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Kultur Stresstest über den Wolken für Liam Neeson
Nachrichten Kultur Stresstest über den Wolken für Liam Neeson
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17:26 15.03.2014
Foto: Jagt einen Unsichtbaren: Air Marshal Bill Marks (Liam Neeson).
Jagt einen Unsichtbaren: Air Marshal Bill Marks (Liam Neeson). Quelle: StudioCanal
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Berlin

Dem 1,93 Meter großen, irischen Hünen und ehemaligen Preisboxer nimmt man den schlagkräftigen Helden tatsächlich immer noch ab. Sein Pfund ist nicht die antrainierte Muskelmasse, sondern das Charisma der Erfahrung. Mag sein, dass Neesons kraftvolle Aura in Digitalspektakeln wie „Kampf der Titanen“, wo er immerhin als bärtiger Zeus dem Olymp vorsteht, nicht zur Geltung kommt. Aber in geradlinigen Actionfilmen wie „96 Hours“ oder „Unknown Identity“ ist er ein zuverlässiger Mann der Tat, der sich in jeder Situation zu helfen weiß und dem eigenen moralischen Kompass kompromisslos folgt.

An diese Rollenbesetzung knüpft Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ an, indem er die Verlässlichkeit seines Helden zunächst einmal in Zweifel zieht. Auf dem Parkplatz vor dem Flughafen schenkt sich der New Yorker Ex-Polizist Bill Marks zum Frühstück Scotch in den Kaffeebecher ein, bevor er sich zum Abfertigungsschalter schleppt. Der Mann ist ein Wrack und muss beim Start gegen seine Flugangst ankämpfen.

Dabei ist er nicht als normaler Passagier an Bord, sondern in seiner Eigenschaft als U.S. Federal Air Marshal. Kaum sind die Anschnallzeichen erloschen, empfängt er über ein gesichertes Netzwerk Textnachrichten: Ein anonymer Schreiber droht damit, alle 20 Minuten einen Passagier zu töten, sollten nicht umgehend 150 Millionen Dollar auf seinem Schweizer Bankkonto eingehen.

12.000 Meter über dem Meeresspiegel gilt es nun, unter den 200 Reisenden den Täter ausfindig zu machen. Erschwerend kommt hinzu, dass das angegebene Konto auf Marks Namen läuft und der Air Marshal selbst in den Verdacht terroristischer Erpressung gerät.

Erst im fortgeschrittenen Alter ist Liam Neeson ins Actionfach gewechselt. Während Genre-Veteranen wie Sylvester Stallone und Bruce Willis sich auf das selbstironische Vorruhestandsheldentum zurückziehen, legt Neeson mit über sechzig noch mal richtig los.

Im klaustrophobischen Setting eines Transatlantikfluges entwirft Collet-Serra einen wendungsreichen Plot, der keinesfalls lückenlos schlüssig ist, aber mit der notwendigen Dynamik vorangetrieben wird. Hier mischt sich das klassische Motiv der Tätersuche auf engstem Raum à la „Mord im Orient-Express“ mit den Flugangst-Fantasien der Post-Nine-Eleven-Ära. Schließlich muss Marks nicht nur nach dem gewieften Terroristen suchen, sondern auch um seine Glaubwürdigkeit gegenüber Besatzung und Passagieren kämpfen.

Wie ein angeschossenes Tier streift Neeson in der Rolle des strauchelnden Air Marshals durch die Gänge, der im Stresstest über den Wolken seinen Ordnungshüter-Instinkt mobilisieren muss. Und auch das nimmt man ihm ab, weil hier das Handwerk des Charakterdarstellers durchscheint, der Neeson immer noch ist, auch wenn er sich für das schnelle Geld im Actionfach entschieden hat. Als spannender Flugzeug-Thriller, der immer wieder ein neues Kaninchen aus dem Hut zaubert und seinen angeschlagenen Helden auf eine harten Hindernis-Parcours aufbaut, funktioniert „Non-Stop“ bestens – auch wenn die hanebüchene Auflösung dem Publikum einiges abverlangt.

Flugangst motiviert: Kurvenreicher Thriller mit hanebüchenem Finale. Der Film läuft seit dem 13. März im Kino.

Von Martin Schwickert

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