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Kultur Der Posaunenflüsterer
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19:03 04.12.2013
Von Stefan Arndt
„Ganz zart“: Jonas Bylund. Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Hannover

Ein bisschen gefährlich klingt es ja schon. „Das größte Posaunenkonzert seit Jericho“ soll in der kommenden Woche die hannoversche Musikhochschule erbeben lassen. Aber Professor Jonas Bylund sorgt sich nicht um das denkmalgeschützte Beton im Gebäude am Emmichplatz. „Vor zehn Jahren haben wir schon einmal etwas Ähnliches gemacht“, sagt er, „da haben die Mauern auch gehalten.“

Seit knapp 20 Jahren unterrichtet Bylund in Hannover. In dieser Zeit hat sich die Hochschule, die zuvor vor allem für Pianisten und angehende Musiklehrer interessant war, zu einer Hochburg für Blechbläser entwickelt. Seine ehemaligen Schüler sitzen inzwischen in den großen Orchestern der Welt - und ihre Nachfolger kommen aus aller Herren Länder: Für angehende Posaunisten ist Hannover heute eine der besten Adressen in ganz Europa.

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Vor ein paar Wochen ist Bylund 50 geworden. Für den Schweden, der noch immer Woche für Woche zwischen Stockholm und Hannover pendelt, ist das ein Anlass, Zwischenbilanz zu ziehen: Für einen gemeinsamen Auftritt hat er seine alten Schüler noch einmal in die Hochschule gebeten. 40 Posaunisten sind so zusammengekommen. „Mit denen kann man schon eine Menge Lärm machen“, sagt Bylund. Es gebe aber auch „ganz zarte“ Stücke im Programm.

Mit von der Partie ist der amerikanische Komponist („Erwin, das Naturtalent“) und Posaunist Mike Swoboda. Für Bylund ist Swoboda ein interessanter Musiker, weil er mehr macht, als Posaunisten normalerweise tun: in der letzten Reihe eines Orchesters sitzen und Pausentakte zählen. „Das Bild des klassischen Posaunisten hat sich in den vergangenen Jahren verändert“, sagt der Schwede, „ihr Horizont hat sich stark erweitert.“

Er selbst hat als Professor dazu entscheidend beigetragen. Bylund gehört zu einem Kreis skandinavischer Blechbläser, die für ihre Instrumente neue Wege eröffnet haben. Hat seine Herkunft also etwas mit seinem Erfolg als Musiker zu tun? „Es ist ja nicht so, dass man das mit der schwedischen Muttermilch mitbekommt“, sagt er. „Eine Kleinigkeit“ gebe es aber doch: „In Schweden haben wir nicht viele Orchester“, sagt er. „Man studiert bei uns nicht in erster Linie, um dort eine Stelle zu bekommen, sondern um ein möglichst universeller Instrumentalist zu werden.“ In Deutschland dagegen gebe es „an jeder Ecke“ ein Orchester. „Die besten Leute bekommen dort also auf jeden Fall eine Stelle - sie brauchen sich nicht zu beeilen.“

Wer bei Bylund studiert, beschäftigt sich daher nicht ausschließlich mit den besonders schwierigen Passagen im Orchesterrepertoire, die man beherrschen muss, um ein Vorspiel für einen Job zu gewinnen. Vielmehr geht es darum, die weniger naheliegenden Möglichkeiten des Instrumentes auszuloten - in der Alten Musik hat die Posaune eine ganz andere, bedeutendere Rolle gespielt als in der Klassik oder Romantik. Und bei den Komponisten der Neuen Musik ist sie wieder sehr gefragt. „Das muss man alles zumindest einmal gespielt haben“, meint der Professor.

Relativ neu ist die Rolle des Instrumentes in der Kammermusik. In der Geschichte des Deutschen Musikwettbewerbs, der gerade diese Gattung fördert, haben bislang erst zweimal Posaunenensembles gewonnen - beide kamen von Bylund aus Hannover. „Ein Pianist, ein Geiger oder ein Sänger ist immer gefragt“, sagt er. „Wir dagegen müssen einem Veranstalter erst erklären, warum er ein Posaunen- statt ein Streichquartett engagieren soll.“ Der Erfolg seiner Studenten beweist, dass ihre Argumente immer besser werden.

Studenten und Ehemalige der Posaunenklasse Jonas Bylund spielen am 13. Dezember, 19.30 Uhr, im Richard-Jakoby-Saal der Musikhochschule Hannover. Der Eintritt ist frei.

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