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Kultur Künstler Thomas Kinkade gestorben
Nachrichten Kultur Künstler Thomas Kinkade gestorben
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18:28 09.04.2012
Foto: Der amerikanische Künstler Thomas Kinkade ist im Alter von 54 Jahren gestorben.
Der amerikanische Künstler Thomas Kinkade ist im Alter von 54 Jahren gestorben.
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Los Gatos

Idylle pur und dann noch dick Sahne und Zuckerguss: So sieht die Welt des Thomas Kinkade aus. Cottages mit Strohdächern finden sich eingeschmiegt in pittoreske Gegenden, kleine Holzbrücken führen über Bäche mit Ufern, die von pastellfarbenen Blumen gesäumt sind. Im Herbst und Frühling explodiert die Vegetation in Farbfeuerwerken. Im Winter liegt Schnee als sanfte Wattedecke über der Welt, ein Kirchlein grüßt im Hintergrund, und aus Fenstern schnuckeliger Landhäuser glüht einladend warmer Lichtschein, das sprichwörtliche „Kinkade Glühen“ („Kinkade Glow“).

Der kalifornische Landschaftsmaler Thomas Kinkade gilt manchen als größter Künstler der USA. Andere erfasst beim Anblick der millionenfach vervielfältigten Kitschbilder das schiere Grausen. Kinkade bezeichnete sich selbst als meist gesammelter Künstler der Nation. Mit Reproduktionen seiner Heile-Welt-Bilder machte er ein Vermögen. Der Maler soll jährlich mit seinen Werken, die in Franchise-Galerien, in Shopping Malls, über Kabel-TV und online vertrieben wurden, 100 Millionen Dollar eingenommen haben. Wegen aggressiven Geschäftsgebarens war Kinkades Unternehmen wiederholt in die Kritik geraten.

Vom Kunst-Establishment verachtet traf der Maler den Gefühlsnerv einer breiten Mittelschicht. Seine zuckerwattesüßen Visionen vom Eigenheim im Grünen sollen in jedem 20. amerikanischen Haushalt hängen. Thomas Kinkade beschwor in gesättigten Pastelltönen ein verträumtes Stone-Cottage-Amerika, in dem es keine afrikanischstämmigen oder indigenen Nachbarn gibt, sondern höchstens mal Cinderella oder Schlumpfinchen zu Tee und Kuchen vorbeikommt.

Das herzerwärmende Glühen aus dem Inneren der Häuser sei nichts anderes als das Licht Jesu, pflegte der bekennende Christ zu sagen. Allerdings kann man bei genauerem Hinsehen den Eindruck gewinnen, die Traumhäuser stünden im Inneren in Flammen. Eine latente Abgründigkeit scheint sich hinter den süßen Fassaden zu verbergen. Kinkades Märchenhäuser seien womöglich „Fallen für Hänsel und Gretel“, bemerkte eine Kritikerin.

Der geschäftstüchtige Absolvent des Art Center College of Design in Pasadena ließ sich die Bezeichnung „Maler des Lichts“ als Markennamen schützen. Dabei gilt in der Kunstgeschichte eigentlich der Brite William Turner als „Maler des Lichts“. Seine Kritiker nannten Kinkade allerdings nicht „Painter of the Light“, sondern „Painter of the Right“. Kinkades patriotischer Stil war bestens vereinbar mit den Werten der konservativ-evangelikalen Rechten.

Jetzt ist der Künstler mit nur 54 Jahren in seinem Haus in Los Gatos, Kalifornien, gestorben - eines natürlichen Todes, wie seine Familie mitteilte. Seine Fans wünschten dem verstorbenen Maler via Twitter, er möge in einen Himmel im Kinkade-Stil eingehen.

Johanna Di Blasi

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