Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Knabenchor hat Londoner Blechbläser zu Gast
Nachrichten Kultur Knabenchor hat Londoner Blechbläser zu Gast
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:03 08.12.2017
Der Knabenchor Hannover singt in der Marktkirche.
Der Knabenchor Hannover singt in der Marktkirche. Quelle: Thomas
Anzeige
Hannover

Auch dank der begabten Gäste aus England ist das Adventskonzerte des Knabenchores Hannover in der Marktkirche ein besonderes Hörerlebnis geworden. Zur Unterstützung der Sänger waren die Blechbläser von London Brass mit von der Partie. Überzeugend war zum einen das  Können der Musiker des Gastensembles, zum anderen das bewegende Repertoire mit den englischen Christmas Carols.

Händels Coronation Anthem „Zadok the Priest“, mit dem der Abend eingeleitet wurde, ist zwar kein Werk für die Adventszeit, aber ein wunderbar festlicher Auftakt. Den meisten Besuchern dürfte dieses Werk als Fußball-Hymne der UEFA Champions League bekannt sein, ursprünglich komponiert wurde es für die Krönungsfeierlichkeiten für George II. im Jahr 1727. 

Da Händel diese Musik nicht für zehn Blechbläser geschrieben hat, hatte Andrew Crowley, einer der Trompeter von London Brass, ein eigenes Arrangement für dieses Besetzung erstellt. Der Schlusschoral aus Bachs Weihnachtsoratorium glich in seiner virtuosen Überspitzung beinahe einer Karikatur, verströmte aber Spielfreude und Faszination.

Knaben singen mit Leichtigkeit

Eine eigene Note verliehen die Arrangements von Richard Bissil dem Konzert. Der Hornist des Londoner Ensembles orientiert sich offensichtlich gern an Film- und Musicalmusiken der Verziger- und Fünfzigerjahre. Händels brühmtes „Tochter Zion“ gestaltete er zu einem Breitbandfilm in Technicolor – ein erstaunliches und höchst interessantes Hörerlebnis.

Die Sänger des Knabenchores bestachen in gewohnter Qualität: Intonationssicherheit, Phrasierung, Textverständlichkeit und Stilsicherheit im Umgang mit Werken aus verschiedenen Epochen wie „Angelus ad virginem“ aus dem 13. Lahrhundert oder „Star Carol“ von John Rutter aus dem 20. Jahrhundert prägten ihren Gesang. Was den Klang des Chores auszeichnet, ist seine Leichtigkeit und Durchsichtigkeit. Nie wird forciert, nie werden die Knabenstimmen zu einer Kraftanstrengung gezwungen, die sie nicht leisten können. Hierdurch bekommen die Schlusssteigerungen der englischen Carols Größe und Erhabenheit.

Das Publikum wusste die Leistung zu schätzen und bedankte sich mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus, der nur nach drei Zugaben ein Ende finden wollte.

 Am Freitag findet um 20 Uhr in der Marktkirche eine weitere Aufführung statt. Restkarten gibt es an der Abendkasse. Sonnabend um 16.00 Uhr gibt es dort zudem eine gekürzte Fassung des Konzerts mit einer Moderation für Kinder.

Von Michael Meyer-Frerichs