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Kultur Unterwegs im Auftrag des Herrn
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22:19 04.01.2015
Dan Aykroyd (Elwood) und John Belushi (Jake) haben sich das dynamische Duo Mitte der siebziger Jahre ausgedacht.
Dan Aykroyd (Elwood) und John Belushi (Jake) haben sich das dynamische Duo Mitte der siebziger Jahre ausgedacht.
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Eine Karte für eine Musikshow kurz nach dem Jahreswechsel ist ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Für die Menschen auf der Bühne ist es allerdings nicht ganz leicht, vor Leuten zu spielen, die nicht gerade freiwillig, sondern als Beschenkte da sind. Am Sonnabend im Theater am Aegi ist das aber kein Problem. Die Zuschauer sind schon zu Beginn in Klatsch- und Feierlaune. Und nicht nur die, die mit Anzug, Sonnenbrille und Hut gekommen sind, um wiederum die zu feiern, die im Auftrag des Herrn unterwegs sind: Jake und Elwood Blues - The Blues Brothers.

Dan Aykroyd (Elwood) und John Belushi (Jake) haben sich das dynamische Duo Mitte der siebziger Jahre ausgedacht. Zwei Männer in Anzügen, Sonnenbrillen, weißen Socken und Rat-Pack-Hüten, die Gebrüder Blues, die eigentlich eher Soul und Rhythm ‘n’ Blues machen, aber Hauptsache nicht Country, wie Jake Blues gerne sagt. Nach einem Album und einer Tour machten sie sich 1980 im Film von John Landis auf, ihre alte Band zu versammeln und im Auftrag des Herrn ein Waisenhaus in Chicago zu retten. Der Film ist ein wunderbares Spektakel, mit irren Verfolgungsjagden und mit einem Soundtrack, der bis heute nicht übertroffen ist. Die Blues Brothers hätten wohl weiter gemacht, hätte nicht John Belushi den Beistand des Herrn verloren und sich 1982 am Ende einer langen Drogensucht mit Kokain und Heroin selbst umgebracht. Er wurde nur 33 Jahre alt.

Anzug und Sonnenbrille macht nicht automatisch cool

Es gibt leichtere Rollen, als die, sie sich Brad Henshaw selbst gegeben hat. Der Regisseur der Musikshow, mit der er jetzt auf Tournee durch Deutschland geht, spielt Jake Blues. Optisch kommt er Belushis Paraderolle nah, die Koteletten, das etwas dickporige Gesicht und ein schnell verschwitztes Hemd. Aber besonders in der ersten Hälfte der zweistündigen Show hat Henshaw trotz Purzelbäumen, wildem Tanz und einer Joe-Cocker-Imitation (Belushi war ein großartiger Cocker-Parodist) kaum Wirkung auf das Publikum. Auch Daniel Fletcher als Mundharmonika spielender Elwood Blues hat es zu Beginn schwer. Wer sich mit Anzug und Sonnenbrille auf die Bühne stellt, der ist nicht automatisch cool.

Neben den Hits der Blues Brothers spielt die Band mit dem stimmgewaltigen Sängerinnentrio The Bluesettes auch andere Stücke des Films, „Respect“ von Aretha Franklin etwa oder „Minnie the Moocher“ von Cab Calloway. An ein, zwei Stellen wäre eine etwas deutlichere Handlung eine gute Idee gewesen. Denn wer den Film nicht vor Augen hat, der versteht einiges kaum, etwa den Auftritt des Reverends mit dem Dollarzeichen als Gürtelschnalle oder das heruntergelassene Gitter, das für den Auftritt bei den Bierflaschen werfenden Countryfans steht.

In der zweiten Hälfte nimmt die Show Fahrt auf. Die Männer in den Anzügen sind jetzt mit mehr Körperspannung unterwegs. Es ist jetzt eine richtig gute Show, was nicht nur an den großartigen Songs wie „Soul Man“, „Sweet Home Chicago“ oder „Jailhouse Rock“ liegt. Jetzt sind auch die Zuschauer dabei, endlich, tanzend und zufrieden, dass der Kultfilm von vielen auch auf der Bühne funktioniert.

Auf John Belushis Grabstein steht „I may be gone, but Rock and Roll lives on“. Ob er die Show für Rock ‘n’ Roll gehalten hätte? In jedem Fall schön, dass man so an ihn denkt.

■ Vom 13. bis 18. Januar ist die Show „Shadowland“ im Theater am Aegi zu sehen.

Gerd Schild

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