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Nachrichten Kultur Kulturhauptstadt: Es muss endlich Schwung in die Sache kommen
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00:15 20.03.2018
Die Skyline von Hannover.
Die Skyline von Hannover. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Hildesheim will ja auch Kulturhauptstadt werden. Vor ein paar Wochen hat das Theater für Niedersachsen, das dort beheimatet ist, seinen großen Saal für ein Ideenfindungsprogramm geöffnet. Die interessierten Bürger sollten sagen, was ihrer Meinung nach  bei einer Kulturhauptstadtsbewerbung unbedingt berücksichtigt werden müsse. Auffällig war dabei zweierlei: Der Saal war halbleer – was heißt, dass sich so viele Bürger dann doch nicht für das Thema Kulturhauptstadt interessieren. Und: Die meisten Vorschläge waren interessengeleitet. Betreiberinnen von Dorfbibliotheken wollten, dass Dorfbibliotheken mehr beachtet werden. Lehrer an Malschulen verlangen, dass mehr für frühkindliche Kunsterziehung getan wird. 

Die Haltungen sind verständlich, und es wäre ja in der Tat schön, wenn mehr für Malschulen und Dorfbibliotheken getan werden würde. Aber wird man damit Kulturhauptstadt? Wohl kaum. 

Auch die Verantwortlichen in Hannover haben sich lange mit dem Sammeln von Ideen und dem Wahrnehmen von begründeten  Ansprüchen beschäftigt. Jetzt ist zu spüren, dass diese Phase langsam mal vorbei sein muss. Dass endlich Schwung in die Sache kommen muss. 

Und es bewegt sich tatächlich etwas. Mitte Februar haben einige kunstinteressierte Persönlichkeiten der Stadt einen „Offenen Brief“ veröffentlicht. Darin heißt es: „Ein großes Projekt wie die Bewerbung zur ,Kulturhauptstadt Europas 2025’ braucht (...) unabhängiges und ungewohntes Denken, braucht große Gesten und feines Gespür, große Kontinuität und wahre Verlässlichkeit.“

Ungewohntes Denken, große Gesten – wie richtig. Bisher war davon eher nicht so viel zu spüren. Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums, hat Anfang der Woche bei einer Veranstaltung der SPD die Piefigkeit des derzeitigen Mottos „Nachbarschaft“ kritisiert, und angemahnt, die Kulturhauptstadtsbewerbung in kompetentere Hände zu legen als in die von Verwaltungsangestellten. Dem kann man nur zustimmen.

Allenthalben ist zu spüren: Viele wollen, dass endlich etwas passiert. Dass es losgeht. Dass sich etwas verändert. Die Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt wäre ein gutes Mittel, um Schwung in die Stadtentwicklung zu bringen – auch jenseits von Kultur. Und eigentlich auch jenseits eines Erfolges der Bewerbung. Selbst, wenn Hannover nicht Kulturhauptstadt werden würde, ließe sich auf dem Weg dahin viel Gutes anstellen. 

Jetzt scheint es so, als warteten alle Beteiligten auf den Auftritt eines Helden, der die Geschicke der Bewerbung in die Hand nehmen wird, der mit frischen Ideen Lust auf Kulturhauptstadt macht, der dafür sorgt, dass Hannover 2025 Gastgeber einer wunderbaren Kulturparty wird, die die Gäste staunen lässt. Es wäre schön, wenn bald ein kompetener Macher gefunden wäre.

Aber wenn es den Helden gar nicht gibt? Wenn niemand gefunden wird, weil alle kompetenten Kulturköpfe, die so etwas machen, schon in anderen Städten, die schneller waren, im Bewerbungsmodus sind? Leute wie Tom Stromberg (der die Expo-Kultur vorangebracht hat) oder Bernd Kaufmann (der künstlerische Leiter von Movimentos) sind selten. Und sie haben in einem trägen und übervorsichtigen Umfeld auch keine Chance.

Vielleicht wird es also nichts mit dem Auftritt eines Helden. Aber wäre das so schlimm? Hannover hat Menschen, die sich engagieren, hat Freunde der Kunst, die Ideen haben und Mut und Elan. Vielleicht käme es nur darauf an, diese Kulturmenschen klug zusamenzubringen, ihnen die Freiheit zu geben, nach vorn zu denken. Und dann den Mut zu haben, die nötigen Mittel in die Hand zu nehmen, um Ideen auch umzusetzen. 

Von Ronald Meyer-Arlt

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