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Kultur Spießer trifft Proll in „Nicht mein Tag“
Nachrichten Kultur Spießer trifft Proll in „Nicht mein Tag“
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15:17 15.01.2014
Spießer trifft Proll: Axel Stein (links) und Moritz Bleibtreu in „Nicht mein Tag“. Quelle: Sony Pictures
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Hamburg

Die ein oder andere Konstante im Leben gibt Sicherheit, bringt aber leider auch manchmal zermürbende Langeweile mit sich – sichere Bank hin oder her. Till Reiners (Axel Stein) Leben ist genau so: Er hat sich mit seinem Alltag als Bankangestellter, Vater eines kleines Sohnes, Ehemann und Neubaubesitzer abgefunden. Doch dann tritt Nappo (Moritz Bleibtreu) in sein Leben, ein Kleinganove, der ihn erst zur Geisel, dann zum Komplizen und schließlich zum Kriminellen macht. Peter Thorwarth hat den Roman „Nicht mein Tag“ von „Stromberg“-Autor Ralf Husmann verfilmt.

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Till verströmt Langeweile, wie er da an seinem Bankberaterschreibtisch sitzt: randlose Brille, ordentlicher Kurzhaarschnitt, dunkler Anzug. Die Jubiläumsfeier für den Kollegen, bei der alle ein Papphütchen auf dem Kopf haben, passt in diese Spießigkeit. Immerhin das künstlerische Chaos im Neubaueigenheim sticht da zumindest in Ansätzen heraus. Tills Frau Miriam (Anna Maria Mühe) versucht sich als Handtaschendesignerin.

Als eines Tages der Exknacki Nappo in der Bank auftaucht und ohne jegliche Sicherheiten um einen Kedit für einen Oldtimer bittet, ahnt Till noch nicht, dass dieser Typ sein Leben verändern wird. Denn natürlich bekommt Nappo keinen Kredit und kommt stattdessen wenig später als maskierter Bankräuber zurück. Während die Kollegen schon auf dem Boden liegen, erhält Till noch von Miriam die Anweisung, am Abend eine Gurke mitzubringen – eine der seltenen komischen Szenen. Wenig später stellt er sich schützend vor seine Kollegin und wird kurzerhand zur Geisel, die Nappo im eigenen Auto zur Flucht verhilft.

Mit dem sauberen Spießer und dem volltätowierten Proll prallen natürlich Gegensätze aufeinander, zwei Menschen ohne jegliche Sympathie für den jeweils anderen. Till soll ein Kaninchen erlegen, damit sie etwas zu essen haben und auch die Zubereitung übernehmen. Er ist schließlich der Luschi, der unter dem Pantoffel der Frau steht. Die übrigens ärgert sich zwar über das Nichterscheinen ihres Mannes, sorgt sich aber nicht weiter. Die Nachrichten über den brutalen Banküberfall sind an ihr vorbeigegangen. Und als Till sie irgendwann anrufen darf, hört sie kaum zu und legt wenig später auch schon auf. Eheroutine eben.

Mit „Nicht mein Tag“ hat Regisseur Peter Thorwarth den gleichnamigen Roman von „Stromberg“-Autor Ralf Husmann als derbe Actionkomödie adaptiert. Moritz Bleibtreu gibt den Proll, Axel Stein den Spießer. Der Film startet am 16. Januar im Kino.

Natürlich wird Till lockerer und beginnt seinen Ausbruch zu genießen. Nappo respektiert ihn zwar noch immer nicht, nimmt die juristischen Ratschläge, die er ihm bei einem Autokauf von dem dubiosen Langen (Ralf Richter) gibt, aber gern an. Und irgendwie stecken sie plötzlich gemeinsam in einer ganz anderen Geschichte mit drei Schwerverbrechern in Amsterdam – und Till blüht auf. Nicht nur das. Völlig unbeirrt bringt er die Ganoven um eine Menge Geld. Ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen.

Es verwundert wenig, dass Peter Thorwarth die Geschichte als derbe Actionkomödie, angesiedelt irgendwo im Ruhrpott, anlegt. Sein Kinodebüt und Auftakt der Unna-Trilogie, „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“ (1999), hat schließlich inzwischen Kultstatus erreicht. Mit Ralf Husmann verfilmt er nun das Werk eines Mannes, der mit der „Stromberg“-TV-Produktion ebenfalls Kult geschaffen hat, und Moritz Bleibtreu stellt nicht zum ersten Mal unter Beweis, dass er hervorragend den dumpfen Proll verkörpern kann. Sichere Bank eben, die aber geht nicht auf.

Denn Thorwarth setzt auf die Konstanten in der deutschen Komödienlandschaft und tappt in genau die Falle, in die sein Held nicht tappt. Till erfindet sich neu, weiß seine Konstanten wieder zu schätzen und startet mit Altbewährtem neu. Das macht zwar weder die Geschichte noch den Film besser. Doch die Erkenntnis hätte auch Thorwarth gut getan.

dpa

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