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Kultur Krimiautor James Ellroy zu Gast in Hannover
Nachrichten Kultur Krimiautor James Ellroy zu Gast in Hannover
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19:41 19.03.2015
Von Rainer Wagner
Der Krimiautor James Ellroy verrät, wen er überhaupt nicht mag. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Er ist der Größte. Und er hat den dicksten Krimi der Saison vorgelegt. Die Selbsteinschätzung liefert James Ellroy, den zweiten Superlativ darf man getrost in den Raum stellen, weil er mit den 952 Seiten seines aktuellen Romans „Perfidia“ selbst notorische Langschreiber wie Elizabeth George in den Schatten stellt.

Wie es nun mit der Größe und der Bedeutung genauer bestellt ist, wollten erfreulich viele Buchfreunde im Literarischen Salon erfahren, wo der Krimistar jetzt im kleinen „Buch.Film.Fest: allons!“ auftrat.

Wenn man genauer hinsieht, kommt schließlich manche Gewissheit ins Wanken. So macht sich der hochgewachsene Kahlkopf beim Auftritt zumindest körperlich etwas kleiner - oder ist das seinem Alter zuzuschreiben? Er ist gerade 67 Jahre alt geworden. Schwingt da vielleicht etwas Selbstironie mit, wenn er „der größte amerikanische Romancier“ sein will? In Köln hat er sich vor einigen Tagen als der „Beethoven Amerikas“ bezeichnet. Und Beethoven ist für ihn der Größte. Noch vor Bruckner, der „so groß und leidenschaftlich ist, weil er nie Sex hatte“, wie Ellroy jetzt in Hannover erklärt.

Moderator Max Dax eröffnet das Gespräch mit einem etwas exaltierten „Als ich kürzlich auch mal in Los Angeles war ...“ und zitiert Ellroys Erläuterung, er schreibe Romane für die ganze Scheißfamilie, falls man zur Manson-Family gehört. Aber das mag Ellroy nicht schon wieder hören. Wie er denn auch laut knurrt (auf das Stichwort Polizeistaat L.A.), und ein deutliches „Schnarch“ ins Mikrofon röhrt als Reaktion auf die Frage nach seinen Lieblingsfilmen. Aber die Frage muss sein, schließlich sind wir in einem Festival, das die Verbindung von Film und Buch untersuchen will. Ja, er sieht Film-Noir-Klassiker, aber nur am Feierabend und nicht als Anregung. Wir erfahren, dass der Kinoklassiker „Citizen Kane“ für ihn „Bullshit“ ist. Wichtig sei ihm das Geld für die Filmrechte, denn „Geld ist ein Geschenk, das niemand zurückweist“. Und im Übrigen gelte: „Filme sind nicht so tief wie Bücher.“

Tief zurück in die neuere amerikanische Geschichte geht „Perfidia“ - und auch zurück in die Historie des Kriminalromans. „Perfidia“ soll den Auftakt zu einem neuen, zweiten „L.A.-Quartett“ markieren, das ein umfangreiches Vorwort zu Ellroys legendärem ersten „L.A.-Quartett“ werden soll, das mit der „Schwarzen Dalie“ beginnt und mit „White Jazz“ endet. Dort scheitert der Polizist Dudley Smith, der in „Perfidia“ und auch an diesem Abend seinen Auftritt hat.

James Ellroy ist ein glänzender Vorleser mit einer prägnanten Bassbariton-Stimme, mit der er auch den Glenn-Miller-Song „Perfidia“ anstimmt. Die deutschen Ausschnitte liest mit angenehmer Intonation der kurzfristig eingesprungene Schauspieler und Synchronsprecher Tom Vogt. Die Original-Zeilen transportiert Dolmetscher Bernd Leinenbach per Kopfhörer ins Deutsche; er tritt damit in einen Livewettstreit mit der gedruckten Übersetzung - und schlägt sich dabei wacker.

Bei einem Roman, der „23 Tage in einen historischen Spiegel blickt“ (so Ellroys Arbeitsbeschreibung), können diese Ausrisse nur Appetithappen sein. Es geht um den Angriff auf Pearl Harbour und die Folgen vor allem für die japanisch-amerikanische Bevölkerung, die im L.A.-Polzeijargon immer nur „Scheiß Japse“ genannt werden. Das Quartett der Helden ist plastisch, pittrosek bis bizarr. Und der reale Polizeichef hat den Spitznamen „Zwei-Knarren“-Davis.

Das ist geschrieben, wie man Holz hackt. Und zwar sehr präzise hackt. „Die Story bestimmt den Stil“, sagt Ellroy. Er sieht sich als Historienschreiber. James Ellroy erklärt kurz und bündig, wen und was er nicht leiden kann: die Autoren Bukowski und Burroughs, Alkoholismus, Drogenmissbrauch und Rock ‘n’ Roll.

Wir erfahren außerdem, dass er mit Hand auf Papier schreibt, dass er keine Ironie und keinen Nihilismus mag, sondern Großes. Und seine Motivbeschreibung für die Arbeit gefällt ihm so, dass er sie gleich zweimal proklamiert: Er sei zu faul zum Arbeiten, zu nervös zum Stehlen und zu stolz, Sozialhilfe zu beantragen. Letzteres hat er auch längst nicht mehr nötig.

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