zu. Die Produktion nimmt Kinder ernst und gewinnt dabei, genau wie es dem Leprechaun am Ende mit seiner kleinen Herausforderin ergeht. Auf der Bühne manifestiert sich das besonders in Laetitia Mazzottis hintergründiger, zurückgenommener Komik als scheinbar überlegener Zwerg.

Ein ermunterndes Stück

„Zwerge versetzen“ ermuntert sein Publikum, die oft schon früh antrainierten Grenzen zwischen Phantasie und Alltagswirklichkeit spielerisch aufzubrechen, über den Rand des Tellers mit den Pellkartoffeln hinaus zu blicken. Sogar der Leprechaun, der sich am Ende des Regenbogens eher langweilt, entdeckt auf diese Weise Begehrlichkeiten, die ihm neuen Schwung verleihen.

Thomas Kaestle

Weitere Aufführungen

Weitere Aufführungen finden am Mittwoch, 28. Januar und am Donnerstag, 29. Januar sowie am 1. Februar statt. Weitere Informationen gibt es unter www.klecks-theater.de.

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