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Kultur Kubus stellt Bilder Gerhard Wendlands aus
Nachrichten Kultur Kubus stellt Bilder Gerhard Wendlands aus
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13:42 16.11.2010
„Biologisches Gefüge" von Gerhard Wendland, 1956. Zu sehen in der Städtischen Galerie Kubus in Hannover.
„Biologisches Gefüge", 1956. Quelle: Gerhard Wendland
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Mit dem gleichnamigen Schlagersänger hat der Maler Gerhard Wendland wirklich nichts zu tun. Während jener in den fünfziger Jahren in seiner Musik kitschig und klischeehaft die rote Sonne im Meer vor Capri versinken lässt, malt der 1910 in Hannover geborene Künstler in dieser Zeit abstrakte und ausdrucksstarke Bilder, die ihm auf Empfehlung von Werner Schmalenbach, dem damaligen Direktor der Kestnergesellschaft, eine Einladung zur documenta 2 nach Kassel einbringen. Eines der Werke, die er dort 1959 zeigt, ist jetzt in der Städtischen Galerie Kubus zu sehen.

Unter dem Titel „Es war einmal“ setzt sich das farbenprächtige Gemälde zu einem erzählenden Mosaik von abstrakter Zeichenhaftigkeit zusammen. Die Motive erinnern an Sonne, Mond und Sterne, aber auch an Masken und Menschen, Landschaften und Häuser. Das offene Oszillieren des Bildes zwischen abstrakter Form und gegenständlicher Anmutung ist von hohem poetischem Reiz. Und das Überbordende seines Form- und Farbenspiels rechtfertigt das Urteil der Kunstkritiker, die in Wendland einen „barocken Klee“ gesehen haben.

Dass Klee nur eine der Rollen war, in die Wendland im Laufe seines langen Künstlerlebens schlüpfte, demonstriert die Ausstellung, die in der Galerie vom Zufall und vom Glück eine gelungene Fortsetzung findet und keine Schaffensperiode in seinem Werk auslässt. Realisiert wurde die für Hannover modifizierte und durch eine Privatsammlung ergänzte Schau zum 100. Geburtstag des Malers von der Kunstvilla und dem Neuen Museum in Nürnberg. Jener Stadt, die Wendland 1960 zum Lehrer an ihre Akademie berief und in deren Nähe er 1986 starb.

Die hannoversche Übersichtsausstellung beginnt im Kubus mit einem einfühlsamen Selbstporträt des Künstlers aus den dreißiger Jahren im sachlichen Stil und schreitet dann chronologisch fort. Mit dieser Malweise blieb er von den Nationalsozialisten unbehelligt. Nach dem Krieg wendet Gerhard Wendland sich dann kurzfristig einem stark an Picasso erinnernden Kubismus zu. Es folgen die märchenhaften Abstraktionen und eine an Naturformen orientierte, im Duktus an Miró erinnernde Malerei, für die das Gemälde „Biologisches Gefüge“ aus dem Jahr 1956 ein gutes ­Beispiel ist.

Danach unternimmt er Exkursionen in die Pop-Art und Op-Art und zu einer durch die Anthroposophie Rudolf Steiners beeinflussten Malweise. Alle Werke machen deutlich: Gerhard Wendland war in seiner Kunst kein wirklicher Erfinder, aber ein sehr talentierter Anverwandler. Vor allem war er ein guter Lehrer. Vor Nürnberg auch schon in Hannover an der Bismarck- und Werkkunstschule. Alle, die ihn in dieser Rolle erlebt haben, bestätigen das dankbar. Und auch ein schöner, kleiner Film bezeugt es eindringlich, der in der Zufallsgalerie im Rahmen der Ausstellung gezeigt wird. Sehenswert!

Bis zum 19. Dezember in der Städtischen Galerie Kubus.

Michael Stoeber

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