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Kultur Kritiker, Maler, Frauenfreund: William Copley
Nachrichten Kultur Kritiker, Maler, Frauenfreund: William Copley
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08:06 19.11.2012
Von Simon Benne
Sinnliches Versprechen: Oft malte Copley Frauen – wie in „Herself an Exile“ von 1948. Quelle: William Copley
Hannover

Mit dieser Ausstellung kehrt William Copley (1919-1996) zurück an den Ort eines seiner größten Triumphe. Die Retrospektive, die ihm Carl Haenlein 1995 in der hannoverschen Warmbüchenstraße ausrichtete, gehört zu den besten Ausstellungen, die der Maler in seinem Leben hatte. Nun zeigt die Stiftung Ahlers Pro Arte dort in Zusammenarbeit mit dem Museum Frieder Burda in Baden-Baden und dem Max-Ernst-Museum in Brühl wieder Werke des amerikanischen Autodidakten. Und was man dort zu sehen bekommt ist auch jetzt wieder fabelhaft: ein Rückblick auf mehr als vierzig Jahre Copley mit vielen Zeichnungen und Gemälden, die bei der ersten Ausstellung noch nicht zu sehen waren.

Copleys Kunst ist im Wesentlichen autobiografisch grundiert und nicht weniger märchenhaft als sein Leben. Copley, das Findelkind, wird von einem schwerreichen amerikanischen Pressemagnaten adoptiert und erlernt das Handwerk des Journalisten. Im Krieg kämpft er in den Reihen der Alliierten gegen Hitler. Eine traumatische Erfahrung, aus der ihm die Kunst der Surrealisten heraushilft. Zusammen mit seinem Schwager beschließt er, sie in den USA bekannt zu machen. Sie gründen 1948 eine Galerie in Beverly Hills, wo sie Max Ernst, Man Ray, Duchamp, Picabia und Magritte ausstellen.

Keiner im reichen Hollywood hat Lust auf die Bilder der Künstler - außer Copley. Da er ihnen, die heute zu den bedeutendsten Meistern des 20. Jahrhunderts zählen, eine Ankaufgarantie gegeben hat, erwirbt er selbst ihre Werke. Mit großem Geschmack trägt er eine Sammlung surrealistischer Kunst zusammen, wie es sie in dieser Qualität bis jetzt nicht noch einmal gegeben hat. 1979 lässt er sie für sechs Millionen Dollar versteigern, um seine dritte Scheidung zu finanzieren. Heute kostet schon ein mittelmäßiges Bild von Gerhard Richter so viel, dass diese Summe nach Peanuts klingt. Doch bis dahin war so viel noch nie für eine Sammlung moderner Kunst gezahlt worden.

Zu der Zeit ist Copley längst selbst als Künstler tätig. In seiner Galerie hat er, mangels Kundschaft und immer die Werke seiner Künstler vor Augen, selbst angefangen zu malen. Sein Stil ist naiv, direkt und völlig unakademisch. Kindlich im Zugriff und erwachsen in der Thematik. Seine Künstler lieben die Bilder, ermutigen ihn weiterzumachen und kaufen sie ihm ab. Der sechsmal verheiratete Copley malt, was ihm im Leben neben der Kunst das Wichtigste ist: Frauen. In seinen Bildern erscheinen sie so ambivalent wie die Erfahrungen, die er mit ihnen macht. Sie sind für ihn Traum und Albtraum zugleich.

Am liebsten malt er sie als großes sinnliches und sexuelles Versprechen. Mit üppigen Brüsten, schmalen Taillen und breiten Hüften. Doch oft genug wird er in seinen Bildern von ihnen nicht so sanft geliebt und gewiegt wie in „Roman Charity“ (1994), sondern muss kämpfen und sich wehren. In „Dance of the Hours“ (1990) tanzen seine Lady und er miteinander, als würden sie sich duellieren. In „West“ (1974) tritt er zum Showdown gegen ein blondes Gift an. Nackt zielen beide mit Revolvern aufeinander. Copley trägt einzig einen Hut auf dem Kopf. Er erinnert ein wenig an den von ihm geliebten Tramp in den Filmen Charlie Chaplins, auch er Überlebenskünstler.

Sein zweites großes Thema sind seine Hommagen an die von ihm bewunderten Kollegen. In einem Gemälde, welches das weltberühmte Urinal von Marcel Duchamp zeigt, indes Man Ray gewidmet ist, zollt er gleich zweien seiner besten Künstlerfreunde Tribut. Von Picabias Bild „La nuit espagnole“ (1922), das er damals in seinem Besitz hat, malt er Paraphrasen. Die dort dargestellte Verklammerung von Mann und Frau vor dem Hintergrund einer Stierkampfmetapher musste ihm einfach gefallen. Und auch Andy Warhol, den er in den Sechzigern schätzen lernte, erweist er die Ehre. Aus seinem „Electric Chair“ (1970), einem einfachen Holzstuhl à la van Gogh, wächst ein Elektrokabel, und dies stiftet Verbindung nicht nur zwischen zwei Malern, die William Copley verehrte, sondern auch zwischen zwei Kontinenten, die er geliebt hatte.

Bis zum 1. April in der Warmbüchenstraße 16 in Hannover. Informationen unter (0511) 51949741.

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