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Kultur Kosuge spielt mit der Radiophilharmonie in Hannover
Nachrichten Kultur Kosuge spielt mit der Radiophilharmonie in Hannover
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23:16 24.02.2010
Die in Hannover aufgewachsene Pianistin Yu Kosuge. Quelle: Uwe_Dillenberg

Man merkt es am Lachen von Yu Kosuge, daran, dass die Sätze in diesen Momenten nur so aus ihr herauspurzeln. Die Freude der jungen Pianistin, im Großen NDR-Sendesaal in Hannover aufzutreten, ist echt. „Ich wollte immer schon einmal in der Radiophilharmonie spielen“, sagt die 26-Jährige: „Wie oft bin ich als Kind hier im Konzert gewesen! Jetzt spiele ich selbst. Es ist ein Traum!“

Neun Jahre alt war Yu Kosuge, als sie aus Tokio nach Hannover kam. Der hannoversche Musikhochschulprofessor Karl-Heinz Kämmerling war bei einem Konzert in Köln auf sie aufmerksam geworden und hatte sie eingeladen, bei ihm in Hannover zu studieren. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ machte später eine Geschichte über das japanische Wunderkind in der niedersächsischen Landeshauptstadt, das mit drei Jahren seinen ersten Klavierunterricht bekam, mit vier Jahren eine Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule in Tokio bestand und mit zwölf Jahren schon mit Orchestern wie dem Tokio New City-Orchestra gespielt hatte. Nur die Mutter war nach Deutschland mitgekommen. Der Vater, ein Grafikdesigner, war in Tokio geblieben. Viermal im Jahr sah die Familie sich. Trotz all der Mühen um die bestmögliche Ausbildung: In eine Karriere als Musikerin zwingen wollte Yu Kosuges Mutter ihre Tochter nicht: „Yu kann Pianistin werden“, sagte sie damals dieser Zeitung, „aber sie muss es nicht.“

Doch sie wollte – und sie schaffte es auch, die Musik zu ihrem Beruf zu machen. 14 Jahre später sitzt die Pianistin am Abend vor der ersten Probe für Mozarts Klavierkonzert KV 595 mit der Radiophilharmonie unter Eiji Oue im Hotel Mercure gegenüber dem hannoverschen Rathaus und erinnert sich. An jenen Abend, als sie unbedingt zu Alfred Brendel in die Radiophilharmonie wollte, keine Karte hatte, sich ein Schild mit einem Kartengesuch bastelte, überall – selbst draußen auf dem Parkplatz – nachfragte und am Ende tatsächlich unter den glücklichen Zuhörern war.

Die ehemalige Schülerin des Kaiser-Wilhelm-Ratsgymnasiums im hannoverschen Zooviertel amüsiert sich heute noch über jenen Szene, als sie nach einem langen Übungstag in die Oper ging, fest entschlossen, die Mathematikhausaufgaben in der Pause zu machen – und prompt auf ihren Mathematiklehrer stieß. Das erste Jahr in Hannover sei ein Kulturschock gewesen, sagt Yu Kosuge. In Japan gebe es für alles genaue Regeln, in Deutschland nicht. In ihrer früheren Heimat stehe man auf, bevor man mit dem Lehrer rede, und man bleibe stehen, während man spreche: „In Hannover habe ich das anfangs auch gemacht.“

Ganz natürlich, ohne Starallüren spricht die junge Frau über sich. Dabei kann sie auf eine eindrucksvolle Karriere zurückblicken. Ohne an großen Wettbewerben teilzunehmen, allein durch regelmäßiges Konzertieren seit Kindheitstagen und durch ihre früh veröffentlichten Aufnahmen bringt sie es 2003 zu einem Exklusivvertrag mit Sony. Sie lebt heute in Hannover und Salzburg, konzertiert überall auf der Welt, Klassikgrößen wie der Pianist András Schiff und der Dirigent Seiji Ozawa gehören zu ihren Förderern. Kritiker feiern sie als „Vertreterin einer Generation asiatischer Pianisten, die die westliche Spielkultur verinnerlicht hat“. In Japan ist sie ein Star: Mit Aufnahmen mit Werken von Liszt, Schubert, Rachmaninov oder Mozart stand sie wochenlang auf Platz 1 der japanischen Klassik-Charts.

Aber davon spricht sie nicht. Auch die im PR-Rummel der Klassikwelt so häufigen Geschichten vom Konzert, das ihr den „Durchbruch“ brachte, hat sie nicht parat. „Ich habe mich ganz kontinuierlich weiterentwickelt“, sagt sie bescheiden. Stattdessen denkt sie über die Zukunft der klassischen Musik nach. Wenn man sich dieses Pianistenheer anschaue, das Wettbewerbe bestreite, habe man fast das Gefühl pianistischer Massenproduktion, sagt sie ernst. Der Klassikmarkt werde so sehr von Äußerlichkeiten bestimmt. Das Aussehen der Musiker, ihr Image, werde fast schon höher bewertet als die Qualität ihres Spiels.

Fast mehr zu sich selbst als zu ihrem Gegenüber spricht sie, wenn sie erzählt, dass sie fest daran glaubt, dass man mit klassischer Musik Menschen berühren kann – auch heute noch – und dass sie das möchte. Und was ist ihr größter Wunsch für die Zukunft? „Ich wollte als Kind immer Astronautin werden. Ich würde gerne einmal ein Konzert auf dem Mond geben“, sagt sie und lächelt. Das klingt wie eine idealistische, träumerische Umschreibung dafür, dass eine junge Frau nach den Sternen greifen will. Man wünscht ihr, dass es gelingt.

Für die Konzerte von Yu Kosuge mit der Radiophilharmonie am Donnerstag und Freitag um 20 Uhr gibt es Restkarten unter Telefon (05 11) 9 88 29 99.

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