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die Show!
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die Show!
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09:09 09.02.2015
Von Uwe Janssen
Die Show ist sein Ding: Lionel Richie in der Tui-Arena. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Einfach dastehen, fester Blick ins 
Publikum, die Arme ausgebreitet. Sekunden, noch mehr Sekunden, regungslos. Diese Geste, die gleichzeitig Heldenpose und Einladung ist. Muss man sich erst mal trauen, und wenn 
man das tut, ist die Gefahr, dass es albern aussieht, immer noch ziemlich hoch.

Seine größten Erfolge sind zwar schon ein paar Tage her, doch die Tui-Arena füllte Lionel Richie noch problemlos.  Vor einem tobenden Publikum präsentierte der Soulsänger seine Hits der „All the Hits All Night Long“-Tour.

Es sei denn, man hat die Show so aufgesogen wie Lionel Richie. Und so steht er da und genießt es. Die Leute in der gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Tui-Arena rasten gepflegt aus, so stilvoll, wie ein mitgealtertes Lionel-Richie-Publikum eben ausrastet. Irgendwann bewegt der 65-Jährige leicht die Finger an den Enden seiner Arme, es heißt: bisschen mehr noch, bitte! Kein Problem, Hannover ist in höchster Amüsierbereitschaft. Es ist immer wieder bewundernswert, mit welcher lässigen Selbstverständlichkeit Richie seinen Job da vorn macht. Seit einem knappen halben Jahrhundert.

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Altenteil? Ach wo! Heute gibt’s alle Hits, und zwar „All Night Long“, verspricht er. Mit „Penny Lover“ und dem unverwüstlichen „Easy“ aus der Zeit mit seiner Band Commodores macht er schon zu Beginn ernst. Hits zu früh verschießen kann er nicht, er hat zu viele dafür. „Ballerina Girl“, mal eine Ballade aus alter Zeit, als Saxofone noch Melodien von Popsongs führten, ohne gleich mit TV-Männermagazinen verbandelt zu werden.

„Running with the Night“, der nächste Richie-Schlager. Für solchen Konsens-Pop ist das Formatradio quasi erfunden worden. Aber man darf nicht vergessen, dass Richie Mitte der Achtziger hierzulande auf Augenhöhe mit Michael Jackson war, superstarmäßig. Damals trug er auf Plattencovern weite Sweatshirts, weiße Socken und einen gut gepflegten Pornoschrubber unter der Nase und wurde trotzdem nicht von der Geschmacks­polizei verhaftet. Modisch hat er gelernt, der Schnäuzer ist immer noch oder vielmehr wieder da, ein paar Poserketten hängen um seinen Hals. Ein bisschen Siebziger und Achtziger ist wohl einfach in ihm festgewachsen.

„Als ihr jung wart“, sagt er, „war ich jung. Als ihr älter wurdet“ – kleine Pause – , „war ich immer noch jung.“ Angeber. Übel nehmen kann man ihm freilich nichts. Netter Angeber.
Aber: Es ist auch Publikum nachgewachsen. Diesen Fans, so sagt er, wolle er exemplarisch an einigen alten Songs mal erklären, wie das damals war und worum es dabei eigentlich geht. Und so hangelt er eine augenzwinkernde Geschichte um Liebe und Leid entlang an Songs wie „Lady“ und „Stuck on you“, die er selbst am Piano begleitet.

Seine markante, spitze Soulstimme hat nicht gelitten. Obwohl er mindestens so viel redet im Konzert wie singt. Er ist sein eigener Moderator, er könnte vermutlich aus dem Stand die Grammy-Verleihung moderieren, die in ein paar Stunden in seiner Heimat anhebt. Aber er ist in Hannover, im „Brick House“ Tui-Arena, in der der alte Funkkracher die Leute prächtig in Bewegung hält. Die Intensität ist hoch, der Anspruch ganz einfach: Spaß soll es machen. Hier stimmt es: Hat der Sänger Spaß, haben alle Spaß. Mitte des Konzerts sitzt kaum noch einer.
Als es dann wieder leise wird, und er das wunderschöne alte „Three Times a Lady“ in den Saal schickt, hat so mancher ein Tränchen im Auge. Großer Moment, langer, frenetischer Applaus.

„Ich glaube, ihr mögt die Commodores-Songs“, sagt er. Sie mögen eigentlich alles. Sogar singen. „9000 Diana Rosses“ navigiert er souverän durch den Text von „Endless Love“. Da ist sie wieder, dieses Muttermilch-Showtalent, das ihn und das Publikum auch durch manche späte Schlagersenke wie „Angel“ führt. Weiter geht’s. Gefühlt „All Night Long“ – und zum Ende mit „All Night Long“.

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