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Kultur Kunstschau "Made in Germany" startet in Hannover
Nachrichten Kultur Kunstschau "Made in Germany" startet in Hannover
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17:11 03.06.2017
Von Daniel Alexander Schacht
Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Der Maschsee ist kupferfarben. Das Wasser des Sees berührt das Kupfer aber nicht, es kräuselt sich ab und zu sanft in einer Reihe von hellen Tonschalen. Von einigen Schalen steigt ein zarter Dunst auf. Nah am Ufer des Sees liegt ein Karpfen. Schwer. Aus Bronze.

„Seelandschaft mit Nebel“ heißt die Installation, und sie ist in den kommenden drei Monaten in der Kestnergesellschaft Hannover zu sehen, als Teil der Kunstschau „Made in Germany Drei“. Die Berliner Künstlerin Katinka Bock hat verschiedene Elemente des Sees abstrahiert: die Kupferplatten als Grund, die Schalen für das Wasser. Eine nackte Stele am Rand stellt den Fackelträger dar, ohne Fackel und ohne Träger. Jede der sieben Skulpturen am See findet eine Entsprechung im Kestner-Saal, und der Bronzefisch ist die achte. Auch er hat eine Entsprechung: Eine Kopie des Fischs liegt seit zwei Tagen am Grund des (echten) Maschsees.

„Highlight des Kunstsommers“

„Made in Germany Drei“ – das ist eine Bestandsaufnahme neuer Kunst in Deutschland, verteilt auf Sprengel-Museum, Kunstverein Hannover und Kestnergesellschaft, und sie wird heute eröffnet. Sieben Künstlerkollektive und mehr als 40 Künstler sind mit über 120 Werken vertreten. „Diese Ausstellung ist das Highlight des Kunstsommers in Hannover“, sagt Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic. Die beiden ersten Ausgaben von „Made in Germany“ seien sehr spannend gewesen, sagt Regionspräsident Hauke Jagau und fügt hinzu: „Auch ,Made in Germany Drei’ wird richtig spannend werden – und wichtig für die Stadt und die Region.“ Zur Finanzierung der Ausstellung, die mehr als eine Million Euro kostet, haben außer Stadt und Region sowie dem Land Niedersachsen elf Stiftungen und Unternehmen beigetragen.

„Produktion. Made in Germany Drei“ lautet der vollständige Ausstellungstitel. „Kunst entsteht heute stärker in kollektiven Prozessen, und die Künstler setzen sich dabei auch mit den Bedingungen ihrer eigenen Produktion ebenso wie mit ihren Herstellungs- und Präsentationsorten auseinander“, sagt Carina Plath, die Vizechefin des Sprengel-Museums.

Globalisierung im Kunstraum

Die dritte Ausgabe der Kunstschau hat neben den drei Ausstellungshäusern das Schauspiel, das Festival Theaterformen und die Kunstfestspiele als Partner gewonnen. Das liegt am Wandel der Kunst selbst: Die Ausstellungsmacher wollen so dem Umstand gerecht werden, dass in der Kunst zusehends die Gattungsgrenzen fallen und Inszenierungen und Performances an Bedeutung gewinnen.

Fotostrecke Kultur Allgemein: Kunstschau "Made in Germany" startet in Hannover

Dabei ließe sich der Begriff der Produktion eigentlich auf schlichtweg alles beziehen, Industriegüter, gesellschaftliche Entwicklungen, individuelle Gefühle. Die meisten Künstler reflektieren aber lediglich die eigene Kunstproduktion. Ausdrücklich weitet nur das Künstlerduo Amy Lien und Enzo Camacho den Fokus über die künstlerische Produktion hinaus und wirft den Blick auf ganz andere Produktionen: Ihre Rauminstallation in der Kestnergesellschaft besteht aus einer Leichtbauvariante der Berliner Mauer sowie aus vier Monitoren und einer darüber kreisenden Modelleisenbahn mit Kamera, deren Bilder auf einer Videowand flimmern. Der Werktitel „oder“ ist eine Anspielung auf den Film „Palermo oder Wolfsburg“, in dem der Filmemacher Werner Schroeter 1980 den schwierigen Start eines Gastarbeiters in der VW-Stadt schildert. Neben Ausschnitten aus dem Film sind auf den Monitoren dokumentarische Szenen der Globalisierung zu sehen – buntes Leben in Sizilien, graue Werktätige in China, Banker in Singapur, Callcenter-Arbeiter in Manila.

Ist diese Vielfalt von Anspielungen eine Zumutung? Zweifellos. Es ist aber die Zumutung globaler Produktion, die damit in den Kunstraum geholt wird.

Tickets, Preise, Zeiten

„Produktion. Made in Germany Drei“: vom 3. Juni bis zum 3. September in der Kestnergesellschaft, dem Kunstverein und dem Sprengel-Museum. Geöffnet dienstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr sowie darüber hinaus gemäß den Öffnungszeiten der einzelnen Häuser. Das Kombiticket gestattet auch deren Besuch an unterschiedlichen Tagen und kostet 14 (ermäßigt: 10) Euro. Einzeltickets kosten in der Kestnergesellschaft 7 (ermäßigt: 5) Euro, im Kunstverein 6 (4) und im Sprengel-Museum 7(4) Euro.

Performances: „Impure Fiction“, ein Schreib- und Performancekollektiv aus Frankfurt, bietet eine Performance auf der Grundlage einer teils neu geschriebenen Version von Bertolt Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“. Erster Termin: 
2. Juni, 20 Uhr im Kunstverein/Literaturhaus, Sophienstraße 2. „First Class“ mit Nile Koetting, 24. Juni, 15.30 Uhr im Kunstverein/Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2. Performance mit Jorgos Sapountzis, 24. Juni, 20 Uhr, Sprengel-Museum, Kurt-Schwitters-Platz.

Theater: „Oratorium“ vom Theaterkollektiv She She Pop. Erster Termin: 9. Juni, 21.30 Uhr, Ballhof Eins, im Rahmen des Festivals Theaterformen.

Konzerte: „Now or Nellie“, 10. Juni, 19.30, 20.30 und 22 Uhr in der Kestnergesellschaft, Goseriede 11. Allstarsband des Schauspiels, 10. Juni, 20 Uhr, Kunstverein. „Fortuna Robbin“, Konzert mit Markus Schmickler in Kooperation mit den Kunstfestspielen, 10. Juni, 22 Uhr, Sprengel-Museum.

Künstlergespräche: Andreas Greiner, 1. August, 18.30 Uhr, Sprengel-Museum. Carina Brandes und Schirin Kretschmann, 23. August, 19 Uhr, Kunstverein. Daniel Knorr, 29. August, 19 Uhr, Kestnergesellschaft.

Lichtinstallationen: Victoria Coeln: „Painting the Night“, bis 4. Juni jeweils von 21.30 bis 23.30 Uhr im Großen Garten Herrenhausen. Marcus Schmickler & Carsten Goertz: „Revolving Realities Redux“, bis 4. Juni jeweils von 21.30 bis 23.30 Uhr im Arne-Jacobsen-Foyer Herrenhausen.